Verraten und gekauft
Betrug bei Flotten-Tankkarten
Auf Tankkarten-Abrechnungen deutscher Speditionen tauchen in manchen Fällen unautorisierte Mautzahlungen für ausländische Lkws auf. Im Zentrum der Betrugsmasche steht die Internetseite eines deutschen Mautbetreibers, wie c’t herausfand. Geschlossen wird die Lücke allenfalls langfristig.
Beim Anblick der Monatsabrechnung seiner Lkw-Tankkarte staunte c’t-Leser Sebastian Michel nicht schlecht: Über 250 Euro sollte seine Firma für mehrere Maut-Vignetten bezahlen, die online für wildfremde Lkw-Kennzeichen bestellt worden waren. Eine erste Recherche ergab, dass es sich um drei bulgarische Lkw-Kennzeichen handelte, für die online Maut für das Eurovignetten-Mautsystem der Niederlande, Luxemburgs, Dänemarks und Schwedens bezahlt wurde – mit der Tankkarte seines Lkws. Doch diese war weder gestohlen worden noch anderweitig abhandengekommen. Wie konnte das passieren? Das Investigativ-Team von c’t begab sich auf die Spurensuche.
Flotten-Tankkarten sind bei Speditionen und Busunternehmen nicht wegzudenken, denn hier kann das Unternehmen für jede Karte individuell festlegen, welche Waren oder Dienstleistungen damit bezahlt werden dürfen. Typischerweise gelten Tankkarten von Bussen und Lkws im Fernverkehr für Kraft- und Betriebsstoffe, außerdem für Pannenhilfe und Mautzahlungen, falls das fest installierte Mautgerät ausfällt oder die Maut in dem betreffenden Land anders abgerechnet wird. Letzteres nutzen die Täter bei der neuen Betrugsmasche aus.