Detailgehilfe
Ein Digitalmikroskop (nicht nur) für Elektronikarbeiten
Lötarbeiten mit Durchsteckmontage kann man gut mit bloßem Auge verrichten. Bei Reparaturen oder Bestückung von SMD-Platinen sollte man diese dagegen durch ein Mikroskop betrachten. Das Tomlov DM201 Pro liegt preislich im Mittelfeld, ist gut ausgestattet und hat ein kontrastreiches Display.
Eine ruhige Hand und eine filigrane Lötspitze reichen für erfolgreiche Reparaturen an neuerer Elektronik nicht aus. Die ist meist im SMD-Verfahren (Surface-Mounted-Device) hergestellt, die Bauteile sind winzig und nicht für Handarbeit gemacht. Mit einem Mikroskop erhöht man die Treffgenauigkeit mit der Lötspitze ungemein.
Das Tomlov DM201 Pro liegt mit 179 Euro preislich im unteren Mittelfeld zwischen simplen Webcam-Mikroskopen und der Profiliga. Die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck – ganz anders als bei den billigsten Mikroskopen um 50 Euro, bei denen schon die Fixierung zur Qual wird. Die Höhenverstellung des Tomlov kann man mit einer zusätzlichen Schraube arretieren, sodass der Tubus nicht mehr nach unten rutschen kann. Mit Profigeräten aus der Oberklasse, die Laborgerätehersteller für zigtausende Euro anbieten, ist die Konstruktion aber nicht vergleichbar. Immerhin funktioniert der Fokus präzise und geschmeidig. Der Tiefenschärfebereich ist aber nicht groß, sodass man sich bei Bauteilen schon mal entscheiden muss, ob man Beschriftung oder Lötpunkte scharfziehen möchte.
Überzeugend ist das 7-Zoll-Display, das hell und kontrastreich ist. Dass seine Auflösung (1024 × 600 Pixel) im Vergleich etwa zu der eines 7-Zoll-Tablets nicht üppig erscheint, fällt beim Mikroskopieren nicht negativ auf. Gut funktioniert die automatische Belichtungssteuerung: Sobald man die Helligkeit der sechs LEDs am Tubus sowie der beiden Schwanenhalslampen verändert, stellt die Software das Bild schnell und gut ein. Nützlich, wenn man seine Arbeit dokumentieren muss, sind der HDMI-Ausgang – interessant zum Beispiel für Schule und Ausbildung – und die Speicherfunktion auf MicroSD-Karte. Per USB-Kabel meldet sich das Mikroskop zusätzlich am PC als Webcam an.
Der Sensor nimmt 5376 × 3024 Pixel (16,2 Megapixel) auf – also viel mehr als das Display anzeigt. Damit man Fotos auf Speicherkarte auch schießen kann, ohne durch den Knopfdruck zu verwackeln, liegt eine Infrarotfernbedienung bei. Wer seine Arbeit im Bewegtbild festhalten will, kann auch in den Videomodus schalten und HD-Videos aufnehmen.
Abstand zum Löten
Im Test musste das Mikroskop auch zeigen, ob die Vergrößerung bei Lötarbeiten unter dem Mikroskop etwas nützt, denn Angaben wie „10-fach-Optik“ sind schwer einzuordnen. Die Größe der Darstellung hängt maßgeblich davon ab, wie weit der Tubus vom Objekt entfernt ist. Ist der Abstand zu gering, bleibt kein Platz zum Arbeiten. Das Bild auf der nächsten Seite entstand in einem Abstand von 25 Millimetern, abgelichtet wurde ein Chip von 5 × 5 Millimetern. Der Abstand des Tubus reichte für bequemes Löten und Ablöten, störende Latenz konnten wir auch nicht beobachten. Braucht man mal mehr Vergrößerung, kann man per 16-fach Digitalzoom noch nachlegen, voll eingesetzt wird das Bild aber arg verrauscht.
Als eher hinderlich empfanden wir zunächst den aufgeschraubten UV-Filter am Tubus. Weil sich die sechs Tubus-LEDs dahinter befinden, sieht man bei manchen Abständen und Fokussierungen den Ring aus LEDs als Geisterbild. Um solche Reflexionen zu vermeiden, liegt ein Kunststoffschirm bei, den man schnell eingebaut hat. Warum er nicht gleich montiert ist, erschloss sich uns nicht, negative Effekte konnten wir nicht beobachten.
Das Tomlov-Mikroskop ist eine sinnvolle Erweiterung der Elektronikwerkstatt und eröffnet ganz neue Reparaturmöglichkeiten an SMD-Platinen mit millimetergroßen Bauteilen. Auch als Ersatz für eine Lupe mit Beleuchtung erfüllt es seinen Zweck. Eltern und Lehrer können das Mikroskop gut einsetzen, um Fundstücke aus der Natur per HDMI oder als Webcam auf den großen Schirm zu holen. Auf Spielereien wie eine WLAN- und App-Anbindung verzichtet der Hersteller, liefert dafür ein anständiges Hilfsmittel mit kontrastreichem Display. Eine ruhige Hand und eine filigrane Lötspitze ersetzt aber auch ein digitales Mikroskop nicht. (jam@ct.de)
| Tomlov DM201 Pro | |
| Digitalmikroskop | |
| Hersteller, URL | Tomlov, www.tomlov.com |
| Display | 7 Zoll, 1024 × 600 Pixel |
| Sensor | 16,2 Megapixel, 5376 × 3024 Pixel |
| Anschlüsse | USB-C (Stromversorgung und Webcam), HDMI, MicroSD |
| Akku | 2000 mAh, eingebaut (nicht wechselbar) |
| Preis | 179 € |