Funkzündung

Feuerwerkskörper per App starten

Gefrorene Finger, Schmauchspuren an den Händen, verbrannte Haut – das Silvesterfeuerwerk fordert Hobby-Pyrotechnikern einiges ab. Dabei könnte alles so einfach und auch optisch viel schöner sein: Per Wi-Fi-Zündung lässt sich eine ganze Feuerwerks-­Choreografie bequem vom Smartphone aus starten.

Von Sven Hansen

Herzstück des elektronischen Zündsystems FireFly Plus des Feuerwerksspezialisten Nico ist eine 5 Zentimeter hohe Kiste mit einer Grundfläche von 11 × 13 Zentimeter. An drei Seiten sind 15 Buchsen für die mitgelieferten Zündmodule verteilt. Oberhalb jeder Buchse informieren LEDs über den Status des jeweiligen Zündkanals.

Die Stromversorgung erfolgt über acht D-Zellen – das ist der Batterie-Typ in Monstergröße, den man fast schon vergessen hat. Zahl und Dicke der Zellen erklären die Dimension der FireFly-Box. Die Power wird benötigt, um die in den per Kabel angestöpselten 15 Zündmodulen verbauten Metallwendeln zum Glühen zu bringen. Nico bietet als Zubehör einen Lithium-Ionen-Akku (80 Euro) an.

Nach dem Einschalten arbeitet die FireFly-Box als Access-Point und zieht ein WLAN im 2,4-GHz-Band auf. Perfekt für die grüne Wiese, wo naturgemäß kein anderes WLAN im überfüllten Frequenzbereicht funkt. Der Zugriff auf die Box erfolgt über die FireFly-App, die für iOS und Android zu haben ist.

Die App erlaubt zwar, die SSID und Passwort der Steuerbox zu ändern, schreibt es allerdings nicht vor. Die im Handbuch dokumentierte Default-Einstellung ist somit für jedermann nutzbar. Damit nicht Hinz & Kunz das Feuerwerk starten können, sollte man zumindest das Passwort ändern. In ein bestehendes Netzwerk lässt sich die Box nicht integrieren. Einzige Ausnahme ist der „Mesh-Modus“, mit dem sich weitere Boxen an einer Master-Box anmelden lassen, um die Zahl der Zündkanäle zu erhöhen – so lassen sich auch größere Feuerwerksprojekte stemmen.

Verbunden

Ist man per WLAN mit der Box verbunden, bietet die App zunächst die manuelle Aktivierung der 15 Zündkanäle an. Dabei werden die gewünschten Kanäle über die App zunächst entsichert, über einen Slider scharfgeschaltet und mit einem Tippen auf eine Schaltfläche gezündet. Ein versehentliches Auslösen ist somit unmöglich. Der Zündvorgang stresst die Batterie, die Kanäle werden daher immer nacheinander und nicht parallel getriggert.

Im Bereich „Show erstellen“ lassen sich ganze Feuerwerks-Choreografien vorab gestalten, um sie später automatisch abfahren zu können. Hierzu lädt man über die App zunächst ein Musikstück im MP3-­Format beziehungsweise aus dem iTunes Store gekaufte Titel in den Editor. Musik von Spotify oder anderen Streaming-Apps funktioniert nicht.

Auf der nun erscheinenden Waveform-Ansicht lassen sich 15 Marker positionieren, die den jeweiligen Zündkanal triggern. Der Editor bietet unter iOS Zugriff auf eine Datenbank mit Feuerwerkskörpern von Nico mit passenden Videos zum Anschauen in der App. Zu jedem Produkt ist dabei die jeweilige Brenndauer hinterlegt. Eigene Profile lassen sich nicht anlegen.

