Nachruf
Isabelle Dinoire: Die Frau mit dem fremden Gesicht
Für die Medizin bedeutete es vor gut zehn Jahren einen riesigen Fortschritt. Für die Patientin entpuppte sich die erste partielle Gesichtstransplantation nicht nur als Geschenk, sondern auch als Bürde.
Die gelernte Schneiderin hatte einen Großteil der unteren Gesichtshälfte im Frühjahr 2005 durch einen nächtlichen Angriff ihres Hundes verloren. Aufgrund einer großen Dosis Schlafmittel hatte sie die Bisse nicht bemerkt. Als Chirurg Bernard Devauchelle die schweren Verletzungen sah, stand für ihn fest: Er würde die Transplantation wagen. „Wir waren so weit, wir wussten genau, was wir zu tun hatten“, erinnert sich Devauchelles Kollegin Sylvie Testelin. Ende November 2005 begann die Operation am Centre Hospitalier Universitaire Amiens-Picardie. Sie dauerte 15 Stunden, die Mediziner übertrugen ein Dreieck aus Nase, Lippen und unterer Wangenpartie einer Spenderin.