Fädennetzwerk
Instagram startet Twitter-Konkurrent „Threads“
Mit Threads hat die Meta-Tochter Instagram einen Konkurrenten zu Twitter gestartet. Das neue soziale Netzwerk enthält noch einige Baustellen, ist in der EU noch nicht verfügbar und hat dennoch einen fulminanten Start hingelegt.
Mit solch einem rasanten Start hatte man wohl nicht einmal bei Meta gerechnet: Alle paar Stunden konnte Mark Zuckerberg im neuen sozialen Netzwerk seines Konzerns Account-Rekorde verkünden. Nach nur fünf Tagen knackte Threads 100 Millionen Nutzer und raste damit am bisherigen Rekordhalter ChatGPT vorbei, der zwei Monate gebraucht hatte, um diese Marke zu erreichen.
Von jetzt auf gleich wurde Threads damit zum größten Konkurrenten für Twitter, obwohl es laut Meta gar nicht Ziel ist, Twitter zu ersetzen. Stattdessen wolle man einen öffentlichen Raum für Communitys schaffen, die Twitter nie angenommen haben oder einen weniger wutentbrannten Ort für Gespräche suchen, erklärte Adam Mosseri, Chef von Instagram und damit auch Threads. Auch inhaltlich will man sich von Twitter abgrenzen: Politische Themen und ernste Nachrichten würden auf Threads unweigerlich auftauchen, so Mosseri, aber man werde solche Inhalte nicht fördern.
Instagram für Text
Verantwortlich für den bemerkenswerten Auftakt der Microblogging-App dürfte unter anderem die enge Anbindung an Instagram sein. Threads wird nicht nur vom Instagram-Team bei Meta entwickelt und als eine Art Instagram für Text beschrieben, sondern baut auch auf dem großen Bruder auf: Wer Threads nutzen will, muss sich mit einem Instagram-Konto anmelden und kann das eigene Profil und die gefolgten Accounts auch gleich von dort übernehmen.
Die Funktion von Threads ähnelt der von Twitter und anderen Microblogging-Diensten: Nutzer können kurze Nachrichten veröffentlichen (bis zu 500 Zeichen), Nachrichten anderer zitieren oder direkt weiterverteilen und das Ganze mit Bildern und maximal fünfminütigen Videos anreichern. Diverse, teilweise grundlegende Funktionen fehlten zu Redaktionsschluss allerdings noch, etwa die Möglichkeit, nach Posts zu suchen. Laut Adam Mosseri arbeitet man daran. Ebenso geplant sei eine Möglichkeit, Posts zu editieren. Außerdem soll ein chronologischer Feed hinzukommen, der ausschließlich Posts von Accounts zeigt, denen man folgt. Zum Start bot Threads nur einen algorithmisch bestückten Feed, der auch Posts von Leuten enthält, denen man (noch) nicht folgt.
Keine EU, kein Fediverse
Ebenfalls noch nicht an Bord sind EU-Bürger, ihnen wird die App nicht angeboten. Das liege an „noch nicht geklärten regulatorischen Anforderungen“, postete Rob Sherman, Metas Chef für Datenschutz. Weil Threads laut Sherman DSGVO-konform sei, dürften sich diese „Anforderungen“ auf den Digital Markets Act (DMA) beziehen. Der soll verhindern, dass dominante Konzerne ihre Marktmacht unfair nutzen, und könnte ein Problem für die Instagram-Threads-Kopplung darstellen.
Die Nichtverfügbarkeit versuchen Trittbrettfahrer auszunutzen: Sehr schnell tauchten in den Stores von Apple und Google Apps wie „Threads for Insta“ auf, die vielversprechend klingen, aber keinen Zugriff auf das Netzwerk verschaffen können. Stattdessen locken sie Nutzer in kostenpflichtige Abofallen. Sicherheitshalber sollte man den offiziellen Start der App hierzulande abwarten. Ohnehin blockierte Meta zu Redaktionsschluss Posts von Nutzern aus der EU, die sich die echte Threads-App unter Umgehung der App-Store-Filter installiert hatten.
Möglicherweise ebenfalls aufgrund des DMA fehlt die Anbindung ans Fediverse und die Microblogging-App Mastodon, obwohl Threads deren Protokoll ActivityPub nutzt und mit „offenen, interoperablen sozialen Netzwerken“ kompatibel sein soll. Mit solch einer Anbindung ließen sich die Daten von EU-Bürgern aber wohl kaum aus Threads heraushalten, bis Meta die regulatorischen Anforderungen klar sind.
„Eines Tages“ sollen Nutzer aber dank ActivityPub sogar ihre Follower mitnehmen können, wenn sie Threads verlassen, schreibt Mosseri auf der Plattform. Als „klaren Sieg“ sieht das Mastodon-Gründer Eugen Rochko. Andere Teile der Mastodon-Community trauen diesen ungewohnt offenen Plänen nicht und spekulieren über verdeckte Motive, die Meta haben könnte. Diverse Mastodon-Instanzen haben sogar bereits angekündigt, nicht mit Threads zu föderieren, auch wenn Meta die Anbindung freischaltet. (syt@ct.de)