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S. 164
FAQ
Das Betatestprogramm Windows Insider

FAQ

Windows Insider

Über das Betatestprogramm Windows Insider können Interessierte sich Vorab-Builds künftiger Windows-Versionen installieren. So sieht der aktuelle Stand des Programms aus.

Von Jan Schüßler

Insider-Programm

Was ist das Windows-Insider-Programm?

Das Insider-Programm ist ein Angebot von Microsoft, Vorabversionen von Windows aus verschiedenen Entwicklungsstadien zu installieren – angefangen von einfachen Vorschauen kumulativer Updates mit kleinen Fehlerkorrekturen bis hin zum jeweils nächsten größeren Update und teils experimentellen Features. In erster Linie richtet sich das Angebot an interessierte Endkunden, die neue Windows-Funktionen möglichst früh ausprobieren und auf Wunsch auch per Feedback-Funktion bewerten möchten. Die aktuellen Neuerungen beschreibt Microsoft im Windows-Insider-Blog (siehe ct.de/yexr).

Für Geschäftskunden und Entwickler bietet Microsoft das Windows-Insider-Programm auch in den Ausprägungen „for Business“ und „for Developers“ an. Das sind keine separaten Insider-Programme, sondern Labels, mit denen Microsoft Funktionen des Insider-Programms bewirbt, durch die beispielsweise Admins großer Unternehmen mit einer kleinen Auswahl an Bestandsgeräten kommende Funktionsupdates frühzeitig testen können, um eventuelle Inkompatibilitäten oder Ähnliches zu erfassen.

Kosten und Datenschutz

Ist die Teilnahme gratis?

Jein. Die Teilnahme am Insider-Programm kostet kein Geld, eine gültige Windows-Lizenz müssen Sie aber besitzen. Anwender zahlen allerdings mit ihren Daten: Wer die Vorabversionen installiert, willigt ein, dass Microsoft mehr oder weniger alles erfassen darf, was man unter einer Insider-Version so mit dem Rechner anstellt. Es verbietet sich also von selbst, Insider-Builds auf einem produktiv genutzten Rechner zu installieren.

Stabilität

Okay, ich mache nichts Datenschutzkritisches – kann ich also zulangen?

Nicht unbedingt. Bedenken Sie auch, dass es mit Insider-Versionen häufiger zu Problemen kommen kann als mit einem regulären Windows. Je nach Kanal (siehe unten) haben die jeweiligen Updates kaum bis wenig interne Tests durchlaufen und können im Extremfall eine Installation so zerschießen, dass eine saubere Neuinstallation fällig wird. Auch Fälle, in denen nach einem Insider-Update Windows zwar noch läuft, dann aber keine weiteren Aktualisierungen mehr installieren kann, sind schon vorgekommen.

Ob eine Insider-Installation etwas für Sie ist, können Sie also am besten anhand von zwei Fragen selbst beantworten. Erstens: Ist es egal, wenn ein experimentelles Update die Installation so zerschießt, dass sie sauber neu installiert werden muss und eventuelle Daten darauf dann futsch sind? Und zweitens: Ist es egal, wenn Daten, Aktivitäten oder auch Tastatureingaben des Rechners bei Microsoft landen? Wenn Sie beide Fragen mit „Ja“ beantworten, können Sie bedenkenlos eine Insider-Version installieren.

Systemanforderungen

Haben Windows-Insider-Versionen spezielle Systemvoraussetzungen?

Die Hardwarevoraussetzungen gleichen denen regulärer Windows-Versionen, inklusive den hohen Voraussetzungen für Windows 11. Insider-Versionen lassen sich aber auch hervorragend in einer virtuellen Maschine installieren. So lässt sich vermeiden, das Produktivsystem den laxen Datenschutzbestimmungen und eventuell instabilem Code aus dem Insider-Programm auszusetzen. Zudem bieten die meisten Desktop-Virtualisierer die praktische Möglichkeit, die VM nach einem fehlerhaften Insider-Update mittels Snapshots oder Prüfpunkten auf einen vorigen, funktionsfähigen Zustand zurückzusetzen.

Microsoft-Konto

Brauche ich zwingend ein Microsoft-Konto für die Teilnahme am Insider-Programm?

Ja. Die Verknüpfung der Windows-Installation mit einem Microsoft-Konto ist erforderlich, um Insider-Builds per Windows Update zu bekommen. Bei der Einrichtung wird geprüft, ob die Datenschutzbestimmungen für das Insider-Programm unter Verwendung dieses Kontos bestätigt wurden – falls nicht, bittet Windows Sie, die Bestimmungen einmalig auf der Website des Insider-Programms abzunicken. Tipp: Erstellen Sie ein separates Microsoft-Konto für Insider-Installationen. So vermeiden Sie, dass Insider-Daten im produktiv genutzten Konto landen (und umgekehrt).

Die saubere Neuinstallation einer Insider-Version ist theoretisch auch ganz ohne Microsoft-Konto möglich, denn Microsoft bietet in unregelmäßigen Abständen auch ISO-Setup-Abbilder an. Allerdings bekommt eine solche Installation dann keine Updates. Doch gerade die sind es ja, die das Betatestprogramm so interessant machen – gibt es eine neue Version, kommt sie automatisch per Windows Update.

Die vier Kanäle

Was sind die vier Insider-Kanäle (Channels)?

Die vier Insider-Kanäle heißen Canary, Dev, Beta und Release Preview. Hin und wieder bietet Microsoft in manchen Kanälen Funktionsupdates optional an, sodass es in einem einzelnen Kanal mehrere Versionen geben kann.

