MIT Technology Review 1/2016
S. 90
Karriere
Ausbildung

Was macht eigentlich ein Roboterprogrammierer?

Hunderttausende Industrieroboter werden in den nächsten Jahren neu installiert. Entsprechend gefragt sind Spezialisten für die Anwendungssoftware.

Florian Groschup bringt Robotern mehr Fingerfertigkeit bei. Foto: Kuka

Florian Groschup hat seinem Kollegen mit einem dunklen Tuch die Augen verbunden. Nun soll er ein Zahnrad in ein Getriebe einsetzen. Er nimmt das Teil in die Hand, setzt es leicht gekippt zwischen den anderen Zahnrädern an und drückt es dann mit leichtem Rütteln in die richtige Stelle.

Groschup filmt den Vorgang und schaut sich die Aufnahme anschließend immer wieder genau an. „Ich will herausfinden, wie der Bewegungsablauf der Arme und Hände ist“, sagt der 27-Jährige. Er ist einer von etwa 40 Roboterprogrammierern beim Hersteller Kuka. Dort bringt er einer ganz neuen Generation von mechanischen Helfern das Handwerk bei. Sensoren verleihen ihnen eine justierbare Feinfühligkeit. „Sie dürfen deshalb ohne Schutzzaun Hand in Hand mit Menschen arbeiten“, sagt Groschup. Trotz ihrer sieben Achsen wiegen sie nur knapp 30 Kilogramm und lassen sich auf einem Wagen rasch von Einsatzort zu Einsatzort fahren.

Was sie dort zu tun haben, gibt ihnen Groschup vor – mit einer in Java geschriebenen Anwendungssoftware, die auf dem Standardbetriebssystem der Roboter läuft.

In einigen Jahren, glaubt Groschup, ließen sich Roboter so programmieren, dass sie selbstständig wissen, wo sie gebraucht werden und was sie dort zu tun haben.

Groschup hat Elektrotechnik für Automatisierungstechnik an der FH Würzburg-Schweinfurt studiert. An der Hochschule Heilbronn gibt es den deutschlandweit einzigartigen Studiengang Robotik und Automation, der einen starken Schwerpunkt auf Produktionsroboter legt. Professor Carsten Wittenberg, Leiter des Studiengangs, bezeichnet die Arbeitsmarktchancen als „extrem gut“. Rund 100000 Roboter wurden 2014 allein in der Autobranche installiert. Die International Federation of Robotics rechnet bis 2017 mit weiteren 900000 Installationen.

Die Übergänge zwischen Robotik und Automatisierungstechnik werden dabei immer fließender. Das gilt vor allem mit der zunehmenden Vernetzung der Fabriken. „Industrie 4.0 bringt noch mehr Bewegung in die Robotik“, sagt Groschup. Weil die meisten Fabrikautomaten mit speicherprogrammierbaren Systemen betrieben werden, sollten Roboterprogrammierer auch deren Grundlagen beherrschen – und ein Grundverständnis von Produktionslinien haben.

Viele Roboterprogrammierer arbeiten bei Dienstleistern und Zulieferern, die für Industrieunternehmen individuelle Anwendungen schreiben. Aktuell liegt das Einstiegsgehalt bei rund 50000 Euro. PETER ILG

JUGEND

Heute top, morgen Flop

Wo haben junge Leute das beste Leben und die besten Aussichten? Die französische Organisation Youthonomics beantwortet diese Frage mit einem globalen Index. Er setzt sich aus 59 Indikatoren von 64 Ländern zusammen. Darin fließen unter anderem Daten zur Arbeitslosigkeit, Ausbildung, Gesundheit, Wirtschaft und zum politischem Einfluss ein.

Insgesamt stehen Norwegen, die Schweiz und Dänemark im aktuellen Index vom Oktober 2015 auf den vorderen Plätzen. Deutschland folgt auf Rang sieben. Fasst man allerdings Indikatoren wie Staatsverschuldung, wirtschaftliche Wachstumsaussichten und Bildungsausgaben zu einer eigenen Tabelle zusammen, die sich nicht auf die Gegenwart, sondern auf die Zukunft bezieht, sieht die Lage schon ganz anders aus: Hier schieben sich Länder wie Uganda, Ruanda und Kasachstan zu Norwegen und Schweden in die Spitzengruppe; Deutschland landet auf Platz 37.

Diese Widersprüchlichkeiten lassen sich besonders an zwei Faktoren beobachten: der Jugendarbeitslosigkeit und den Bildungsausgaben. Bei der „relativen Jugendarbeitslosigkeit“ (Grafik links) – also der Jugendarbeitslosigkeit im Verhältnis zur allgemeinen Arbeitslosigkeit – ist Deutschland mit weitem Abstand vor den Niederlanden und Japan Weltmeister. Bei den Bildungsausgaben hingegen sieht es nahezu umgekehrt aus (Grafik rechts). Hier liegt Ghana an der Spitze. Fast ein Drittel der gesamten Staatsausgaben fließen dort in die Bildung. GREGOR HONSEL

BERUFSWAHL

Praktika im Viererpack

Vier Praktika in vier Unternehmen in vier Regionen – wer das als Schulabgänger oder Student selbst organisieren will, kommt wohl eine Weile zu nichts anderem mehr. Das Projekt „Work in Germany“ von karriere.de liefert das alles nun im Paket. Es macht Bewerbern sechs individuell zugeschnittene Praktikumsvorschläge, von denen sie zwei ablehnen können. So sollen Praktikanten auch Branchen jenseits der Modeberufe kennenlernen.

Die Rahmenbedingungen legt Work in Germany gemeinsam mit den Firmen im Vorfeld fest. Diese müssen sich verpflichten, klare Qualitätsstandards einzuhalten. Voraussetzungen bei den Praktikanten: Sie müssen volljährig sein und einen mittleren Schulabschluss haben. Die Vergütung beträgt nach Abzug aller Gebühren 560 Euro im Monat. OVE LOMMACK

STUDIUM

MINT zum Ausprobieren

Wer sich für Naturwissenschaften und Technik interessiert, sich aber nicht für ein konkretes Fach entscheiden kann, für den hat die Universität des Saarlandes eine Art Studium generale light eingerichtet: den „Bachelor Plus MINT“. Er bietet Studenten die Möglichkeit, erst einmal ein Jahr lang die verschiedenen Fächer zu beschnuppern. Erst im zweiten Jahr müssen sich die Studenten für eine Disziplin entscheiden.

Je nach Fach gibt es dabei auch unterschiedlich große Praxisanteile. Das Studium dauert vier Jahre und endet mit dem Bachelor im jeweiligen Neigungsfach. Die ersten 26 Studierenden haben bereits in diesem Wintersemester angefangen. Die Bewerbungsfrist fürs nächste Wintersemester läuft bis September. Studiengebühren fallen nicht an.

OVE LOMMACK