VPN-Express

Fritzbox 4060: Rasanter Breitband-WLAN-Router im Test

AVM stellt seine Router auf eine neue Hardwarebasis mit Qualcomms aktuellen Wi-Fi-6-Chips. Als erster Router hat die Fritzbox 4060 das neue Innenleben bekommen. Ein Beleg für den Leistungssprung ist der enorme VPN-Durchsatz.

Von Ernst Ahlers

Wir ahnten schon beim ersten Blick auf die Konfigurationsseiten, dass die Fritzbox 4060 mit dem neuen Router-Prozessor IPQ8074A viel mehr leistet als etwa das frühere Spitzenmodell 7590: Die Webseiten der 4060 bauten sich geschätzt dreimal so schnell auf. Der erste Eindruck sollte sich bestätigen.

Als Breitband-WLAN-Router kommt die Fritzbox 4060 ohne integriertes Modem. Damit ist sie für alle interessant, die vom Provider beispielsweise einen Glasfaser-Netzwerkabschluss (Optical Network Terminator, ONT) oder ein simples Modem für andere Zugänge gestellt bekommen. Auch in einer Kaskade hinter dem Hauptrouter tut die 4060 gute Dienste. Wer jedoch einen Access-Point als per LAN-Kabel angebundenen Mesh-Node braucht, würde aus AVMs Portfolio eher den Fritz-Repeater 6000 wählen (Test in c’t 11/2021, S. 82). Er gründet auf derselben Hardware, ist aber etwas preisgünstiger.

Wie der 6000er-Repeater so funkt auch die Fritzbox 4060 mit drei WLAN-Schnittstellen, die gemäß dem aktuellen Standard IEEE 802.11ax alias Wi-Fi 6 mit vier MIMO-Streams laufen. Das führt im 2,4-Gigahertz-Band zu einer Summendatenrate von knapp 1200 Mbit/s, wenn der Router mehrere Clients gleichzeitig oder einen 4-Stream-Client bedienen kann. Bei einem einzelnen und heute üblichen 2-Stream-Client wie den von uns für WLAN-Benchmarks genutzten AX200-Chip in Notebooks sind es knapp 600 Mbit/s. In den beiden Blöcken des 5-GHz-Bandes nutzt der Router maximal 80 MHz breite Kanäle, sodass die Bruttodatenrate pro Funkzelle dort höchstens 2400 Mbit/s erreicht.

Zum Internet baut die 4060 die Verbindung über einen maximal 2,5 Gbit/s schnellen Ethernet-Port auf, intern gibt es drei 1 Gbit/s schnelle Buchsen. Dazu kommt ein USB-3.2-Gen1-Port (USB 3.0 bis 5 Gbits/s), um Massenspeicherinhalte oder Drucker im (W)LAN bereitzustellen. Anders als AVMs ältere Breitband-WLAN-Router 4020 und 4040 enthält die 4060 zusätzlich eine DECT-Schnittstelle für Schnurlostelefone und DECT-ULE-Smart-Home-Geräte.

Aufsetzen

Bei AVMs Routern mit integriertem Modem ist die Internet-Zugangsart klar und ein Assistent hilft beim Einrichten. Der auf verschiedene Zugangstypen ausgelegten 4060 muss man manchmal per Ausklappmenü sagen, was am WAN-Port Sache ist, und Zugangsdaten eintragen.

Nach Importieren der Konfigurationsdatei einer Fritzbox 7590 für einen Telekom-VDSL-Zugang baute die 4060 über ein Super-Vectoring-Modem die Internetverbindung anstandslos auf. IPv6, Multicast-IPTV und Telefonie – nach Wiederverbinden der Fritz-Fons im erweiterten Kopplungsmodus – liefen auf Anhieb. Auch die restlichen Einstellungen etwa für WLAN, DynDNS und Dienstfreigaben übernahm der Router.

Performance

Mit dem bis 2,5 Gbit/s tauglichen WAN-Port kann die Fritzbox 4060 auch sehr schnelle Zugänge nutzen. Per Ethernet-Kabel koppelt sie LAN-Hosts aber nur mit maximal 1 Gbit/s an. Im WLAN maßen wir mit dem AX200-Client bis knapp an 900 Mbit/s in der Nähe (siehe Tabelle). Über mehr Distanz durch Wände sank der Durchsatz erwartungsgemäß. Dabei erzielte die typischerweise für einen Mesh-Backbone verwendete zweite 5-GHz-Schnittstelle deutlich bessere Werte als die erste, was vermutlich an der Antennenzuordnung liegt (siehe Platinenfoto).

Im Mesh-Betrieb mit dem gut zu ihr passenden Fritz-Repeater 6000 gab die 4060 auch keinen Anlass zur Klage: Der Mesh-Backbone lieferte an einen per LAN-Kabel am Repeater hängenden PC über 20 Meter noch fast 500 Mbit/s. Stand das Notebook noch mal sechs Meter und eine zusätzliche Wand weiter weg, kamen immer noch über 200 Mbit/s an.

Beim Vermitteln zwischen Internet und LAN (NAT-Durchsatz) schöpfte die 4060 im IP-zu-IP-Betrieb (DHCP am WAN-Port, Routerkaskade) die mit Gigabit-Ethernet möglichen 950 Mbit/s netto problemlos aus. Bei PPPoe beschränkte möglicherweise unser Testsetup den Durchsatz auf rund 800 Mbit/s. AVM gibt an, 940 Mbit/s gemessen zu haben.

