c't 6/2025
S. 3
Standpunkt
Bild: Mash

Festplatten: Wo betrogen werden kann, da wird betrogen

Vor ein paar Wochen schrieb uns ein Leser eine Mail, in der er uns auf möglicherweise gefälschte Betriebszeiten seiner frisch erworbenen Seagate-Festplatte hinwies. Nach einer Meldung auf heise online meldeten sich Dutzende weiterer Leser, die ebenfalls gebrauchte Seagate-Festplatten als Neuware erhalten hatten. Und mittlerweile erhielten wir gleichlautende Nachrichten aus vielen Ländern der Welt. Es handelt sich also nicht um ein lokales Problem, sondern um einen weltweiten Betrugsfall mit wahrscheinlich einigen hunderttausend Festplatten.

In dieser Ausgabe berichten wir davon, dass nicht nur die Servermodelle Exos, sondern auch NAS-Festplatten aus der Ironwolf-Reihe betroffen sind (siehe S. 37). Auf unsere Bitte um Stellungnahme schrieb Seagate lediglich, der Betrug bei Ironwolf-Festplatten sei bekannt; es handele sich nicht um ein neues Problem.

Seagate verkauft jährlich rund 50 Millionen Festplatten, die meisten an große Rechenzentren. Endverbraucher spielen keine große Rolle mehr. Dass ein paar Privatleute betrogen werden, scheint Seagate nicht groß zu interessieren. Denn sonst hätte das Unternehmen ja längst einiges tun können, um Betrug mindestens zu erschweren, beispielsweise mit kryptografisch signierter Firmware.

Die Käufer aber stehen im Regen. Teils weigern sich die Händler, gebrauchte Platten zurückzunehmen, teils verlangen sie Bearbeitungsgebühren. Die Kunden aber haben einen Kaufvertrag über eine neue Festplatte, und die muss der Händler dann auch liefern. Wo der sie herbekommt, ist sein Problem.

Ein Tool auf der Seagate-Website beantwortet die Eingabe der Seriennummer immerhin mit einer Auskunft zum Garantiestatus. Viele betrogene Käufer bekommen jedoch die Meldung, dass ihre Festplatte als Teil eines größeren Systems verkauft wurde und Seagate darauf keine Garantie gebe.

Was den Käufern wirklich helfen könnte, fehlt jedoch: Eine Angabe, welchen Weg die Festplatte vom Hersteller über welche Groß- und Zwischenhändler bis zum Endkunden genommen hat. Denn nur eine wirklich vertrauenswürdige Lieferkette stellt sicher, dass Käufer originale und neue Festplatten erhalten.

Man müsste es nur wollen.

Lutz Labs
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