c't 19/2022
S. 72
Test & Beratung
Mini-PC

Hosentaschen-PC

Lüfterloser Mini-PC Zotac ZBox PI 336 pico im Test

Der kompakte Rechner mit vorinstalliertem Windows 11 Pro ist klein genug für die Hosentasche und hat dennoch alle wichtigen Schnittstellen eines großen Desktop-PCs, darunter zwei Monitoranschlüsse. Wir prüfen, wie alltagstauglich der Mini-PC mit seinem Stromsparprozessor ist.

Von Christian Hirsch

Nimmt man den notizbuchgroßen Mini-PC ZBox PI 336 pico in die Hand, spürt man sofort, dass er komplett aus Aluminium gefertigt ist. Ober- und Unterschale führen mit Kühlrippen die Wärme von Prozessor & Co. ab, denn in dem Winzling gibt es keinen Lüfter. Um ihn in Betrieb zu nehmen, reicht es, das mitgelieferte 5-Volt-Netzteil sowie Tastatur, Maus und Monitor anzuschließen.

Ums Betriebssystem müssen Sie sich nicht kümmern, denn Zotac liefert die ZBox mit Windows 11 Pro aus. Allerdings handelt es sich um die N-Version, der unter anderem der Windows Media Player sowie einige Video-Codecs fehlen. Wollen Sie den Mini-PC nicht nur für Office-Anwendungen, sondern auch als Medienzuspieler verwenden, müssen Sie das kostenlose Media-Feature-Pack von Microsoft nachinstallieren.

Bei den Anschlüssen kann der PC-Zwerg mit den Großen mithalten: Über DisplayPort 1.4 und HDMI 2.0 steuert er zwei 4K-Displays mit 60 Hertz Wiederholrate an. Für Peripheriegeräte gibt es eine USB-C-Buchse sowie zwei vom Typ A. Alle drei USB-Ports arbeiten mit 10-Gbit/s-Tempo. In der Praxis liegt der Durchsatz bei mindestens 900 MByte/s.

Das ist erheblich schneller als der intern aufgelötete 128 GByte große eMMC-Speicher. Beim Schreiben schafft dieser nur 110 MByte/s, was langsamer als viele Festplatten ist. Bei der Netzwerkanbindung hat man die Wahl zwischen klassischem Gigabit-Ethernet und modernem Wi-Fi 6E. Der Kartenleser in der Front kann nur USB 2.0, was MicroSD-Kärtchen auf 42 MByte/s ausbremst.

Die Anschlüsse bringt Zotac auf zwei Seiten der ZBox PI 336 pico unter. USB-A, HDMI und DisplayPort sitzen kopfüber im Gehäuse.
Die Anschlüsse bringt Zotac auf zwei Seiten der ZBox PI 336 pico unter. USB-A, HDMI und DisplayPort sitzen kopfüber im Gehäuse.

Leistung am unteren Limit

Das CPU-SoC Intel Celeron N6211 mit auf dem Package untergebrachten Chipsatz ist ebenso wie der 4 GByte große LPDDR4x-RAM fest aufgelötet. Deshalb gibt es keine Möglichkeit, den Mini-PC intern aufzurüsten. Die zwei sparsamen, aber schwachen Tremont-Kerne des Celeron N6211 mit 1,2 GHz Takt (Turbo: 2,9 GHz) halten mit den leistungsfähigeren Zen-3- oder Golden-Cove-Kernen moderner Ryzen- und Core-i-Prozessoren nicht ansatzweise mit. Deswegen benötigt die ZBox PI 336 pico über eine halbe Minute bis zum Windows-11-Desktop. Springt im Hintergrund das Windows-Update an, stehen beide Kerne unter Volldampf, sodass sich Menüs nur noch mit erheblicher Verzögerung öffnen.

Die Versprechungen von Zotac, dass es sich bei der ZBox um einen „der kleinsten vollwertigen Desktop-PCs“ und den „idealen Media-Hub“ handelt, gelten nur eingeschränkt. So lief der Office-Benchmark Sysmark 25 nicht, weil dieser mindestens 8 GByte Arbeitsspeicher benötigt. Diese Menge empfehlen auch wir als Minimum für einen PC. Außerdem entlastet die integrierte Grafikeinheit zwar die CPU bei der Videowiedergabe, beim Abspielen von YouTube-Videos im Browser ruckelt es aber, sobald das Overlay-Bedienmenü der Videoplattform erscheint. Auf unserem Exemplar meldete Windows beim Start zudem eine fehlende Datei des Realtek-Audio-Treibers. Als Workaround haben wir stattdessen den HD-Audio-Standardtreiber von Windows verwendet.

Dank der sparsamen Komponenten schluckt der Mini-PC im Leerlauf knapp vier Watt. Unter Volllast kommt er auf für einen Desktop-PC extrem niedrige 11 Watt. Bei Dauerlast heizt sich das Gehäuse langsam bis auf rund 60 °C auf, sodass es sich nicht mehr schmerzfrei anfassen lässt. Kurz vor Redaktionsschluss teilte uns der Hersteller mit, dass es sich noch um ein Vorseriengerät handelt und ein geändertes Gehäuse mit zusätzlichen Kupferelementen die Kühlleistung verbessern soll.

