MIT Technology Review 11/2016
S. 12
Aktuell

Interview

„Mit Aliens haben wir nichts zu tun“

Karina Kettmann ist Pressesprecherin der Deutschsprachigen Gesellschaft für UFO-Forschung (DEGUFO e.V.). Sie erklärt, was hinter der interaktiven UFO-Karte steckt. Foto: Privat

TR: Die Informationsvisualisierer Alsino Skowronnek und Hans Hack haben eine interaktive Karte mit UFO-Sichtungen erstellt. Woher kommen die Daten?

Karina Kettmann: Sie stammen aus der gemeinsamen Datenbank von den drei deutschen Ufo-Organisationen DEGUFO e.V., GEP e.V. und MUFON-CES e.V. Auf der Website besteht die Möglichkeit, seine Beobachtung mit so vielen Informationen wie möglich über ein Meldeformular anzugeben. Dieses wird dann in anonymisierter Form in der Datenbank gespeichert und untersucht. Aktuell sind es über 11000 eingetragene Sichtungen in Deutschland.

Dass es in Großstädten mehr Meldungen gibt als auf dem Land ist nachvollziehbar. Wie aber kommt es, dass es in der Kleinstadt Pillig in Rheinland-Pfalz 81,7 Meldungen pro Einwohner gibt?

Zu Beginn der 1970er-Jahre gab es über Westeuropa eine Sichtungswelle. Jemand aus Pillig hat zu der Zeit sehr intensiv den Himmel beobachtet und jede Sichtung sehr akribisch gemeldet. Deshalb erscheint die Zahl der Sichtungen dort so hoch. Was genau diese Welle auslöste, ist aber bis heute nicht bekannt.

Gibt es andere Trends bei den Ufo-Meldungen? Wie beeinflussten beispielsweise die beliebten fliegenden Lampions die Zahl der Meldungen?

Die sogenannten „Himmelslaternen“ sorgten ab circa 2008 für einen enormen Anstieg an Sichtungsmeldungen. Auch heute werden sie, trotz Verbot, immer wieder steigen gelassen. Aktuell sorgen LED-Heliumballons und Quadro- oder Multicopter oder ähnliches für vermehrte Meldungen.

Sie geben eine Aufklärungsquote von 97,5 Prozent für Deutschland an. Sind der Rest Aliens?

Nein! Mit Aliens haben wir nichts zu tun. Wenn wir sagen könnten, das wären außerirdische Raumschiffe, dann wäre die Sichtung identifiziert und in der Wortbedeutung, nämlich ein unidentifiziertes Flugobjekt, auch kein Ufo mehr. Aber wir sind keine Alien- oder Raumschiffjäger, sondern wir versuchen, den Leuten, die etwas für sie selbst Ungewöhnliches beobachtet haben, Hilfestellung zu leisten und es gegebenenfalls aufzuklären. Und das gelingt uns in den meisten Fällen. Interview: Jennifer Lepies

MEDIZIN

Nur noch Wasser hinzufügen

Baukasten für Medikamente. Foto: Wyss Institute at Harvard University

Hoch entwickelte Medikamente selbst zusammenzumischen, dürfte der Traum vieler Ärzte sein. Denn viele der Substanzen – insbesondere Impfstoffe – sind wärmeempfindlich und fehlen in den entlegenen Gebieten der Welt. So blieben 2015 laut Unicef rund 20 Millionen Kinder weltweit ohne die erforderlichen Basisimpfungen.

Abhilfe könnte eine neue Produktionsplattform schaffen, die Forscher vom Wyss Institute, dem MIT und der University of Toronto gemeinsam unter der Leitung von James Collins entwickelt und im Fachblatt „Cell“ (http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2016.09.013) vorgestellt haben. Das biomolekulare System funktioniert laut Collins, Professor für Medizintechnik am Wyss Institute, wie ein Chemiekasten für Kinder. Das Set soll auf der einen Seite gefriergetrocknetes biologisches Material in Form von Pellets und zum anderen die ebenfalls gefriergetrockneten DNA-Codes enthalten. Wird beides vermischt und mit Wasser versetzt, startet die gewünschte Synthese. Am Ende steht das benötigte Präparat. Je mehr genetisches Material zur Verfügung stünde, desto mehr Wirkstoffe könnten gefertigt werden. Denkbar sind eine Reihe von Anwendungen: Von den Forschern getestet wurden etwa ein Diphtherie-Impfstoff, ein antimikrobielles Peptid sowie Antikörper zum Einsatz gegen Bakterien. Mögliche Einsatzbereiche neben schlecht versorgten Entwicklungsländern sind Raumstationen oder Kriegsschauplätze. Doch bis die Plattform praxistauglich ist, werden einige Jahre vergehen. INGE WÜNNENBERG