c't 9/2023
S. 96
Test & Beratung
Video

Volle Videokontrolle

Adapter verwandelt iOS-Gerät in HDMI-Monitor und -Recorder

Bei professionellen Videoaufnahmen sind externe, tragbare und akkubetriebene Kontrolldisplays, die das Kamerabild live anzeigen, gang und gäbe. Accsoons SeeMo macht iPhones und iPads zu solchen „HDMI-Feldmonitoren“, die sogar aufnehmen, streamen und weitere Tricks beherrschen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Von Nico Jurran

Über HDMI-Feldmonitore (auch Kameramonitore genannt) sehen Filmer das von der Kamera eingefangene Videobild in Echtzeit. Dies ist nicht nur hilfreich bei komplexen Szenen, die eine präzise Komposition und Ausleuchtung erfordern: Ihre größeren Anzeigeflächen offenbaren auch Details, die auf den kleineren Kameradisplays untergehen. Und schließlich sind sie ein Segen, wenn die Kamera an einer schwer zugänglichen Position steht, sodass man nur mit Mühe auf deren Monitor schauen kann.

Doch so sinnvoll mobile Kontrollmonitore sind, so sehr belasten sie das Budget: Für Geräte bekannter Hersteller wie Atomos zahlt man schnell 330 Euro und mehr. Mancher Filmer wünscht sich da eine preiswerte Alternative – und fragt sich vielleicht, ob er nicht einfach Smartphones mit großem Display oder Tablets als Feldmonitore einspannen kann.

Apple ermöglicht dies tatsächlich bei iPhones und iPads, allerdings benötigt man dafür einen speziellen Adapter mit MFI-Zertifizierung („Made for iPhone / iPad“) – wie den „Accsoon SeeMo“: Das 190 Euro teure Kästchen wandelt HDMI-Videosignale ohne HDCP-Kopierschutz sowohl von Video- und Fotokameras als auch von Spielkonsolen so um, dass sie sich in iOS-Geräte einspeisen lassen. Für die letzte Strecke steht ein USB-C-Ausgang bereit, an den sich ein iPad Pro mit USB-C-Port direkt anschließen lässt. Für iPhones und iPads mit Lightning-Port liegt ein passender Adapter bei.

Die zweite Komponente ist die kostenlose iOS-App „Accsoon See“. Sie zeigt nicht nur das Live-Bild auf dem iOS-Geräte an, sondern schneidet das eingespeiste Videosignal auf Wunsch gleich mit beziehungsweise streamt es an Dienste wie YouTube, Facebook, Bilibili oder einfach per RTMP. Hinsichtlich des Funktionsumfangs spielt die Kombi damit in einer Liga mit kombinierten Feldmonitoren und -recodern für über 500 Euro.

Der SeeMo bringt eine Halterung samt Kaltschuhadapter mit, mit der sich ein iPhone als Kontrollmonitor auf jede Kamera montieren lässt.
Der SeeMo bringt eine Halterung samt Kaltschuhadapter mit, mit der sich ein iPhone als Kontrollmonitor auf jede Kamera montieren lässt.

Unterwegs mit dem SeeMo

Der SeeMo kommt mit abnehmbarer iPhone-Halterung inklusive ¼-Zoll-Gewindebohrung, zudem liefert der Hersteller einen Blitzschuhadapter mit. So passt der SeeMo samt Handy sowohl direkt auf Foto- und Videokameras als auch auf Rigs und separate Stative. Für iPads bietet Accsoon Rahmen mit Halterungen für den SeeMo in unterschiedlichen Größen als Zubehör an.

Passend zum mobilen Einsatz bezieht der Adapter Strom von einem Akku im Standardformat NP-F, der in eine Halterung auf der Rückseite des SeeMo kommt. Ein NP-F 970 reicht für bis zu acht Stunden Betrieb, vier LEDs am Adapter geben Auskunft über den aktuellen Ladestand. Leider dürfte nicht jedem Interessenten klar sein, dass Accsoon keinen Akku mitliefert und der Adapter auch keinen Netzstromanschluss bereitstellt. Käufer müssen also einen Akku samt Ladegerät oder ein Dummy-Akku-Netzteil für je rund 50 Euro mit einplanen.

Der SeeMo gibt selbst wiederum 5-Volt-Strom über einen USB-C-Ausgang aus, um parallel etwa einen Funkmikrofon-Empfänger zu versorgen. Auch ein per USB-C angeschlossenes iPad Pro lädt er (mit 1,5 Ampere) automatisch auf. Leider fanden wir keine Möglichkeit, letztere Funktion zu deaktivieren, um Strom für den SeeMo zu sparen. Ein mit dem Lightning-Adapter angeschlossenes iPhone oder iPad wird nicht aufgeladen – offenbar sieht Apple dies nicht vor, wenn der Port als Videoeingang läuft. So gilt es, die Akku-Anzeige in der Accsoon-App im Auge zu behalten.

Das auf dem iPhone oder iPad übertragene Bild von einer Kamera oder einer anderen HDMI-Quelle lässt sich über die „Accsoon See“-App nicht nur anschauen, sondern unter anderem auch mitschneiden und streamen.
Das auf dem iPhone oder iPad übertragene Bild von einer Kamera oder einer anderen HDMI-Quelle lässt sich über die „Accsoon See“-App nicht nur anschauen, sondern unter anderem auch mitschneiden und streamen.

