Matratzenhorcher
Schlafanalyse per Matte und App
Wer schläft, sündigt nicht. Ob Sie bei der Endabrechnung am Tag X dabei gut aussehen, ermittelt der unter die Matratze gelegte Withings Sleep Analyzer. Ob er traumhaft genau analysiert, klärt der Test.
Die einen zählen Schäfchen, die anderen machen am Tag viel Sport – für einen guten Schlaf kann man viel tun. Doch nicht alles hat man in der Hand, etwa Atemaussetzer oder Schnarchen. Schlafapnoe macht durch wiederholtes Aufwachen tagsüber müde; das führt zu höherem Blutdruck sowie einem Anstieg des Schlaganfall- und Infarktrisikos.
Ist man schon morgens stets müde wie Parlamentsabgeordnete nach der Nachtsitzung, sollte man sich also darum kümmern, herauszufinden, warum Morpheus Arme einem eher stachelig vorkommen. Dazu ist normalerweise ein Besuch im Schlaflabor fällig. Mit Messtechnik versuchen die Experten dort, Schlafstörungen des Probanden zu analysieren. Was gar nicht so leicht ist, denn die meisten schlafen in ungewohnter Umgebung anders als daheim. Die smarte Sensormatte von Withings verlegt die Sensorik dagegen ins vertraute Terrain.
Der Sleep Analyzer ist eine Matte, die man unter die Matratze legt. Die Schlafdaten gehen via WLAN an das Portal von Withings. Mit der „Health Mate“-App des Herstellers erhält man eine Auswertung. Die App erfasst auch die Daten etwa der Waage und der Fitnessuhren aus dem gleichen Stall. Wir testeten sie schon kurz vor zwei Jahren [1]. Nun folgen Langzeiterfahrungen mit einem Modell aus neuerer Fertigung.
Die Matte wird wie ein Kopfkissen in einem Stoffbezug gestopft, danach ausgerollt und etwa in Brusthöhe zwischen Matratze und Lattenrost platziert, wahlweise auch zwischen Matratze und Matratzenschoner. Bis die rund halbzentimeterdicke und 350 Gramm schwere Matte bettfertig ist, dauert es einmalig rund zehn Minuten. Sie füllt sich dabei automatisch und summend mit Luft und kalibriert sich auf die Last der Matratze. Der Drucksensor in der Matte erfasst die Atmung, Körperbewegungen sowie den Puls – Withings nennt das Verfahren Ballistokardiographie. Anders als Fitness- und Sportuhren nutzt sie auch einen Geräuschsensor, der auf Atemgeräusche und besonders aufs Schnarchen spezialisiert ist, Tonaufnahmen werden dabei nicht erstellt. Die Funktion war auch schon in der alten Matte Withings Sleep (ohne „Analyzer“ im Namen) per Firmware-Update nachrüstbar. Vom Vorgänger unterscheidet sich der Sleep Analyzer somit nur durch eine Zertifizierung als Medizingerät.
Beim Einrichten macht man die Matte der Withings-App Health Mate bekannt, übergibt die WLAN-Einwahlparameter, damit die Matte die Schlafdaten nach dem Aufstehen ans Withings-Portal senden kann, von wo aus sie an die Smartphone-App zurückgespielt werden. Die Matte funkt nur im 2,4-Gigahertz-Band und maximal im n-Standard. Während man im Bett liegt, ist das WLAN ausgeschaltet.
Schlaf schön?
Wenn man nicht gerade der Prinz auf der Erbse ist, spürt man die Matte beim Schlafen nicht, und nur ein Anschlusskabel verrät, dass unter der Matratze etwas mit Strom versorgt wird. Die Matte braucht zwar nur 50 Milliampere bei 5 Volt, sie enthält aber dennoch keinen Akku – wohl weil das Einstöpseln des Ladekabels alle paar Tage zu mühsam wäre.
Legt man sich schlafen, stellen die Sensoren fest, wann man einschläft und versuchen die aus Film, Funk und Fernsehen bekannten Schlafphasen wie etwa Tiefschlaf, REM-Schlaf (mit schneller Augenbewegung) sowie Leichtschlaf und Wachphasen zu erkennen. Phasen, in denen man nach dem Aufwachen länger lesend wach lag, wurden aber häufig als Leichtschlaf gewertet, kurze Schnarcher nicht erkannt.
Die Schlafauswertung in der App benotet die Schlafqualität mit einem Indexwert von 0 bis 100, wobei alles unter 75 als weniger erholsam gilt. Im Langzeittest korrelierten die Werte verschiedener Testpersonen gut mit den ermittelten Werten für Einschlafzeiten bei Smartwatches und Sportuhren. Das Aufwachen zwischendurch bekam die Matte besser mit.
Separat vom Index findet sich eine Ampel-Auswertung zum Schnarchen und über Atemaussetzer. Die App zeigt längere Schnarchanfälle auch grafisch. Die Pulsaufzeichnung war verglichen mit der von Uhren exakt. Die App fertigt aus den Ergebnissen ein PDF, das man auch zum Hausarzt tragen kann, der womöglich die Ergebnisse derartig neumodisch-digitaler Heimdiagnostik beachtenswert findet.
Fazit
Die Technik wirkt recht ausgeschlafen und funktioniert so unauffällig, dass man sich Schlafstörungen fast schon erträumt, damit sich die 130 Euro teure Matte auch lohnt. Für all jene, die ahnen, dass es um ihren Schlaf nicht zum Besten steht, bietet die Matte für die Weiterbehandlung interessante Aufschlüsse. (mil@ct.de)
| Withings Sleep Analyzer | |
| Elektronische Schlafmatte | |
| Hersteller, URL | Withings, withings.com |
| Systemanf. | Android (ab 8), iOS (ab 14) |
| Konnektivität | Bluetooth 4.0, Wi-Fi 4 |
| Größe / Gewicht | 64 cm × 19 cm × 0,5 cm / 350 g |
| Lieferumfang | Schutzhülle, Netzgerät, Kabel |
| Preis | 130 € |