c't 18/2023
S. 98
Test & Beratung
Entwickler-PC mit Dev Home

Getrübte Entwicklerfreuden

Dev Home: Windows-Dashboard für Entwickler

Windows soll wieder populärer unter Entwicklern werden. So kann man Microsofts neueste Idee namens „Dev Home“ verstehen: ein Dashboard für Entwicklerbedürfnisse und automatische Einrichtung einer Maschine aus einer YAML-Datei. Der erste Eindruck: ausbaufähig.

Von Jan Mahn

Microsofts Entwicklerkonferenz Build 2023 präsentierte sich vor allem als KI-Leistungsschau, in fast jedes Produkt hatte Microsoft ChatGPT eingebaut und wollte zeigen, was damit alles geht. Eine Ausnahme war die Ankündigung der Testversion von „Dev Home“, einer Windows-App, die zur täglichen Anlaufstelle für Entwickler werden könnte, die unter Windows programmieren.

Widgets sollen auf einen Blick zeigen, welche Aufgaben bei GitHub anstehen oder wie sehr die eigene Maschine ausgelastet ist. Geht es nach Microsoft, soll ein Ökosystem aus Widgets entstehen, zu dem auch andere Anbieter von Entwicklerwerkzeugen etwas beitragen können. Das könnten CI/CD-Umgebungen sein, andere Git-Hoster, Containerumgebungen wie Docker und Kubernetes oder etwa ein Webserver. Damit dieses Ökosystem eine Chance hat, ist Dev Home Open-Source-Software und erweiterbar. Die mitgelieferten GitHub-Widgets sind das ebenfalls und sollen als Inspiration dienen. Beide liegen bei GitHub, zu finden über ct.de/y6c7.

Ein weiteres Versprechen an Entwickler: Schluss mit manuellem Einrichten von Maschinen und händischen Installationen von dem, was zum Entwickeln nötig ist, also Git-Repositories und Software wie IDEs, Compiler und weiteres Zubehör.

Lostesten

Die App „Dev Home“ liegt schon während der Testphase im Microsoft-Store. Mitglied im Windows-Insider-Programm muss man aber nicht sein, einzige Voraussetzung ist ein PC mit Windows 11. Windows-10-Nutzer bleiben außen vor. Direkt mitinstallieren sollte man im Store die App namens „App-Installer“ von Microsoft, deren Funktion Dev Home einspannt, um Apps über den Paketmanager WinGet zu installieren. Installiert man diese Erweiterung nicht, bleiben Schaltflächen ausgegraut. Wenn Sie den Store geöffnet haben, sollten Sie dort unter dem Menüpunkt Bibliothek (links in der Leiste) direkt das „Windows Web Experience Pack“ aktualisieren, sofern es dort aufgeführt wird – das erspart später Fehlermeldungen. Bei dem ganzen Aufwand rächt sich, dass der Windows-Store keine Abhängigkeiten verwalten kann.

Sind die Voraussetzungen geschaffen, grüßt Dev Home mit einer Willkommensseite. Falls Sie die helle Oberfläche stört: Unten links unter Einstellungen und dort unter dem gleichnamigen Menüpunkt finden Sie den Dark Mode. Nach dem Umschalten muss die App neu gestartet werden, damit die Änderung wirksam wird.

Zunächst zum Dashboard und zu den Widgets: Von denen gibt es aktuell nur zwei Kategorien, einmal Windows-eigene und ein paar von GitHub. Die Windows-Widgets entsprechen inhaltlich in etwa dem, was der Taskmanager auch anzeigen kann: Auslastung von Prozessor, RAM und Netzwerkkarte. Um GitHub-Widgets zu nutzen und auf private Repositories zuzugreifen, müssen Sie sich zunächst auf der Dev-Home-Startseite anmelden. Auf den Kacheln sehen Sie zum Beispiel Issues eines Repositories, an dem Sie gerade arbeiten, oder Ihnen zugewiesene Pull Requests. Es zeigt sich aber schnell, wie beschränkt das Dashboard-Konzept noch ist. Ein Widget darf aktuell nur klein, mittel oder groß sein – ein Unterschied in der Höhe von jeweils zwei Zentimetern. Sie frei anzuordnen ist noch nicht möglich.

