Spielehelfer
Das vielseitige Open-Source-Tool Lutris vereint alte und neue Spiele auf dem Linux-Desktop. Die neueste Version installiert jetzt auch Spiele der Plattformen Itch.io und Battle.net und unterstützt Valves Proton.
Das Linux-Tool Lutris integriert Videospiele aus unterschiedlichen Quellen in eine Programmoberfläche. Native Linux-Games startet Lutris dabei ebenso wie Windows-Versionen, bei denen es sich um Kompatibilitätsschichten wie Wine und Proton kümmert. Alternativ startet Lutris sogar die Windows-Version von Steam via Wine. Die Selbstbezeichnung „Bewahrungsplattform für Videospiele“ bringt ein wichtiges Anliegen zum Ausdruck: Spiele für alte Plattformen wie Amiga, C64 und viele weitere will Lutris spielbar machen. Deshalb übernimmt es auch den Download und die Konfiguration der dafür nötigen Emulatoren.
Per Mausklick installiert man Emulatoren für Retro-Games und andere Starter – insgesamt 48 stehen zur Verfügung. Sie reichen von Flatpak, Steam und Wine bis zu Emulatoren wie Dolphin, DOSBox, MAME, Pico-8 und ScummVM. Webbasierte Spiele kann Lutris ebenfalls starten. Für den Zugriff auf manche Spielebibliotheken ist eine Anmeldung erforderlich. Auch dabei hilft Lutris, sobald man diese als „Quellen“ einzeln in den Einstellungen aktiviert hat. Danach tauchen sie in der Seitenleiste auf und stellen die Verbindung zu Amazon Prime, Battle.net, Epic Games, Itch.io, GOG.com, Humble Bundle, Steam und Ubisoft Connect her. Einzig die Quelle „Origin“ ist veraltet. Stattdessen kann man jedoch die aktuellere EA App in Lutris einrichten und Spiele von Electronic Arts damit starten. Zicken macht auch die Authentifizierung bei Humble Bundle, deshalb geht Lutris hier den Umweg über den Browser. Die Flathub-Quelle bietet alle dort als Flatpak verfügbaren Spiele kostenlos zur Installation an. Keinen Zugriff hat man in Lutris auf die Sortierungen der einzelnen Plattformen, etwa Steam-Kollektionen oder Itch.io-Sammlungen. Stattdessen lassen sich die Titel in Lutris nach Plattform filtern und nach verschiedenen Kriterien wie Name, Jahr oder Spielzeit sortieren. Die Spielzeit erfasst Lutris aber nur, wenn das Spiel über Lutris gestartet wurde, die beispielsweise in Steam verfügbaren Daten kann das Tool nicht auslesen.
Ein einzelnes Spiel fügt man über den Plus-Button in Lutris hinzu und kann dann Spieledateien von der Festplatte installieren, bereits installierte Spiele hinzufügen oder ein ROM einrichten. Am besten durchsucht man über den Dialog die Lutris-Website nach einem Installationsskript. Diese Installationsanleitungen stammen aus der Community und enthalten individuelle Konfigurationen für jedes Spiel. Alternativ kann man auch direkt auf der Website nach Spielen suchen und von dort aus die Einstellungen an Lutris weiterreichen. Das Skript legt in Lutris ein passend konfiguriertes Wine-Prefix samt der nötigen Windows-Bibliotheken an. Je nach Verkaufsplattform können sich die Skripte unterscheiden: Für Cyberpunk 2077 liefert die Lutris-Website beispielsweise unterschiedliche Installationsrezepte für Steam und GOG. Lutris ist zwar weder perfekt noch ein Rundum-Sorglos-Paket, sein Funktionsumfang macht es aber zum wohl wichtigsten Tool der Linux-Spiele-Welt. (lmd@ct.de)
| Lutris 0.5.13 | |
| Spieleverwaltung und -Launcher | |
| Hersteller, URL | Mathieu Comandon u. a., lutris.net |
| Systemanf. | Linux |
| Preis | kostenlos (GNU General Public License v3) |