Notentrommler
Musiknotation inklusive Drum-Machine: Steinberg Dorico 5 Pro
Steinbergs Notensatzprogramm Dorico setzt nicht nur, sondern spielt Partituren auch ab. Version 5 bringt die Drum-Machine Groove Agent inklusive Schlagzeug-Samples mit. Drum-Spuren lassen sich damit einfach in die Partitur ziehen. Über Vorlagen platziert Dorico virtuelle Instrumente im Stereospektrum. Wir haben getestet, was das in der Praxis bringt.
Dorico 5 von Steinberg ist dank umfangreicher virtueller Instrumente mehr als nur eine Schreibmaschine für Musik. Es enthält nun auch sogenannte Bühnen- und Raum-Vorlagen: Damit platziert man Instrumente auf einer virtuellen Bühne links oder rechts, näher oder weiter entfernt im Stereospektrum. Um den Effekt voll hörbar zu machen, braucht man ohne Hall aufgenommene Instrumente, wie sie der sehr gut ausgebaute kostenlose Steinberg-Sampler HALion 7 SE mitbringt. Dank der neuen Dorico-Funktion „Tonhöhenkontur-Betonung“ klingt das nun deutlich natürlicher: Sie fügt feine Dynamikunterschiede ein und spielt Phrasen ähnlich wie echte Musiker. Damit ergänzt sie die ältere Humanize-Funktion.
Rhythmusmaschine
Beim ersten Aufruf möchte Dorico 5 Steinbergs kostenlose Drum-Machine Groove Agent SE installieren. Passend dazu liefert der Hersteller die beiden Groove-Agent-Schlagzeuge „The Kit“ und „Jazz Essentials“ mit. Laut Steinberg haben namhafte Jazzer im Berliner Teldex Studio diese Schlagzeuge eingespielt. Beide Kits bestehen aus mehreren Sets mit jeweils 16 Instrumenten. Über 16 virtuelle Pads kann man sie wie bei einer Hardware-Drum-Machine aufrufen. Groove Agent enthält außerdem 400 von Musikern eingespielte Drum-Patterns. Der Clou von Dorico 5: Diese Patterns kann man im Groove Agent direkt auf eine Schlagzeugspur ziehen. Sie erscheinen dann als Noten an der rhythmisch passenden Stelle. Damit verwandelt sich Dorico in eine per Notation leicht zu steuernde Rhythmusmaschine. Fürs Playback kann man eine simulierte Echokammer nutzen und das Drumset auf zwei Weisen mikrofonieren.
Der neue Instrumenten-Editor greift auf einen Datensatz von über 600 Instrumententypen und deren Attribute zurück, darunter Name, Transposition, Tonumfang, Notensysteme und Schlüssel. Änderungen wirken sich auf entsprechende Instrumente in der gesamten Partitur aus. Die Familien der Instrumente und die Reihenfolge kann man leider nicht ändern. Erwähnt sei noch eine Neuerung, die aus Magnetbandzeiten stammt, das „Scrubbing“ per Maus, bei dem die Musik wie eine Mickymausstimme klingt: Es bildet ein schnelles Hin- und Herziehen des Magnetbandes nach und hilft, Inhalte in der Partitur zu finden.
Arbeit mit der Maus
Um ungewollte Änderungen am Notenmaterial zu vermeiden, hat Dorico anfänglich die Mausnutzung eingeschränkt. Dieses Prinzip weicht der Hersteller jetzt auf: Im Schreiben-Modus wird durch vertikales Ziehen der Maus die Tonhöhe verschoben. Drückt man die Alt-Taste, wird die Note an die neue Position kopiert. Beim horizontalen Ziehen verschiebt oder kopiert Dorico die Töne rhythmisch. Glissandi-, Arpeggio-, Ornament- oder Triller-Zeichen vergibt Dorico jetzt auf Wunsch auf mehreren markierten Systemen.
Dorico 5 installiert acht neue Schriftfamilien, die aus anderen Notensatzprogrammen stammen und daher für Umsteiger in der einen oder anderen Richtung interessant sein könnten. Darunter sind Finale Maestro, Leland von MuseScore und der handschriftliche Font Finale Jazz. Sie laufen wie Doricos ursprüngliche Fonts Bravura und Petaluma unter der Open Font License (SIL) im Format Standard-Music-Font-Layout (SmuFL).
Fazit
Die neuen Vorlagen für Stereoklang dürften bei halligen Live-Aufnahmen wenig nutzen, sie erleichtern aber mit Sample-Instrumenten die Stereopositionierung. Der Groove Agent SE lässt sich auch mit der Vorversion per MIDI-Import nutzen – dann verzichtet man auf Bequemlichkeit. Ein Upgrade auf Dorico 5 lohnt sich hauptsächlich für Nutzer, die auf einfache Weise mit dem Groove Agent und seinen Kits arbeiten wollen. Damit kann Dorico komplette Songs aus Intro, Main, Refrain und Outro mit einer Schlagzeugbegleitung versehen, die Groove Agent durch seine Pattern nicht nur weitgehend automatisch erstellt, sondern auch durchgängig als Notation zeigt. (akr@ct.de)
| Dorico 5 Pro | |
| Notensatzprogramm | |
| Hersteller, URL | Steinberg, steinberg.net |
| Systemanf. | Window ab 10 (64 Bit), macOS ab 10.15 |
| Preis | 579 € (Upgrade von Version 4: 99,99 €) |