c't 19/2022
S. 76
Test & Beratung
Temperatursensor

Wolkenloses Thermometer

Wer Energie beim Heizen sparen will, braucht eine solide Datengrundlage. Der Sensor Shelly Plus H&T erfasst Temperatur und Luftfeuchte, funkt die Werte per WLAN und Bluetooth und zeigt sie auf einem E-Ink-Display. Alle Verbindungen mit der Cloud sind optional und der Hersteller zwingt niemandem sein Ökosystem auf.

Der Smart-Home-Hersteller Allterco aus Bulgarien geht mit seinen Produkten unter der Marke Shelly seit jeher andere Wege als in der Branche üblich: Statt Cloudzwang und Einrichtung über eine eigene App konfiguriert man Shelly-Produkte lokal per Weboberfläche, holt die Daten lokal ab und bekommt die Cloudfunktionen des Herstellers optional dazu. Mit diesem Konzept hat sich Shelly einen Namen für vernetzte Relais gemacht. Ende Juli hat Allterco das Sortiment um eine kleine Sensorkiste erweitert.

Verbaut sind im Shelly Plus H&T ein Temperatur- und Luftfeuchtesensor, ein E-Ink-Display sowie ein WLAN- und Bluetooth-Modul. Einrichtung und Kommunikation sind so gelöst, wie man es von Smart-Home-Geräten erwartet, aber nur allzu selten bekommt: Für die Einrichtung spannt der kleine Kasten ein WLAN-Netzwerk auf, in der Weboberfläche gibt man die Zugangsdaten zu einem WLAN (und sogar optional einem Reservenetz) ein und stellt dann den eingebauten Access-Point ab. Den Zugang zur Oberfläche kann man per Kennwort sichern.

Entscheidet man sich gegen sämtliche Cloudanbindungen, bekommt man die Daten ab dann entweder per MQTT (wahlweise sogar mit TLS) – ideal für Hausvernetzer, die bereits einen MQTT-Broker betreiben und mit den Daten eigene Automationen basteln wollen. Das wäre beispielsweise bei allen der Fall, die HomeAssistant nutzen oder unser c’t-Smart-Home auf einem Raspi installiert haben. Alternativ kann der Sensor bei Änderungen der Messwerte eine URL per HTTP(S) aufrufen und dort seine Daten abladen – das eignet sich zum Beispiel für Dienste wie IFTTT.

Mit Energie versorgt man die Schachtel entweder per USB-C-Netzteil oder mit vier AA-Batterien, die nicht im Lieferumfang sind. Setzt man aufladbare Akkus ein, kann man sie leider nicht per USB-C laden. Damit die Batterien nicht nach wenigen Stunden Dauerverbindung mit dem WLAN leer sind, schläft das Gerät die meiste Zeit. Nur wenn sich die Messwerte ändern, wacht es auf, verbindet sich und funkt die Daten an die hinterlegten Server. Fernsteuern lassen sich Geräte, die nach diesem Prinzip arbeiten, nicht. Für einen Sensor ist das aber eine elegante und stromsparende Lösung. Die Schwellwerte fürs Aufwachen konfiguriert man in der Weboberfläche. Bis zu einem Jahr soll ein Satz Batterien halten – was auch daran liegt, dass ein E-Ink-Display nur beim Ändern der Inhalte Energie braucht und das WLAN meist aus ist. Testen konnten wir das noch nicht, der H&T ist erst seit einem Monat auf dem Markt.

Wer sich für Cloud und App entscheidet, teilt seine Temperaturdaten mit dem Hersteller, bekommt in der funktionalen App im Gegenzug fertige Diagramme auf dem Mobiltelefon. Das lohnt sich für Smart-Home-Einsteiger, denen NodeRed, HomeAssistant & Co. noch zu komplex waren. Die App zeigt auch andere Geräte des Herstellers. Sie können damit beispielsweise auch die in die Unterputzdose hinter Lichtschaltern passenden Shelly-Relais-Kästchen steuern.

Insgesamt liefert Shelly für 35 Euro ein durchdachtes Gerät mit herausragender Weboberfläche und vorbildlicher – weil optionaler – Cloudanbindung. Noch runder wäre das Gerät mit zumindest einer eingebauten Taste zum Auslösen von Aktionen. (jam@ct.de)

Shelly Plus H&T
WLAN-Temperatur- und Luftfeuchtesensor
Hersteller, URL Allterco Robotics, shelly.cloud
Größe, Gewicht 70 mm × 70 mm × 26 mm, 48 g
Energieversorgung 4 AA-Batterien oder USB-C (keine Akkuladung)
Preis 35 €

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