Yakar darf nicht sterben
Nur selten kommt es vor, dass eine Führungspersönlichkeit Gegensätzliches so miteinander verbindet, dass sich durch sie alles friedensstiftend die Waage hält. Wäre es nicht schön, wenn eine solche Figur dauerhaft regieren könnte, anstatt den unberechenbaren Wechselfällen der politischen Gezeiten unterworfen zu sein?
Professor Johnson überlegte, ob er die Einladung zum diesjährigen Kongress der Internationalen Mathematisch-Physikalischen Forschungsgesellschaft (IMPF) annehmen sollte. Dafür sprach, dass er in den letzten Jahren nie eine Tagung dieser Gesellschaft versäumt hatte. Gegen eine Teilnahme sprach der Tagungsort: Hatte man in der Vergangenheit nur Hauptstädte europäischer oder asiatischer Staaten für die Zusammenkunft gewählt, so fand die Konferenz diesmal in Merenguador statt. Das kleine Land hatte in den vergangenen Monaten ungeachtet seiner global gesehen kümmerlichen Bedeutung Schlagzeilen verursacht. Gerade vorletzte Woche hatten die Medien einen erneuten Anschlag von Untergrundkämpfern auf das Flugzeug des amtierenden Präsidenten Yakar gemeldet. Yakar war, wie es hieß, dem Attentat nur mit knapper Not entgangen.
Der Veranstalter versprach jedoch in einem eigenen Passus der Einladungsunterlagen, für die Sicherheit der Kongressteilnehmer besondere Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Wie zur Rechtfertigung listete er zudem überblicksweise die in Merenguador bereits erfolgreich abgehaltenen Symposien und Kongresse der letzten Jahre auf. Professor Johnson staunte. Die Jahrestagung der Internationalen Informatikergesellschaft hatte vor zehn Jahren eine Serie von Kongressen eingeleitet. Gefolgt waren die Vereinigung der Nachrichtentechniker, der Verband der Elektronikingenieure sowie eine ihm unbekannte Fachorganisation für Psychoanalytiker. Eine merkwürdige Mischung, dachte Johnson und griff zum Telefon. Es dauerte eine Weile, bis er Professor Gustavsson am anderen Ende der Leitung hatte.