Achtung, heiß! Unter Volllast heizt sich das Aluminiumgehäuse der lüfterlosen ZBox PI 336 pico bis auf 60 °C auf.
Achtung, heiß! Unter Volllast heizt sich das Aluminiumgehäuse der lüfterlosen ZBox PI 336 pico bis auf 60 °C auf.

Als Zubehör liefert Zotac einen 3,5-mm-Klinkenadapter mit, damit Headsets mit beiden Pinbelegungen nach CTIA- und OMTP-Standard funktionieren. Eine Halterung erlaubt es, den Mini-PC per VESA-Mount hinter einen Monitor oder unter der Tischplatte anzuschrauben.

Fazit

Die ZBox PI 336 pico ist in der Tat einer der kleinsten Windows-PCs und mangels Lüfter absolut still. Allerdings geht ihm selbst bei einfachen Aufgaben schnell die Puste aus. Im Vergleich zum Vorgänger Zbox PI335 pico kostet der Mini-PC mit 370 Euro bei etwas besserer Ausstattung 100 Euro mehr [1]. Wer einen passiv gekühlten, kompakten Rechner zum ähnlichen Preis sucht, ist mit dem etwas größeren Barebone ZBox CI331 nano besser bedient, der mit bis zu 16 GByte Arbeitsspeicher alltagstauglicher ist [2]. (chh@ct.de)

Zotac ZBox PI 336 pico
Lüfterloser Mini-PC​
Hardware-Ausstattung
CPU / Kerne / Takt (Turbo) Celeron N6211 / 2 / 1,2 (1,6 bis 2,9) GHz
RAM 4 GByte LPDDR4x-3200
Grafik (-speicher) Intel HD (vom Hauptspeicher)
Mainboard (Format) / Chipsatz Zotac ZBOX-PI336 (proprietär) / im CPU-SoC integriert
SSD (Typ, Kapazität) SanDisk DF4128 (eMMC, 128 GByte)
Kartenleser MicroSD
Sound-Chip (Chip) HD Audio (Realtek ALC 269)
Netzwerk-Interface (Chip, Anbindung) / TPM 1 Gbit/s (Realtek RTL8111GS, PCIe) / fTPM 2.0
WLAN-Interface (Chip, Anbindung) Wi-Fi 6E, 2,4 Gbit/s, Bluetooth 5.3 (Intel AX210, PCIe)
Abmessungen 11,5 cm × 2,1 cm × 7,6 cm
Netzteil (Leistung) Golden Profit Electronics GPE024C-050400-Z, 5 Volt, extern (20 Watt)
Anschlüsse 1 × HDMI 2.0, 1 × DisplayPort 1.4, 2 × USB-A 10 GBit/s, 1 × USB-C 10 GBit/s, 1 × LAN, 1 × analog Audio
Betriebssystem / installiert im UEFI-Modus / Secure-Boot Windows 11 Pro N / ✓ / –
Zubehör Recovery-Stick, Kurzanleitung, Befestigungsrahmen, Headset-Adapter
Elektrische Leistungsaufnahme, Datentransfer-Messungen und Geräuschentwicklung
Soft-Off (mit ErP) / Energie Sparen / Leerlauf (DP UHD) 0,7 W (0,3 W) / 0,7 W / 3,7 W
Volllast: CPU / CPU und Grafik 9 W / 11 W
eMMC: Lesen (Schreiben) 260 (110) MByte/s
USB-A (10 Gbit/s) / USB-C (10 Gbit/s): Lesen (Schreiben) 1030 (903) / 1026 (959) MByte/s
LAN: Empfangen (Senden) 118 (119) MByte/s
CF- / SDXC-Card: Lesen (Schreiben) 42,0 (29,0) MByte/s
Geräuschentwicklung (Note) < 0,1 Sone (plusplus)
Funktionstests
Secure-Boot ab- / CSM einschaltbar ✓ / –
Wake on LAN: Standby / Soft-off ✓ / ✓
USB: 5V in Soft-off / Wecken per USB-Tastatur aus: Standby (Soft-off) ✓ / ✓ (–)
Bootdauer bis Login 31 s
Parallelbetrieb Monitore (digital) 2 × UHD 60 Hz (HDMI + DisplayPort)
analog Mehrkanalton (Art) / 2. Audiostrom n. v. (nur Stereo) / n. v.
HDMI-Mehrkanalton: PCM / Bitstream 7.1 / DTS Audio, Dolby Digital Plus, DTS-HD, Dolby TrueHD, Dolby Digital
Systemleistung
Cinebench R23: 1T / MT 505 / 830
3DMark: Fire Strike 503
Bewertung
Systemleistung: Office / Rendering / Spiele neutral / minusminus / minusminus
Audio: Wiedergabe / Aufnahme neutral / minus
Geräuschentwicklung / Systemaufbau plusplus / plus
Preis / Garantie 370 € / 60 Monate (nach Registrierung)
✓ funktioniert – funktioniert nicht n. v. nicht vorhanden plusplus sehr gut plus gut neutral zufriedenstellend minus schlecht minusminus sehr schlecht​

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