Was macht eigentlich ein Roboterprogrammierer?
Hunderttausende Industrieroboter werden in den nächsten Jahren neu installiert. Entsprechend gefragt sind Spezialisten für die Anwendungssoftware.
Florian Groschup hat seinem Kollegen mit einem dunklen Tuch die Augen verbunden. Nun soll er ein Zahnrad in ein Getriebe einsetzen. Er nimmt das Teil in die Hand, setzt es leicht gekippt zwischen den anderen Zahnrädern an und drückt es dann mit leichtem Rütteln in die richtige Stelle.
Groschup filmt den Vorgang und schaut sich die Aufnahme anschließend immer wieder genau an. „Ich will herausfinden, wie der Bewegungsablauf der Arme und Hände ist“, sagt der 27-Jährige. Er ist einer von etwa 40 Roboterprogrammierern beim Hersteller Kuka. Dort bringt er einer ganz neuen Generation von mechanischen Helfern das Handwerk bei. Sensoren verleihen ihnen eine justierbare Feinfühligkeit. „Sie dürfen deshalb ohne Schutzzaun Hand in Hand mit Menschen arbeiten“, sagt Groschup. Trotz ihrer sieben Achsen wiegen sie nur knapp 30 Kilogramm und lassen sich auf einem Wagen rasch von Einsatzort zu Einsatzort fahren.
Was sie dort zu tun haben, gibt ihnen Groschup vor – mit einer in Java geschriebenen Anwendungssoftware, die auf dem Standardbetriebssystem der Roboter läuft.
In einigen Jahren, glaubt Groschup, ließen sich Roboter so programmieren, dass sie selbstständig wissen, wo sie gebraucht werden und was sie dort zu tun haben.
Groschup hat Elektrotechnik für Automatisierungstechnik an der FH Würzburg-Schweinfurt studiert. An der Hochschule Heilbronn gibt es den deutschlandweit einzigartigen Studiengang Robotik und Automation, der einen starken Schwerpunkt auf Produktionsroboter legt. Professor Carsten Wittenberg, Leiter des Studiengangs, bezeichnet die Arbeitsmarktchancen als „extrem gut“. Rund 100000 Roboter wurden 2014 allein in der Autobranche installiert. Die International Federation of Robotics rechnet bis 2017 mit weiteren 900000 Installationen.
Die Übergänge zwischen Robotik und Automatisierungstechnik werden dabei immer fließender. Das gilt vor allem mit der zunehmenden Vernetzung der Fabriken. „Industrie 4.0 bringt noch mehr Bewegung in die Robotik“, sagt Groschup. Weil die meisten Fabrikautomaten mit speicherprogrammierbaren Systemen betrieben werden, sollten Roboterprogrammierer auch deren Grundlagen beherrschen – und ein Grundverständnis von Produktionslinien haben.
Viele Roboterprogrammierer arbeiten bei Dienstleistern und Zulieferern, die für Industrieunternehmen individuelle Anwendungen schreiben. Aktuell liegt das Einstiegsgehalt bei rund 50000 Euro. PETER ILG