Geschrumpftes Topmodell
Spiegellose Systemkamera Nikon Z 8 im Test
Die Nikon D850 setzte in der Vollformatklasse Maßstäbe. Das spiegellose Nachfolgemodell Z 8 tritt in große Fußstapfen. Im Labor und in der Natur musste sie beweisen, ob sie dem Vorbild gerecht wird.
Nikon positioniert die kompakte Z 8 in der Profiklasse gegen die schweren Kameras für Sportfotografen D6 und Z 9. Wie ihre Vorgängerin, die Spiegelreflexkamera Nikon D850 vereint die Z 8 hohe Auflösung von 45 Megapixeln mit einem professionellen Autofokus.
Der rückseitig verdrahtete CMOS-Sensor erlaubt kurze Signalwege und somit eine hohe Auslesegeschwindigkeit. So nimmt die Z 8 dank des Bildprozessors Expeed7 8K-Video mit 60 Bildern pro Sekunde auf. Der Sensor wird zeilenweise ausgelesen, Rolling-Shutter-Effekte konnten wir bei unseren Testaufnahmen nicht feststellen. Fünf-Achsen-Bildstabilisierung erlaubt um bis zu fünf Blenden längere Belichtungszeiten aus der Hand, ohne zu verwackeln.
Der Autofokus ist ein Highlight der Kamera mit schneller und sicherer Erkennung von Menschen, Tieren, Fahrzeugen und Flugzeugen. Bei Porträtaufnahmen fokussiert die Z 8 auf die Augen. Im Test funktionierte der Autofokus auch noch bei sehr wenig Licht.
Handhabung
Fotografen, die mit einer Nikon-Kamera vertraut sind, werden mit der Z 8 keine Probleme haben. Knapp 20 Tasten verteilen sich über das Kameragehäuse, dazu gesellen sich zwei Einstellräder, Joystick, Vierwegewippe und auf der rechten Kameraschulter ein OLED-Display. Über einen separaten Videoauslöser erreicht man den Bewegtbildmodus. Die i-Taste neben dem Bildschirm bietet Zugriff auf zwölf Kameraeinstellungen. Drei Fn-Tasten lassen sich frei belegen.
Das Gehäuse besteht nur auf der Vorderseite aus einer Magnesiumlegierung, der hintere Bereich aus belastbarem Kunststoff. Die Verarbeitung ist über jeden Zweifel erhaben. Ein USB-C-Anschluss dient der Datenübertragung, ein zweiter zur Stromversorgung. Drahtlos kommuniziert die Kamera über WLAN, beim Tethered-Shooting geschützt über WPA2 oder WPA3, sowie über Bluetooth 5.0. So kann man die Kamera über Nikons Kamera-App (SnapBridge) steuern, Bilder aufs Smartphone übertragen und GPS-Daten ergänzen.
Messwerte und Bildkritik
Im Testlabor erreichte die Z 8 bis ISO 400 die volle Auflösung von 2752 Linienpaaren pro Bildhöhe. Bei ISO 1600 entspricht die Auflösung 92 Prozent, bei ISO 6400 bis 12.800 noch 82 Prozent. Bei der höchsten Empfindlichkeit von ISO 25.600 haben wir 73 Prozent oder 2021 Linienpaare gemessen. Die Kamera arbeitet bis ISO 1600 feine Details plastisch heraus. Ab ISO 3200 geht in der 100-Prozent-Ansicht etwas Mikrokontrast verloren. Kontrastreiche Linien wirken immer noch scharf. Ab ISO 6400 wird Bildrauschen sichtbar.
Beim Dynamikumfang reißt die Z 8 ähnlich wie das Topmodell Z 9 und die Z7 II keine Bäume aus: Bei ISO 100 konnten wir 10,2 Blendenstufen messen, die sich bis ISO 12.800 leicht auf 9,7 Blendenstufen verringerten. Die Canon EOS R5 schlägt sich da besser.
Absolut rasant zeigt sich die Kamera bei der Auslöseverzögerung mit dem schnellen Nikkor Z 24–70 f/2.8 S. Inklusive Fokussieren vergehen 0,19 Sekunden vom Auslösen bis zum fertigen Bild.
Fazit
Die Z 8 ist eine hervorragend ausgestattete Kamera, die gute Bildqualität liefert. Sonys Alpha7 R V löst höher auf: Landschafts- und Naturfotografen haben weniger die Serienbildgeschwindigkeit oder 8K-Video im Blick, sondern freuen sich über jedes Pixel Auflösung. Als geschrumpftes Topmodell ist die Z 8 dennoch attraktiv. Das gesparte Geld wird bei den meisten Fotografen in Objektiven besser angelegt sein als in den wenigen zusätzlichen Funktionen der Z 9.
Einen ausführlichen Test dieser Kamera lesen Sie in c’t Fotografie 4/2023. (akr@ct.de)
| Nikon Z 8 | |
| Spiegellose Systemkamera | |
| Hersteller, URL | Nikon, nikon.de |
| Sensor | CMOS, 35,9 mm × 23,9 mm |
| Sensorauflösung | 8256 × 5504 Pixel (45,7 MPixel) |
| Pixelgröße | 4,3 µm |
| Lichtempfindlichkeit | ISO 64 – 25.600 (erweiterbar) |
| interne Bildstabilisierung | ✓ (5 Achsen) |
| Autofokus / Messfelder | Hybrid-AF / 493 |
| kürzeste / längste Verschlusszeit | 1/32.000 s (elektr.) / 900 s (Bulb) |
| Serienbildrate | 20 Bilder/s |
| Videoformat / max. Auflösung | NEV, MOV, MP4 / 8256 × 4644 (60p) |
| Videokomprimierung | N-RAW (12 Bit), Apple ProRes RAW HQ (12 Bit), Apple ProRes 422 HQ (10 Bit), H.265/HEVC (8 Bit/10 Bit), H.264/AVC (8 Bit) |
| Sucher | OLED (1280 × 960 Pixel) |
| Display / bewegl. / touch | LCD, 7,6 cm (1024 × 683 Px) / ✓ / ✓ |
| Speicherkartenfächer | CFexpress (Typ B), XQD / SD (UHS-II) |
| Akku-Kapazität / Aufnahm. | 2280 mAh / 275 (laut Hersteller) |
| Gehäuse / wetterfest | Magnesiumlegierung, Kunststoff / ✓ |
| Bajonett | Nikon Z |
| Abmessungen / Gewicht | 144 mm × 118,5 mm × 83 mm / 910 g |
| Anschlüsse | 2 × USB / Superspeed-USB, USB-PD, HDMI (Typ A), Mikrof., Kopfh., Zubehör |
| Wireless | WLAN 802.11b/g/n/ac, Bluetooth 5.0 |
| Preis (Straße) | 4600 € |