Digitale Souveränität in Abstufungen
Der Begriff digitale Souveränität verwässert zunehmend, je populärer er wird. Eine trennscharfe Definition ist aber auch deshalb notwendig, weil sich hinter mehr Souveränität meist auch mehr Kosten verbergen. Was T-Systems unter digitaler Souveränität versteht und warum man an Hyperscalern nicht vorbeikommt, erklärt CTO Dr. Christine Knackfuß-Nikolic.
Die Bundeswehr verkündet die Inanspruchnahme privater Google-Cloud-Instanzen über ihr Systemhaus BWI GmbH, AWS gründet eine eigene Muttergesellschaft in Potsdam, um das Souveränitätsversprechen ihrer AWS European Sovereign Cloud zu gewährleisten. Wenn über digitale Souveränität gesprochen wird, geht es aber meist darum, sich von den US-Hyperscalern unabhängig zu machen und europäische Alternativen zu nutzen – was denn nun?
Dr. Christine Knackfuß-Nikolic ist CTO des Cloud-Anbieters T-Systems, der mit souveränen Umgebungen wirbt. Darunter befindet sich aber nicht nur die Open Sovereign Cloud, die sich dank quelloffener Komponenten auch betreiben lässt, wenn Amerika den Draht zur EU vollkommen kappt, sondern auch die T-Systems Sovereign Cloud powered by Google sowie die souveränen Produkte amerikanischer Anbieter. Die Angebote unterscheiden sich stark, auch wenn sie alle den Stempel „souverän“ tragen. Digitale Souveränität benötigt also dringend eine belastbare Definition, die es Unternehmen wie auch politischen Entscheidungsträgern ermöglicht, Angebote sicher einzuschätzen. Im Interview beschreibt Frau Knackfuß-Nikolic, wie T-Systems Souveränität auslegt, wie sich die Nachfrage nach mehr Souveränität konkret zeigt und warum die US-Hyperscaler nicht aus dem Cloud-Mix europäischer Unternehmen verschwinden werden.