Polymerfiedel
Geige aus dem 3D-Drucker
Die Hovalin ist eine Geige, deren Korpus, Hals und Steg ein 3D-Drucker produziert. Wir haben sie für den Test gebaut und von einem Profi spielen lassen.
Der Bau einer Geige ist eine hohe Handwerkskunst, denn für einen guten Klang muss der Korpus mit den Schwingungen der Saiten resonieren. Die meisten Geigen werden daher auch heute einer jahrhundertealten Tradition folgend aus Holz gebaut. Violinisten wird es jedoch überraschen, dass man eine funktionierende Geige (volle Größe: 4/4) weitgehend automatisch mit einem 3D-Drucker produzieren kann. Das 3D-Modell kommt von Hovalabs, von deren Webseite man es kostenlos herunterladen kann. Zusätzlich benötigt man noch ein Carbonrohr, vier Saiten und vier Gitarrenwirbel. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 50 Euro.
Für die Geige braucht man einen 3D-Drucker mit einem größeren Bauraum als üblich: Sein Druckbrett sollte in einer Richtung mindestens 30 Zentimeter Kantenlänge haben und er muss ein 36 Zentimeter hohes Objekt produzieren können. Als Material empfiehlt Hovalabs normales PLA („polylactic acid“, ein aus Pflanzen hergestellter Kunststoff, aus dem auch viele Verpackungen mit dem Recyclingcode 1 bestehen), das auch günstige Drucker ohne Gehäuse verarbeiten. Den Korpus der Geige druckt man stehend, den Hals seitlich liegend.
Hals und Körper greifen mit einer Schwalbenschwanzverbindung ineinander. Ein 50 Zentimeter langes Carbonrohr mit 8 Millimetern Durchmesser gibt zusätzliche Stabilität und verhindert, dass etwas verrutscht. Statt der bei Geigen üblichen Wirbel kommen vier von einer Gitarre zum Einsatz, mit denen sich das Instrument schneller und leichter stimmen lässt als die traditionelle Konstruktion. Damit die passen, muss man ein Metallfähnchen abbrechen, was mit einer Zange geht. Außer dieser Zange braucht man kein weiteres Werkzeug für den Zusammenbau.
Schwere Schnecke
Als wir den Profi-Violinisten Max Eisinger die Geige stimmen und spielen ließen, stellte dieser allerdings die Frage, für wen das Instrument nützlich ist. Die Wirbel aus Metall machen sie kopflastig, wodurch es anstrengend wird, sie zum Spielen zwischen Schulter und Kinn einzuklemmen. Damit sich die Geige auf üblichen 3D-Druckern fertigen lässt, ist das Griffbrett kürzer als üblich, wodurch sich manche hohen Töne gar nicht spielen lassen. Ein geringer Abstand zwischen Saiten und Griffbrett verursacht unangenehme Surrgeräusche, wenn man laut spielt. In unserem Test kam der Hals zudem mit unangenehm scharfen Kanten aus dem Drucker.
Klanglich bricht die Hovalin bei mittleren Tönen ein, die hohen Töne werden arg dünn. Überraschenderweise klingt sie nicht nach Plastik. Den warmen, charaktervollen Klang guter Holzinstrumente kann sie aber nicht imitieren. Sie steht damit in Konkurrenz zu den billigsten Geigen aus dem Handel, die Bedürfnisse erfahrener Violinisten kann sie keinesfalls erfüllen.
Aber auch Anfänger tun sich wegen der kopflastigen Konstruktion mit der Hovalin keinen Gefallen. Gerade Kindern würde das 3D-gedruckte Instrument den Einstieg ins Geigelernen unnötig schwer machen. Damit eignet sie sich eigentlich nur für fiedelnde Maker, die mal ein paar Töne damit streichen, bevor sie wieder zu ihrem besseren Instrument wechseln. (pmk@ct.de)
| Hovalibs Hovalin | |
| Geigenbauplan für 3D-Drucker | |
| Hersteller, URL | Hovalibs, hovalabs.com/hovalin |
| Druckraum | mindestens 30 cm breit, 36 cm hoch |
| Preis | kostenlose Druckdatei, Materialkosten ca. 50 € |