MIT Technology Review 7/2016
S. 18
Aktuell

Lilienthal im Windkanal

Foto: DLR

Ist der Flugpionier Otto Lilienthal am 9. August 1896 wegen eines Pilotenfehlers tödlich abgestürzt oder weil sein Gleiter schlecht konstruiert war? Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt haben diese Frage im Windkanal mit einem Nachbau von Lilienthals Fluggerät untersucht.Das Ergebnis: Der Gleiter offenbarte überraschend gute Flugeigenschaften zumindest bei ruhiger Luft. Zum Verhängnis wurde Lilienthal offenbar eine plötzliche Thermik-Böe. „Er hätte am Unglückstag nicht fliegen dürfen“, so die Forscher.

WEARABLES

Das Handy weiß, wann eine Dusche Not tut

Im Vergleich zu Frauen haben Männer angeblich einen schlechteren Geruchssinn. Sie riechen weniger, weil das Gehirnareal, das ihnen dafür zur Verfügung steht, 40 Prozent kleiner ist als beim weiblichen Geschlecht. Damit sich Männer trotzdem sicher sein können, in Gesellschaft nicht durch Körpergeruch unangenehm aufzufallen, hat Nivea Men jetzt eine Smartphonehülle und die zugehörige App „Nose“ entwickelt. An dem „Smellphone“ mitgearbeitet hat die kalifornische Technikfirma Spec Sensors. Die entscheidende Technik steckt im Smartphonecover. Die dort aktiven Gas-Sensoren sind darauf ausgelegt, auf irritierende Düfte zu reagieren. Wird die Handyhülle in die Nähe der Achseln gehalten, können die Sensoren die Stärke des Geruchs quantifizieren. Für den der App zugrunde liegenden Algorithmus wurden Geruchsbeispiele von rund 4000 Männern verarbeitet. Nachdem die aktuellen Daten via Bluetooth an die App übermittelt wurden, erhält der Benutzer auf seinem Smartphone eine konkrete Einschätzung. Ob sie wirklich objektive Ergebnisse liefert oder nur den Deo-Verkauf ankurbeln soll, muss sich zeigen.

Noch wird „Nose“ getestet und soll anschließend im App Store und bei Google Play heruntergeladen werden können. INGE WÜNNENBERG

MATERIAL

Zuckermoleküle heilen Lackkratzer

Wen oberflächliche Kratzer im Autolack bisher zu Politur oder Sprühdose greifen lassen, der braucht in Zukunft nur einige Tage zu warten. Denn binnen dieser Frist heilt ein neuer umweltverträglicher Lack, entwickelt am Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken, Schäden völlig selbstständig aus. Dafür verantwortlich sind Cyclodextrine, die die Forscher um Gerhard Wenz aus Maisstärke gewonnen haben. Im Lack verteilt, fädeln sich diese zuckerähnlichen Makromoleküle wie Perlen auf winzige Kunststofffäden auf. „Das entstehende Netzwerk ist beweglich und elastisch wie ein Strumpf“, sagt Wenz. Dank dieser Beweglichkeit konnte das Material Lücken im Lack über einen selbstständigen Prozess wieder auffüllen, sodass der Kratzer verschwand.

Andere selbstheilende Lacke nutzen beispielsweise Mikrokügelchen, die bei einer Beschädigung aufplatzen, eine selbst aushärtende Flüssigkeit freisetzen und den Kratzer ausfüllen können. Im Unterschied dazu kommt der neue Maisstärke-Lack ohne giftige Lösungsmittel oder teure Substanzen aus. Vor einer Marktreife stehen nun noch aufwendige Testreihen, etwa zur Überprüfung der Witterungsbeständigkeit. Außerdem fehlen noch Verfahren, um große Mengen herstellen zu können. Nicht zuletzt gilt es zu zeigen, dass der neue Lack sich im industriellen Einsatz genauso gut verarbeiten lässt wie die bereits gebräuchlichen Lacke. JAN OLIVER LÖFKEN

Casual Game

Atome schubsen

Die von dem Physiker Jacob Sherson von der Universität Aarhus entwickelte App „Quantum Moves“ wirkt auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Geschicklichkeitsspiel: Der Spieler sieht eine horizontale Linie mit einer Delle vor sich, in der eine Art Flüssigkeit zu schwappen scheint. Mit einem runden Controller stellt man eine zweite Delle in der Linie her, um mit ihrer Hilfe so viel Flüssigkeit wie möglich so schnell wie möglich in ein farbiges Zielfeld zu bewegen. So weit eigentlich ganz einfach, aber man bemerkt schnell, dass die Flüssigkeit sich seltsam verhält – sie sickert zum Beispiel aus den Mulden heraus oder schwingt wild hin und her.

Das ist kein Wunder, denn die Flüssigkeit verhält sich wie eine atomare Wellenfunktion der Quantenmechanik. Die Strategien, die Spieler entwickeln müssen, um diese widerspenstigen Atome zu schubsen, nutzen die dänischen Physiker, um in Fallen gefangene Atome mit Laserstrahlen zu bewegen. Registriert man sich auf der Plattform Scienceathome.org, zeichnet der Server erfolgreiche Lösungswege auf, um sie für weitere Experimente zu nutzen. Zusätzlicher Anreiz: Der Server führt eine Tabelle mit Highscores aller registrierten Spieler. Wer zunächst das Gefühl hat, die Level wären zu einfach, wird spätestens beim Blick auf diese Tabell merken, dass Quantenmechanik doch nicht so simpel ist. W. STIELER