Die 12 Sende- und Empfangssignale der drei 4-Stream-WLAN-Schnittstellen in der Fritzbox 4060 verteilten AVMs Entwickler zusammen mit dem DECT-Diversity-Anschluss geschickt auf acht Antennen. Sechs sind als Dual-Band-Leiterbahnzüge am Platinenrand angelegt (linke obere Ecke: DECT bei 1,9 GHz und 5-GHz-WLAN II, der Rest 2,4- und 5-GHz-WLAN I), zwei senkrecht auf der Platine stehende Metallstäbchen agieren als λ/4-Strahler (5 GHz II).

VPN-Rasanz und Energiebedarf

Die von 1 GByte RAM flankierte moderne Router-CPU Qualcomm IPQ8074A, die in der Fritzbox 4060 steckt, verspricht mit ihren vier bis zu 2,2 GHz flott getakteten ARM-Cortex-A53-Kernen eine viel höhere Rechenleistung als die angestaubten, maximal 1 GHz schnellen MIPS-Dual-Cores älterer Fritzboxen. Ihre Rechenpower setzte die 4060 mit dem Fritz-VPN auf IPsec-Basis in unserem Test gewinnbringend ein: Wir maßen im Road-Warrior-Szenario (mobiler Arbeiter wählt sich ins Heim- oder Firmennetz ein) mit PPPoE-Internetverbindung satte 745 Mbit/s im Downstream (Internet ins Fritzbox-LAN) und 474 Mbit/s in Gegenrichtung.

Bei der verbreiteten 7590 waren es mit der Labor-Firmware 7.39 kürzlich gerade mal 76 und 63 Mbit/s. Im Mittel war die 4060 in diesem Szenario also fast neunmal so schnell wie die 7590. An einem DHCP-WAN-Zugang war die 4060 bei 906 und 613 Mbit/s sogar noch etwas flotter als die 7590 (74 / 60 Mbit/s, im Mittel Faktor 11). Daran hat wahrscheinlich ein geschickt eingesetzter Kryptobeschleuniger in der Qualcomm-CPU seinen Anteil.

Die flinke CPU sorgt auch für schnelleren Netzwerkzugriff auf USB-Massenspeicher: Beim Transfer großer Dateien von einer und auf eine USB-3.0-SSD lieferte die 4060 im c’t-NAS-Benchmark je nach Dateisystemtyp (FAT32, NTFS, ext4) und Richtung zwischen 85 und 112 MByte/s. Damit kommt die neue Fritzbox auf das Niveau echter Netzwerkspeicher (NAS) und hängt beispielsweise die 7590AX mit ihren 30 bis 60 MByte/s lässig ab.

Mit 8,2 Watt im Leerlauf bei zwei mit 1 Gbit/s laufenden Ports zieht die 4060 viel mehr Saft aus dem Stromnetz als ihre kleine Schwester 4040 (3,5 Watt). Aber dafür hat sie neben dem potenteren Prozessor auch drei moderne 4-Stream-Wi-Fi-6-Schnittstellen statt zwei 2-Stream-Wi-Fi-5-Module und zusätzlich DECT-Funk für Telefonie und Heimautomation an Bord. Das rechtfertigt die höheren Stromkosten allemal.

Fazit

Mit dem neuen Prozessor stellt AVM seine Router-Palette auf eine sehr leistungsfähige Hardwarebasis. Das belegt die 4060 exemplarisch mit ihrem um Längen verbesserten VPN- und NAS-Durchsatz. Wer einen schnellen Internetzugang mit Provider-Modem weiterverteilen will oder einen modernen WLAN-Router für eine Routerkaskade sucht, tätigt mit der nicht gerade billigen Fritzbox 4060 gewiss keinen Fehlkauf.

Der Umstieg auf den aktuellen Qualcomm-Chipsatz verheißt Gutes für die kommenden AVM-Routermodelle: Noch ein Super-Vectoring-Modem nebst ISDN-FPGA in die 4060 hinein und fertig wäre eine Fritzbox 7690. eine Fritzbox 7690. Wir sind gespannt. (ea@ct.de)

AVM FRITZ!Box 4060​
Breitband-Router mit schnellem WLAN​
Hersteller AVM, avm.de
WLAN 3 × Wi-Fi 6 (4) = IEEE 802.11ax-1200 / 2400 / 2400, simultan dualband, WPA3, WPS, DFS
Bedienelemente Connect, 5 Statusleuchten
Anschlüsse 4 × RJ45 (WAN: 1 × NBase-T bis 2,5 Gbit/s, LAN: 3 × Gigabit-Ethernet), DECT-Basis, 1 × USB (5 Gbit/s)
Getestete Firmware 7.29
NAT-Perf. PPPoE (DS / US) 842 / 809 Mbit/s
IP-zu-IP (DS / US) 949 / 951 Mbit/s
WLAN 2,4 GHz nah / 20 m1 407 / 233–344 Mbit/s
5 GHz I nah / 20 m1 878 / 91–145 Mbit/s
5 GHz II nah / 20 m1 821 / 281–329 Mbit/s
Backbone-Durchsatz nah / 20 m2 935 / 463–477 Mbit/s
Client-Durchsatz 26 m 2,4 / 5 GHz1,2 210 / 214 Mbit/s
Leistungsaufnahme3 8,2 Watt / 18,8 VA
Jährliche Stromkosten3 29 €
Preis 259 € (UVP)
1 gegen Intel AX200 2 mit Fritz-Repeater 6000 als Mesh-Node 3 idle, 2 Gigabit-Ethernet-Links ohne Traffic, Dauerbetrieb, 40 Cent/kWh, gerundet