c't 19/2022
S. 80
Test & Beratung
Mobiler Projektor

Video to go

Smarter Kompakt-Beamer mit Akku-Option

Samsungs Projektor „The Freestyle“ sieht aus wie ein kleiner Scheinwerfer, ist unkompliziert zu bedienen und leistet auch unterwegs gute Dienste. Wie unser Test zeigt, taugt er aber nicht für alle Umgebungen.

Von Ulrike Kuhlmann

Der kleine weiße Beamer ist ungefähr so groß wie eine Ravioli-Dose. Er lässt sich um 180 Grad auf dem Spot-Halter drehen und so die Projektion auf Wand oder Decke bringen. Besonders praktisch: The Freestyle stellt das Bild automatisch scharf, entzerrt bei nicht frontaler Projektion und richtet es auch anhand der Oberflächenkontur aus. Nur auf einer maskierten Leinwand wird man bemerken, dass das projizierte Bild häufig ein klein wenig schief steht. Der Aufbau ist dank der Auto-Korrektur im Handumdrehen erledigt.

Mit externen Quellen verbindet sich der Projektor per Micro-HDMI-Buchse. Ein passendes Kabel oder ein Adapter für wenige Euro fehlt im Lieferumfang allerdings und die wenigsten werden so etwas daheim haben. Weil das Gerät mit 800 Gramm sehr leicht ist, zieht ein dickes HDMI-Kabel den Beamer schon mal vom Tisch.

Der USB-C-Anschluss am Freestyle dient ausschließlich zur Stromversorgung. Diese funktioniert über einen USB-Ladeadapter, der laut Samsung mindestens 20 Volt/60 Watt liefern soll; ein Netzteil plus Kabel lag unserem Gerät bei. Alternativ schließt man Powerbanks an und betreibt den Freestyle mobil. Samsung hat ihm das Tizen-Betriebssystem verabreicht und gängige Apps wie Netflix, Amazon Prime Video, Apple TV, Disney Plus, Magenta TV und Sky Ticket sowie die Mediatheken von ARD und ZDF vorinstalliert. Mit einer stabilen WLAN-Verbindung kann man so überall ohne weitere Zuspieler Videos schauen.

Bild und Ton

Wir haben für unsere Messungen den Filmmodus gewählt, weil in diesem die schönen Farben am ehesten zur Geltung kommen; die Farbtemperatur ist aber auch darin mit rund 9000 Kelvin reichlich kühl. Der Schwarzwert liegt im Mittel bei 0,6 Lumen, insbesondere in hellerer Umgebung saufen dunkle Bereiche ab. Der mittlere (ANSI-)Kontrast erreicht knapp 100:1, der maximale Kontrast 388:1. Der Lichtstrom liegt anders als von Samsung spezifiziert nur bei etwa 230 Lumen. Das ist für helle Umgebungen deutlich zu wenig.

Aus einem Meter Projektionsabstand ergibt sich ein Bild mit knapp einem Meter Diagonale beziehungsweise 37 Zoll, aus zwei Metern ersetzt der Beamer ein 75-Zoll-Display. Durch die Festbrennweite der Projektionsoptik kann man die Bildgröße nur über den Abstand zur Leinwand verändern. Weil die LEDs am DLP-Chip stets dieselbe Lichtmenge liefern, sinkt die Bildhelligkeit zwangsläufig mit steigender Bildgröße. Die geringe Lichtstärke hat auch einen Vorteil: Der Regenbogeneffekt des DLP-Beamers tritt weniger stark zutage; dafür empfindliche Menschen werden ihn aber wahrnehmen.

Positiv überrascht waren wir von der Audioqualität der kleinen Dose: The Freestyle liefert einen ausgewogenen Klang mit erstaunlich satten Bässen.

Bedienung

In Samsungs Tizen OS kann man mit der Fernbedienung gut navigieren, obgleich sie im Test etwas schwammig reagierte – man muss halt fester drücken. Wesentlich nerviger: Beim Filmeschauen rufen Änderungen in den Einstellungen stets den Homescreen auf und pausieren den Film. Immerhin findet der Beamer über mehrmaliges Drücken der Return-Taste zuverlässig die letzte Stelle im Video. Die Apps für Netflix, Prime Video und Disney sind per Direkttaste verfügbar.

Statt über die kleine Fernbedienung lässt sich der Projektor per Sprache mit Amazons Alexa und Samsungs Bixby steuern und auch mit der SmartThings-App über das Smartphone. Smartphone-Inhalte kann man von ausgewählten Geräten auf den Beamer spiegeln (unter anderem alle Samsung-Handys) und auch Inhalte vom Notebook drahtlos per Miracast/WiDi projizieren.

Ein kleines Schmankerl ist Samsungs Ambiente-Modus, in dem verschiedene Bildanimationen oder Sprüche aus dem internen Speicher des Freestyle an die Wand geworfen werden. Im Test stockten die Animationen jedoch ab und an. Samsung bietet allerhand Zubehör für den mobilen Projektor an. Das ist zusammen mit dem Preis von aktuell etwa 740 Euro für The FreeStyle aber ziemlich kostspielig.

Fazit

Der smarte Mobilbeamer von Samsung tut, was er soll, und das sehr ordentlich. Die Lichtausbeute ist allerdings etwas mager und die Einsatzmöglichkeiten dadurch auf dunkle Umgebungen begrenzt. Und auch dann kann sein Bild nicht mit ausgewachsenen Heimkino-Projektoren mithalten. Es fehlt einfach an Bildtiefe, von der HDR-Wiedergabe bleibt dadurch wenig übrig. So eignet er sich gut für knallbunte, helle Animationsfilme, aber weniger für ausdrucksstarke Kinofilme. Für unterwegs ist er dank seiner Automatiken dennoch eine interessante, wenn auch etwas teure Lösung. (uk@ct.de)

The Freestyle
Smarter DLP-Beamer
Hersteller, URL Samsung, samsung.de
Projektion Auflösung / Technik / Lichtquelle 1920 × 1080 / DLP / LED
Ausstattung TizenOS mit Streaming-Apps
Anschlüsse Mikro-HDMI (Video), USB-C (Strom)
Preis 740 €

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