MIT Technology Review 11/2017
S. 14
Aktuell

LEBENSMITTEL

Schokolade in Pink

Die Ruby-Kakaobohne liefert den Rohstoff für rosafarbene Schokolade. Foto: Barry Callebaut

Kann der Stoff, aus dem Schokolade gemacht ist, rosarot sein? Bisher kennt man Schokolade nur in Brauntönen – oder auch in Weiß. Nun aber hat der Schweizer Hersteller Barry Callebaut unter anderem gemeinsam mit Forschern der Jacobs University in Bremen einen neuen Schokoladentyp aus der Ruby-Kakaobohne entwickelt. Die gleichnamige, ebenfalls rötliche Kakaobohne wächst auf Plantagen in Ecuador, Brasilien und der Elfenbeinküste. Der neue Typ Schokolade, dem weder Farbstoffe noch Beeren beigemischt wurden, soll viel fruchtiger, besonders weich, aber auch ein bisschen säuerlich schmecken. Rund 13 Jahre hat die Entwicklung des neuen Typs gedauert. Über Einzelheiten schweigt sich der Konzern allerdings aus und hat das Verfahren inzwischen patentieren lassen. Bis die rosa Schokolade in die Läden kommt, wird indes noch einige Zeit vergehen. Denn Barry Callebaut beliefert die Lebensmittelindustrie, die das rosa Naschzeug erst ins eigene Programm aufnehmen muss. INGE WÜNNENBERG

Autos werden bis 2030 europaweit überflüssig, sagt die Beratungsgesellschaft PWC voraus. Ein Drittel der in Europa gefahrenen Kilometer werde dann mit irgendeiner Form des Sharings zurückgelegt. Trotzdem könne der Verkehr noch dichter werden. Der Grund: Sharing-Konzepte und selbstfahrende Taxis machen das Auto auch für Menschen attraktiv, die es bisher nicht genutzt haben. Außerdem verursachen sie viele Leerfahrten.

OPTIK

Der Unsichtbarkeitsstrahl

Tarnkappen aus symmetrisch strukturierten Metamaterialien können Lichtwellen so um ein Objekt lenken, dass es für einen Betrachter unsichtbar wird. Das Gleiche ist Physikern der TU Wien nun auch ohne Metamaterialien gelungen (arXiv: 1612.03070). Dazu bestrahlten sie ein völlig undurchsichtiges Objekt mit einem punktgenauen Lichtstrahl hoher Auflösung. Durch diese zugeführte Energie veränderte sich die Lichtstreuung um das Objekt. Ein zweiter, von der Seite kommender Lichtstrahl wurde dadurch nicht mehr gestreut, sondern konnte das Objekt ungestört durchdringen, als ob es transparent wäre. Von der Seite betrachtet war nur noch dieser ungestörte Lichtstrahl erkennbar, das durchleuchtete Objekt folglich nicht mehr sichtbar. Dafür muss allerdings die mikroskopische Struktur des Objekts genau bekannt sein, um nach aufwendigen Rechnungen das Wellenmuster des tarnenden Lichtstrahls entsprechend anzupassen.

Interessant wird dieser Ansatz für optische Experimente, in denen sich einzelne, exakt in ihrer Struktur analysierte Objekte auf Knopfdruck verbergen lassen. Für größere Objekte oder gar Menschen und Fahrzeuge ist diese Methode nicht geeignet, da die mikroskopisch exakte Struktur kaum zu ermitteln wäre. Prinzipiell soll diese Methode mit Tarnstrahlen mit designten Wellenmustern nicht für Lichtwellen, sondern auch für Schall geeignet sein. JAN OLIVER LÖFKEN

INFOTECH

Smartphone zum Klappen

Fotos: Screenshot aus YouTube

Seit einigen Jahren ranken sich Gerüchte um ein erstes Smartphone mit großem klappbaren Display. Im kommenden Jahr will Samsung es nach Aussage von Koh Dong-Jin, dem Präsidenten der Mobilfunksparte, auf den Markt bringen. Nur wenige, nicht näher beschriebene Hürden sollten bis dahin überwunden sein. Damit hinkt Samsung seiner eigenen Technologie-Roadmap etwas hinterher, die bereits für 2016 faltbare Displays vorgesehen hatte.

Das Faltdisplay wird wahrscheinlich auf roll- und faltbaren OLED-Displays aufbauen, die Samsung auf Fachmessen seit 2013 präsentiert hatte. Mit 5,7 Zoll Bildschirmdiagonale und 2560 mal 1440 Pixeln war ein zuletzt gezeigter rollbarer Prototyp nur ein Drittel Millimeter dünn und ließ sich relativ eng mit einem Radius von zehn Millimetern aufrollen. Die faltbare Version, basierend auf der gleichen Technologie, soll aufgeklappt eine Diagonale von sieben Zoll erreichen. Damit ließe sich die Display-Größe eines Tablets auf handliches Smartphone-Format reduzieren. JAN OLIVER LÖFKEN

umwelt

Filter für Bremsstaub

Verbrennungsmotoren sind längst nicht mehr die größte verkehrsbedingte Quelle von Feinstaub in den Städten, sondern der Abrieb von Bremsen, Reifen und Straßenbelag sowie Aufwirbelungen von der Straße. Der Filterhersteller Mann + Hummel hat nun eine Methode vorgestellt, den Abrieb der Bremsen direkt an der Quelle abzufangen. Dazu werden die kompletten Bremssättel in ein Filtergehäuse eingekapselt.