Im direkten Vergleich

Nun stellt sich die Frage, ob die Kombination aus SeeMo und iOS-Gerät mit einem Feldmonitor mithalten kann. Hinsichtlich der Verzögerung, mit der das Bild auf dem Display landet, ist dies seit Accsoons letztem Firmware-Update auf Version 1.4 (wird über die App eingespielt) zu bejahen: Im Test kam das Bild über den Adapter selbst auf älteren iPad Pros und iPhones maximal 80 Millisekunden später an als auf einem Atomos Ninja V – was in der Praxis vernachlässigbar ist. Die Kombi aus SeeMo und iOS-Gerät eignet sich damit auch als Recorder und Streamer für Let's-Play-Videos von Videospielen.

Mit UHD-Signalen kommt der SeeMo im Unterschied zu teureren Feldmonitoren hingegen nicht zurecht. Vielmehr nimmt er maximal Full HD (1080p) mit 60 Hertz Bildwiederholrate entgegen und gibt das Signal auch so an iPhone und iPad weiter. Das ist bedauerlich, laut Accsoon schränkt Apple die Auflösung künstlich ein, obwohl aktuelle iOS-Geräte UHD verarbeiten könnten. Allerdings muss man sich klarmachen, dass selbst Feldmonitore wie Atomos Shogun Connect für über 1150 Euro zwar UHD-Signale annehmen, aber auch nur einen Bildschirm mit einer Auflösung von 1920 × 1200 Pixeln besitzen.

Als Ausgleich kann die See-App das Videobild bis auf das Vierfache vergrößern. So lässt sich auch am iPhone die Schärfe überprüfen. Und die Anwendung bringt noch eine Reihe weiterer nützlicher Funktionen mit, darunter ein Histogramm, verschiedene einblendbare Hilfslinien (etwa für Cinemascope-Aufnahmen) und ein Level Meter in Stereoausführung. Ebenso lässt sich das Bild spiegeln oder für anamorphe Objektive entzerren. Screenshots und die angesprochenen Videomitschnitte fertigt die App auf Knopfdruck an. Für Letztere bringt sie einen H.264-Videoencoder mit wählbarer Datenrate (0,5 bis 30 MBit/s) mit. Der Ton wird in Stereo mit 48 kHz und 16 Bit AAC-kodiert gespeichert.

Accsoon bietet als Zubehör Cages für iPad, iPad Air und iPad Pro an, die auf der Rückseite mit einer Halterung ausgerüstet sind, in die der SeeMo samt Akku Platz findet. Über seinen 5-Volt-Ausgang kann der Adapter das Tablet dann gleich mit Strom versorgen., Bild: Accsoon
Accsoon bietet als Zubehör Cages für iPad, iPad Air und iPad Pro an, die auf der Rückseite mit einer Halterung ausgerüstet sind, in die der SeeMo samt Akku Platz findet. Über seinen 5-Volt-Ausgang kann der Adapter das Tablet dann gleich mit Strom versorgen.
Bild: Accsoon

Heraus sticht noch ein Feature, das man sonst nur bei guten HDMI-Feldmonitoren findet: die Möglichkeit, sogenannte Lookup-Tables (LUTs) einzubinden, wie sie in der Postproduktion verwendet werden, um Log-Aufnahmen zu verarbeiten beziehungsweise das Aussehen von Videos zu verändern (siehe auch c’t 1/2018, S. 130). Der Filmer sieht also bereits, wie das Bild am Ende aussehen wird – und kann etwa die Beleuchtung daran anpassen. Accsoon liefert LUTs für eine Reihe bekannter Kameras mit, eigene Lookup-Tables lassen sich einfach importieren und anwenden, wenn sie im üblichen CUBE-Format vorliegen.

Fazit

Der HDMI-iOS-Adapter von Accsoon wirkt auf den ersten Blick etwas spröde, offenbart aber bei längerer Nutzung mehr und mehr spannende Möglichkeiten.

Würde der SeeMo nur iPhones und iPads in einfache HDMI-Monitore verwandeln, wäre er recht teuer. Doch der Hersteller schafft es, Filmern über die zugehörige App ein ganzes Set an Werkzeugen bereitzustellen, mit denen sich auch ambitionierte Projekte umsetzen lassen. Hinzu kommen die Aufnahme- und die Streamingfunktion, die das Einsatzgebiet auch in Richtung Videoblogging erweitern. Alles in allem erreicht Accsoon damit einen semiprofessionellen Level, der den Preis des SeeMo voll rechtfertigt. (nij@ct.de)

Accsoon SeeMo
HDMI-iOS-Adapter
Hersteller, URL Accsoon, accsoon.com
Auflösungen Eingabe 1080p 60/59,94/50/30/39,97/25/24/23,98 fps; 720p 60/59,95/50 fps
Auflösungen Ausgabe 1080p 60/50/30/25/24 fps; 720p 60/50 fps
Anschlüsse Eingänge: HDMI; Ausgänge: USB-C-Video, USB-C-Strom (5 Volt / 1 Ampere)
Systemanf. iPhone oder iPad mit iOS ab 12.0
Stromversorgung Akku NP-F550/F750/F970 (6,6 bis 8,4 Volt), nicht im Lieferumfang
Lieferumfang Halterung für iPhone (mit einer Breite von 65 bis 90 mm), USB-C-Kabel, Adapter USB-C auf Lightning, Kaltschuhadapter, Bedienungsanleitung
Maße, Gewicht 50 mm × 39 mm × 80 mm, 75 g
Preis 189 €

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