Neue Funktionen sind im Canary-Kanal oft am frühesten zu sehen, allerdings können sie in einem unfertigen und recht instabilen Zustand sein. Man könnte diesen Kanal auch als den „schnellsten“ bezeichnen: Neues gibt es hier am frühesten zu sehen. Wie Microsoft betont, sind Canary-Inhalte nicht zwingend an eine bestimmte künftige Windows-Version gebunden, oft experimentell und können auch wieder kommentarlos verschwinden.

Im Kanal Dev zeigt Microsoft üblicherweise das, woraus früher oder später die jeweils nächste Ausgabe von Windows 11 entsteht. Beispiel: Derzeit (Frühjahr 2025) ist Version 24H2 die reguläre, aktuelle Version von Windows 11; sie trägt die Build-Nummer 26100. Die Dev-Version hingegen ist Build 26120: Die nur um 20 Schritte erhöhte Nummer legt nahe, dass es sich dabei um die künftige Version 25H2 handeln dürfte. („Dürfte“, weil Microsoft das nicht explizit sagt – unsere Erfahrungen legen es aber nahe.)

Der Beta-Kanal bietet derzeit zwei Versionen an. Erstens eine Variation der Vorgängerversion Windows 11 23H2 (Build 22631). Sie hört auf die Build-Nummer 22635 und wird nach wie vor mit kleinteiligen Änderungen und Korrekturen versorgt. Das ist gar nicht so seltsam, wie es klingt: 23H2 wird für Enterprise-Kunden noch bis Herbst 2026 mit Updates versorgt, und mit Build 22635 bewahrt sich Microsoft einen Insider-Testzweig dafür. Zweitens können Anwender im Beta-Kanal inzwischen optional ein Upgrade auf Build 26120 ausführen. Sie bekommen dann die gleichen Updates wie der Dev-Kanal.

Release Preview heißt der Kanal, in dem Microsoft Updates für die reguläre, aktuelle Windows-11-Version anbietet. Hier kann Microsoft seinen Testern Updates geben, die noch etwas neuer sind als das, was Windows 11 auch so als optionale Updates anbietet. Neue Windows-Versionen gibts hier außerdem oft ein paar Tage oder Wochen, bevor Microsoft sie für die Allgemeinheit als Funktionsupdates freigibt.

Welchen Kanal Sie benutzen, ist also Geschmackssache. Wenn wir eine Empfehlung abgeben sollen, raten wir aber wahlweise zum Dev-Kanal, in dem sich die nächste Windows-11-Version früh materialisiert, oder aber – für experimentierfreudige Nutzer – zum Canary-Kanal.

Windows 10

Gibt es noch Insider-Versionen für Windows 10?

Ja, tatsächlich. Setzt man ein Windows 10 ins Insider-Programm, stehen alle vier eben genannten Kanäle zur Auswahl. Allerdings: Tatsächliche Updates für Windows 10 bekommt nur noch der Release-Preview-Kanal; es handelt sich dann schlicht um Vorabversionen kumulativer Updates. Wählt man hingegen etwa den Canary-Channel aus, wird Windows Update versuchen, die jeweilige Windows-11-Vorabversion zu installieren – was auf Rechnern, die die Systemanforderungen nicht erfüllen, aber direkt scheitert.

Installieren

Okay, wie bekomme ich die Vorabversionen?

Rufen Sie in der Einstellungen-App unter „Windows Update“ die Funktion „Windows Insider“ auf und klicken Sie auf „Erste Schritte“. Nach der Verknüpfung mit einem Microsoft-Konto wählen Sie den Kanal aus und starten Windows neu. Danach sollte Windows Update die aktuelle Vorabversion finden.

Der Wechsel in einen schnelleren Insider-Kanal ist meist kein Problem, der in einen langsameren und damit stabileren nur in Sonderfällen möglich.
Der Wechsel in einen schnelleren Insider-Kanal ist meist kein Problem, der in einen langsameren und damit stabileren nur in Sonderfällen möglich.

Kanalwechsel

Kann ich den Insider-Kanal auch nachträglich wechseln?

Ein Wechsel in einen schnelleren Kanal ist meist kein Problem, also etwa vom Beta- in den Dev- oder Canary-Kanal. Downgrade-Installationen sind aber nicht vorgesehen. Sprich: Ein Wechsel etwa von Dev nach Beta oder von Beta nach Release Preview ist nur dann möglich, wenn in beiden Kanälen die gleichen Build-Nummern angeboten werden.

Outsider werden

Ich will keine Insider-Builds mehr. Was mache ich?

Wenn die installierte Version einem offiziellen Release entspricht (etwa im Release-Preview-Kanal), können Sie die Installation in den Insider-Einstellungen direkt aus dem Programm herausnehmen. Ist die installierte Insider-Build-Nummer höher als die eines regulären, aktuellen Windows 11, können Sie sie in den Kanälen Beta und Release Preview lediglich zum Verlassen des Insider-Programms vormerken. Die Installation bekommt dann so lange weiterhin Insider-Updates, bis sie auf dem Stand eines fertigen Releases angekommen ist.

Die beste Methode, um eine Insider-Installation sowohl umgehend als auch rückstandsfrei loszuwerden, ist nach wie vor die saubere Neuinstallation eines regulären Windows 11. (jss@ct.de)

Insider-Doku-Links: ct.de/yexr

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