Demonstrationsmodell an einem VW Passat. Foto: Mann + Hummel

Das System kostet rund 50 Euro pro Rad und richtet sich in erster Linie an Autohersteller. Nach Angaben von Mann + Hummel haben schon einige Interesse bekundet – obwohl die Staubemissionen der Bremsen nicht für die Zulassung relevant sind.

Das System kann auch nachgerüstet werden – falls der Bauraum ausreicht und die Bremsen thermisch großzügig genug ausgelegt sind, da sie durch die Einhausung schlechter gekühlt werden. Bisher wurden die Bremsfilter nur auf dem Prüfstand getestet, nun sollen Fahrversuche in Stuttgart folgen. Laut Mann + Hummel eignen sich die Filter auch für Lastwagen und Schienenfahrzeuge, die besonders viel Bremsstaub absondern. GREGOR HONSEL

VERKEHR

Rollende Briefkästen

Die nächste Generation der Postbusse. Foto: TeleRetail

Laserscanner und Kameras sollen vollautonome Transportroboter ermöglichen, bei denen kein Operator mehr aus der Ferne eingreifen muss – so der Plan des schweizerischen Start-ups TeleRetail. Im Oktober startet ein sechsmonatiger Test mit der Schweizer Post und weiteren Partnern. Zwei Wagen sollen unter anderem durch das autofreie Saas-Fee rollen. Zunächst bewegen sie sich mit sechs Kilometern pro Stunde auf vorab kartierten, hindernisfreien Routen. Damit wolle man herausfinden, „was sich im gegebenen technischen und rechtlichen Rahmen machen lässt“, sagt TeleRetail-Chef Torsten Scholl. Denkbar wäre etwa ein Shuttle, das Pakete von Station zu Station bringt, oder ein rollender Briefkasten. Für einen Lieferroboter, der spontan beliebige Adressen ansteuern kann, fehle es unter anderem noch an ausreichend genauen Karten. Gregor HONSEL

MATERIAL

Möbel aus Pilzen

Mit Pilzen ist es wie mit Eisbergen: Der größte Teil ist unsichtbar. Die essbaren Fruchtkörper machen nur einen kleinen Teil eines Pilzes aus. Der eigentliche Organismus besteht aus einem feinen unterirdischen Geflecht fadenförmiger Zellen, dem sogenannten Myzel. Dieses will Julia Krayer, Biodesignerin am Fraunhofer Umsicht-Institut in Oberhausen, als Baumaterial nutzen. Dazu vermischt sie Pilzwurzeln mit einem Nährboden aus biologischem Abfall wie Kaffeesatz, Stroh oder Buchenspänen. „Nach zwei bis drei Wochen durchziehen die Myzelien-Fäden das gesamte Substrat und bilden so eine feste Struktur“, sagt sie. Diese wird zerkleinert, in eine Form gebracht und in einem Ofen getrocknet.

„Das auf diese Weise entstehende Material hat sehr gute Dämmwerte und ist somit eine Alternative zu Styropor“, sagt Krayer. Werde es zusätzlich gepresst, lasse es sich auch für den Bau von Möbeln oder Schallabsorbern verwenden. Wie es mit Feuerfestigkeit und Feuchtigkeitsbeständigkeit aussieht, ist allerdings offen – das wurde noch nicht getestet, so Krayer.

Derzeit erforscht sie, unter welchen Bedingungen das Material am besten wächst. Anschließend wollen sie und ihre Mitstreiterinnen ein Unternehmen gründen, um das Material auf den Markt zu bringen. GREGOR HONSEL

Jede Versuchskammer ein Ökosystem

Foto: Tilo Arnhold/ iDiv

In 24 Eco-Units wollen Wissenschaftler des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und des Biodiversitäts-Forschungszentrums untersuchen, wie Pflanzen, Tiere und Mikroben einander über und unter der Erde beeinflussen. Deshalb lassen sich in den verglasten Kästen Licht, Temperatur und Niederschlag gezielt steuern. In den Versuchskammern in Bad Lauchstädt soll künftig zum Beispiel untersucht werden, wie sich der Verlust einer Spezies auf ein Ökosystem auswirkt.

MATERIAL

Kratzfester Lack mit Bornitrid-Schichten

Materialforscher der Queens University in Belfast schlagen vor, hauchdünne Schichten aus Bornitrid für kratzfeste Beschichtungen zu nutzen. Ihre jüngsten Messungen ergaben, dass dieses zweidimensionale Material die Festigkeit von Diamanten erreicht und prinzipiell flexibel genug wäre, um es auf Flächen aufzutragen. Für ihre Messungen lösten die Forscher die nur etwa zwei Atomlagen dünnen durchsichtigen Schichten mit einem Klebestreifen von einem Bornitrid-Kristall ab, deponierten sie auf einem Glasträger und analysierten sie mit einem Rasterkraftmikroskop. Dabei entdeckten sie eine verblüffende Festigkeit bei enormen lokalen Drücken von mehreren Hundert Gigapascal.

Bornitrid-Schichten haben damit das Potenzial, die Stabilität von Faserwerkstoffen, Gläsern oder Beschichtungen zu steigern. Das könnte aber noch einige Zeit benötigen, denn es fehlen geeignete Verfahren für eine kontrollierte Verknüpfung von Bornitrid mit den zu stabilisierenden Werkstoffen. JAN OLIVER LÖFKEN