MIT Technology Review 1/2016
S. 79
Fokus
Medizin

Algen im Auge

Grünalgen-Gene, eingeschleust ins Auge, sollen Nervenzellen in Sehzellen umwandeln. Was bei Mäusen schon gelang, könnte auch blinden Menschen helfen.

Organtransplantationen gehören heute zum medizinischen Alltag. Wegen des weltweiten Mangels an Spenderorganen testen Forscher aber zunehmend die Verpflanzung tierischer Organe oder Stammzellen. Nun wagen sich Wissenschaftler erstmals daran, ein Algen-Gen in das menschliche Auge einzuschleusen. Der Grund: Mit etwa 1,5 Millionen Betroffenen ist Retinitis pigmentosa die Hauptursache genetisch verursachter Blindheit weltweit. Nun bekam die Firma RetroSense aus San Francisco die weltweit erste Lizenz, Menschen mit dieser Krankheit mit dem Erbgut von Grünalgen zu behandeln. Ihr Ziel: Nervenzellen der Netzhaut (Retina), die von der Krankheit verschont bleiben, zu Sehzellen umzubauen.

Fotos:123rf, M.Mis/SPL/Ag. Focus

„Wir haben Viren genetisch so umgebaut, dass sie in die Nervenzellen der Netzhaut das Gen für ein Algenprotein einschleusen“, sagt Zhuo-Hua Pan von der Wayne State Universität, wissenschaftlicher Berater von RetroSense. Bei dem Protein handelt es sich um das Kanal-Rhodopsin-2, das Licht in elektrische Signale umwandelt. Es stammt aus dem primitiven Augenfleck, mit dem Grünalgen hell und dunkel wahrnehmen. Die neu konstruierten Viren sollen das Gen für Kanal-Rhodopsin-2 in die Nervenzellen der Retina einbauen und sie so für Licht sensibel machen. „Wir hoffen, dass nach der Behandlung genügend Nervenzellen ausreichend Kanal-Rhodopsin-2 herstellen, um den Patienten eine rudimentäre Sehfähigkeit zurückzugeben“, sagt Pan.

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