Bisher gibt es auf den Dashboards nur Systeminformationen und GitHub-Details zu sehen. Die Software ist aber quelloffen und soll von der Community erweitert werden.
Bisher gibt es auf den Dashboards nur Systeminformationen und GitHub-Details zu sehen. Die Software ist aber quelloffen und soll von der Community erweitert werden.

Die zweite Funktion der App soll es erleichtern, GitHub-Repositories auszuchecken. Hat man sich einmal an der App angemeldet, klappt das auch reibungslos und das Repo landet an gewünschter Stelle auf der Platte; jedoch merkt sich die App nirgends, was man heruntergeladen hat, zeigt es nicht an und erzeugt auch keine Konfigurationsdatei, mit der man mehrere Repos auf einer neuen Maschine automatisch herunterladen könnte. Zeit, diese Baustelle zu verlassen und sich der dritten zuzuwenden.

Dev Home hat eine grafische Oberfläche für den Windows-Paketmanager WinGet.
Dev Home hat eine grafische Oberfläche für den Windows-Paketmanager WinGet.

Dev Home soll Anwendungen komfortabel installieren. In der Oberfläche ist zunächst von einer YAML-Datei die Rede, die man einlesen könne – wo die herkommt, erfährt man versteckt in der Dokumentation: Es handelt sich um eine WinGet-YAML, die eine Liste aus zu installierenden Anwendungen enthält. Wie die aufgebaut ist, findet man in der WinGet-Dokumentation (siehe ct.de/y6c7). Was es mit Microsofts neuem Paketmanager auf sich hat, lesen Sie in [1]. In Dev Home kann man solche Dateien aktuell noch nicht erzeugen. Stattdessen gibt es eine einfache Oberfläche, um das Angebot von WinGet zu durchsuchen und sich eine Zusammenstellung aus nützlichen Werkzeugen zusammenzuklicken. Das funktioniert, aber auch bei dieser Funktion speichert die App nichts und hat beim nächsten Start vergessen, was man installiert hat. Auch zum Aktualisieren muss man WinGet auf der Kommandozeile aufrufen (winget list und winget upgrade).

Zusammen mit Dev Home stellte Microsoft noch das Konzept Dev Drive vor, ein virtuelles Laufwerk auf Basis des Dateisystemformats ReFS, in dem Entwickler zum Beispiel Repositories auschecken und Paketcaches für ihre Programmiersprachen ablegen. Die Integration in Dev Home ist noch nicht fertig, es gibt nur einen Verweis auf die Dokumentation, welche die manuelle Einrichtung erklärt (siehe ct.de/y6c7).

Fazit

Die Preview von Dev Home hat Microsoft zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf den Markt geworfen und zunächst mal Bausteine verarbeitet, die man in Redmond schon herumliegen hatte. Die Ideen haben aber durchaus Potenzial, das durch das unfertige Gerüst schimmert. Die Dev-Home-Entwickler müssen es schaffen, dass man die Einrichtung ihres Systems nur einmal per Hand durchklicken muss und die Software alles in eine YAML-Datei schreibt, also Softwareauswahl, Widgets und Repositories. Dann muss Microsoft darauf hoffen, dass andere Entwickler motiviert sind und eigene Widgets programmieren – sonst ist das Konzept witzlos.

Gleichzeitig muss das Unternehmen aufpassen, dass es sich nicht in zu vielen sehr ähnlichen Projekten für eine ähnliche Zielgruppe verzettelt. Auf der einen Seite ist da Visual Studio Code (VSC), das sich über die vielen mächtigen Erweiterungen und das riesige Ökosystem von einer kleinen IDE zu einem Betriebssystem im Betriebssystem entwickelt hat. Wer VSC installiert und seine Konfigurationsdatei lädt, hat große Teile seiner Einrichtung schon abgeschlossen. Auch GitHub hat man dort – so wie in vielen anderen IDEs – im Blick. Dazu pflegt Microsoft auch noch einen GitHub-Desktop-Client, über den man ebenfalls Repositories auschecken kann. (jam@ct.de)

Dev Home
Dashboard für Entwickler
Hersteller, URL Microsoft, learn.microsoft.com/en-us/windows/dev-home
Systemanf. Windows 11
Status Vorabversion
Preis kostenlos, MIT-Lizenz

Dokumentationen: ct.de/y6c7

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