Video-Ruhepol
DJI Osmo Mobile 6 für ruhige Aufnahmen mit dem Smartphone
DJIs Smartphone-Gimbal Osmo Mobile 6 soll nicht nur butterweiche Videoaufnahmen mit dem Handy, sondern auch tolle Trickshots ermöglichen – und hat einen Selfie-Stick gleich eingebaut.
Über drei Achsen motorisierte Smartphone-Gimbals stabilisieren Videoaufnahmen mit dem Handy auch über Stock und Stein und ermöglichen cineastische Kamerafahrten. Dank ergonomischem Griff filmt man damit zudem auch mit einem schweren Smartphone lange am Stück, ohne einen Krampf in der Hand zu bekommen.
Solche kardanischen Aufhängungen kennt man von Kameradrohnen – und DJI setzte bei seinen ersten Gimbals der sogenannten „Osmo“-Reihe tatsächlich Varianten der Kameras aus seinen Flugmodellen ein. Das ist vorbei: Der Hersteller bietet nur noch die kleine „Osmo Pocket“ als Gimbal mit eigener Kamera an und konzentriert sich mit der „Osmo Mobile“-Reihe voll auf Modelle, in die man Smartphones einspannt.
Die Liste der mit dem neuen Modell Osmo Mobile 6 (OM6) kompatiblen Smartphones kann sich sehen lassen: Rund sechzig Android-Handys von Google, Honor, Huawei, OnePlus, Oppo, Realme, Samsung, Vivo und Xiaomi unterstützt der Gimbal, zudem iPhones vom Modell 8 bis zum 14 Pro Max (siehe ct.de/y7ta). Generell arbeitet er mit jedem Smartphone zusammen, das zwischen 170 und 290 Gramm wiegt sowie 67 bis 84 Millimeter breit und 6,9 bis 10 Millimeter dick ist. Im Test stabilisierte das OM6 auch noch problemlos ein iPhone 13 Pro Max, das mit Hülle rund 300 Gramm wog.
Strom erhält der OM6 von einem fest eingebauten 1000-mAh-Akku, den man über ein USB-C-Netzteil (nicht im Lieferumfang) lädt. Eine Akkuladung hält über sechs Stunden, genaue Angaben sind schwierig, da viele Faktoren hineinspielen, wie etwa das Gewicht des Smartphones und wie stark man den Gimbal bewegt. Für die meisten Aufnahmesituationen reicht die Laufzeit aber locker aus. Den aktuellen Akkustand zeigt das OM6 in einem kleinen Display an.
Überall dabei
Idealerweise lässt sich ein Gimbal einfach in der Jacken- oder Handtasche mitnehmen. Auf den OM6 trifft dies zu, da er auf die Größe einer 0,5-Liter-Getränkedose zusammenfaltbar ist und mit rund 309 Gramm auch ein angenehmes Gewicht aufweist. Eine neue Arretierung am Gimbal verhindert, dass sich das Gerät beim Transport verdreht. Zum Listenpreis von 169 Euro ist ein kleiner Stoffbeutel dabei; wer längere Reisen plant, sollte eventuell den Kauf einer festeren Tasche einplanen.
Eine 31 Gramm leichte magnetische Klemme stellt die physische Verbindung zum Smartphone her und kann auch am Handy bleiben, wenn man mal eine Drehpause einlegt. Dank dieses Schnellverschlusses trennt man das Telefon auch flott vom Gimbal, wenn einmal ein Anruf hereinkommt. Als Zubehör bietet DJI eine alternative Klemme mit integrierten LEDs für 49 Euro an, die Selfie-Aufnahmen mit der Frontkamera in drei Helligkeitsstufen ausleuchtet. Die LED-Klemme hat einen eigenen Akku, der ebenfalls über USB-C geladen wird und je nach Helligkeitsstufe zwischen 1,5 und rund 3 Stunden durchhalten soll.
Da die Klemme alleine 73 Gramm wiegt, kann das OM6 bei einigen schwereren Smartphones an seine Grenzen stoßen. Dann beginnen seine Motoren bei schnellen Bewegungen zu stottern, was man bei einem Gimbal ja nun gerade nicht will. Im Zweifel sollte man sich daher beim Kauf der LED-Klemme ein Rückgaberecht einräumen lassen.
Schließlich weist der OM6 noch eine Besonderheit auf: In dem Gimbal ist ein rund 20 Zentimeter langer Stab integriert. Den kann man als Selfiestick einsetzen oder für Aufnahmen mit der Hauptkamera aus ungewöhnlichen Perspektiven.