Der Editor ist selbst am Tablet etwas fummelig zu bedienen, zur korrekten Positionierung der Zündmarker wünscht man sich eine präzisere Steuerung per Maus am Webbrowser. Mit etwas Gefummel klappt es aber auch am Mobilgerät. Man muss Zeitstempel und Zeitachse genau im Blick haben. Die Brenndauer wird zwar tabel­larisch angezeigt, aber im Editor nicht visualisiert. Zur Not muss man zum Taschenrechner greifen, um eine lückenlose Choreografie beziehungsweise dramatische Pausen einzuflechten. Apropos Pausen: Die Brenndauer der 15 Einzelkompo­nenten sollte die Länge des Musikstücks in etwa abdecken, sonst wird die Zeit zwischen den Effekten arg lang. Zum Glück ist das Angebot groß. Alles, was eine Zündschnur hat, kann die FireFly Plus starten.

Hardware

Für das Einrichten der Feuerwerkskörper sollte man genug Zeit einplanen. Alle Elemente müssen auf festem Grund stehen beziehungsweise stabile Abschussrampen besitzen. Nachdem die Feuerwerkskörper mit dem nötigen Abstand positioniert sind, kann man die Zündklemmen setzen. In jedem Clip steckt eine Silikonfüllung, die das Ende der Zündschnur gegen die elektrische Zündspule drückt. Die Kabel zwischen FireFly-Box und Klemmen sind beidseitig trennbar, sodass man die unterschiedlichen Kabellängen (1 und 3 Meter) nutzen kann, um alle Zündmodule mit der Box zu verbinden. Letztere sollte man zudem abdecken, zumindest wenn man mit Bodenfeuerwerk arbeitet. Am Ende bleibt bei Vollbestückung ein Gewirr aus 15 Kabeln und Feuerwerkskörpern mit bamselnden Zündklemmen.

3, 2, 1 – Zündung

Auch der Start der zuvor programmierten Show ist in der App mehrfach abgesichert. Die Box erlaubt den Zugriff von mehreren Endgeräten parallel. So kann man zur Sicherheit ein weiteres Smartphone verbinden, mit dem man das Feuerwerk gegebenenfalls stoppt. Die Musik vom steuernden Tablet lässt sich analog oder per Bluetooth auf einem Lautsprecher ausgeben – die Show kann beginnen.

Bei unseren Testfeuerwerken mit Vulkanen und Goldregen zündete die FireFly-Box annähernd taktgenau auf die Musik, allerdings bleibt die Länge und Brenndauer der Zündschnur eine unberechenbare Variable. Das Durchzünden der jeweiligen Komponente erfolgt somit nicht auf die Millisekunde genau, sondern kann um etwa eine Sekunde in die ein oder andere Richtung abweichen. Umso erstaunlicher, dass die entstehende Choreografie beim Betrachten immer noch einen durchaus „gewollten“ Eindruck hinterließ. Die Zündclips kann man nach dem Feuerwerk vorsichtig abbürsten und erneut verwenden.

Fazit

Wer sich fürs Feuerwerkeln erwärmen kann, hat mit dem Planen und Editieren der eigenen Feuerwerksshow einen Riesenspaß. Der geht dann schon los, bevor es kracht, weil man sich die tollen Effekte zur abgespielten Musik wieder und wieder vorstellt. Dem Editor fehlt es noch an Schnittfunktionen für die Begleitmusik und einer besseren Übersichtlichkeit der eingebundenen Feuerwerkselemente. Sicherer als um Mitternacht im Dunkeln mit dem Glimmstängel herumzufuchteln ist das Arbeiten mit der Zündbox von Nico allemal – und man kann das eigene Werk in Ruhe genießen.

Interessant dürfte die Box auch für semiprofessionelle Anwender sein. Etwa wenn eine Event-Location den Kunden zur Veranstaltung ein krönendes Feuerwerk anbieten möchte. Die FireFly-Box erlaubt es, das nächtliche Highlight in Ruhe vorzubereiten und mit einem Fingertipp zu starten. Aahs und Oohs sind garantiert. (sha@ct.de)

FireFly Plus
Zündsystem für Feuerwerke
Hersteller Nico, www.nico-europe.com
Kommunikation Wi-Fi 4
Lieferumfang Steuerbox, 15 Zündklemmen, Kabel
Stromversorgung D-Zellen (nicht im Lieferumfang), Akku (optional)
Preis 250 €