Schnell zur Aufnahme
Der Osmo Mobile 6 ist schnell am Start: Er schaltet sich automatisch ein, sobald man ihn aufklappt. Hat man die magnetische Klemme vorher am Smartphone montiert, ist das System in unter 10 Sekunden aufnahmebereit.
Der OM6 funktioniert mit der Kamera-App des Handys. Dann wechselt man über eine Taste am Gimbal nahtlos zwischen Hoch- und Querformat und löst mit einer anderen – dank Bluetooth-Verbindung zum Handy – Foto- und Videoaufnahmen in der Kamera-App aus. Wesentlich sinnvoller ist es aber, die „DJI Mimo“-App auf dem Smartphone zu verwenden, die es für iPhones im Apple App Store und für Android-Handys als APK auf der DJI-Website gibt (siehe ct.de/y7ta). Nur darüber hat man Zugriff auf alle Funktionen des OM6.
Die Aufnahmefunktion der Mimo-App schließt zudem Zeitraffer- und Panorama-Modi ein sowie Funktionen, bei denen automatisch in einen markierten Bereich hinein- beziehungsweise herausgezoomt wird. Dazu gehört unter anderem, auf Knopfdruck zwischen Foto- und Videomodus sowie zwischen Haupt- und Frontkamera wechseln zu können. Über einen Drehknopf an der Seite des Griffs zoomt man im Kamerabild und verändert die Blende. Da viele Tasten des OM6 mehrfach belegt sind, braucht es einige Zeit, um sich in die Bedienung reinzufuchsen. DJI unterstützt den Nutzer dabei mit Tutorials.
Ebenso muss man üben, wie man überhaupt mit dem OM6 filmt – zumal mehrere Modi wählbar sind, in denen sich die Kamera bei Bewegungen des Gimbals jeweils anders verhält. Über einen kleinen Steuerknüppel lässt sich die Kameraausrichtung manuell verändern.
Der Bereich, in dem man den Stabilisator schwenken, rollen und neigen kann (siehe Tabelle), ist für die meisten Anwendungen völlig ausreichend. Lediglich beim Abschwenken eines Motivs von oben nach unten oder umgekehrt hätten wir uns ein wenig mehr Spielraum gewünscht.
Mehr als nur Stabilisierung
Nicht nur die Stabilisation hat das OM6 von den DJI-Drohnen geerbt, sondern auch die sogenannte „ActiveTrack“-Funktion: Auf Knopfdruck am Gimbal verfolgt die Kamera automatisch ein markiertes Motiv. Mit dieser Unterstützung ist es wesentlich einfacher, eine Person, die sich vor der Hauptkamera bewegt, in der Bildmitte zu behalten.
„ActiveTrack“ ist zudem sehr praktisch, wenn man den Gimbal auf das mitgelieferte Ministativ montiert und sich selbst mit der Frontkamera aufnimmt. In der Version 5.0 funktioniert dies auch zuverlässig, wenn man mehrere Meter von der Kamera entfernt steht. Zudem bietet Mimo-App die Option, die Verfolgung und die Aufnahme mit einer Geste zu starten und zu stoppen. Im Test klappte das ebenfalls gut.
Fazit
Der Osmo Mobile 6 präsentierte sich in unserem Test als ausgereiftes und gut durchdachtes Produkt mit einer Masse an Funktionen. Insofern muss man als Einsteiger einige Zeit investieren, um alle Möglichkeiten des Kamera-Gimbals auszuloten. Dann gelingen damit aber auch sehenswerte Aufnahmen mit tollen Effekten.
Vor allem die ActiveTrack-Funktion bietet einen echten Mehrwert: Verfolgt man ein Motiv, ist es damit wesentlich einfacher, dieses im Bild zu behalten. Und zusammen mit dem mitgelieferten Ministativ und der Gestensteuerung gelingen ganz einfach sehenswerte Clips für Social-Media-Kanäle. (nij@ct.de)
| DJI Osmo Mobile 6 | |
| Smartphone-Gimbal | |
| Hersteller, URL | DJI, dji.com |
| steuerbarer Bereich | Schwenken: -95° bis 95°, Rollen: –100° bis 175°, Neigen: -25° bis 40° |
| Stromversorgung | LiPo-2S-Akku, 1000 mAh, aufladbar über USB-C |
| Kommunikation | Bluetooth 5.1 |
| Lieferumfang | Gimbal, Handyklammer, Ministativ, Beutel |
| Maße / Gewicht | ausgefaltet: 276 mm × 111,5 mm × 99 mm, gefaltet: 189 mm × 84,5 mm 44 mm / Gimbal: 309 g, Klammer: 31 g |
| Preis / Garantie | 169 € / 2 Jahre |
Kompatibilitätsliste und Downloads : ct.de/y7ta