MIT Technology Review 6/2017
S. 88
Karriere
Ausbildung

Was macht eigentlich ein Orthopädietechnik-Mechaniker?

Ein Orthopädietechnik-Mechaniker passt Prothesen und Orthesen individuell für Patienten an.

Matthias Menzel behandelt gerade einen 24-jährigen Libyer, dem nach einer Bombenexplosion der rechte Unterschenkel amputiert wurde. Der 26-Jährige hat 2013 bei Otto Bock eine Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechaniker begonnen. Die Duderstädter Firma stellt Orthesen und Prothesen her und ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer.

Matthias Menzel passt den Schaft der Prothese an. Foto: Otto Bock

Menzels Arbeit beginnt mit der Anamnese. „Im Gespräch versuche ich herauszufinden, welche Art von Prothese der Patient braucht.“ Der Mann aus Libyen hat vorher Fußball gespielt. Das möchte er mit seiner Prothese wieder tun. „Mein Ziel ist es, den Patienten die gleiche Lebensqualität zu geben wie vor der Amputation.“ Dafür muss die Prothese einiges leisten.

Der Schaft beispielsweise bildet die Verbindung von Beinstumpf und künstlichem Gliedmaß. Menzel modelliert ihn so, dass der Stumpf unterhalb des Knies nur an bestimmten Stellen belastet wird. Jeder Patient ist anders gebaut, deshalb wird der Schaft individuell hergestellt und angepasst. „Das Wadenbeinköpfchen schmerzt bei Belastung sehr, deshalb spare ich das zum Beispiel aus.“ Ein Unterdrucksystem sorgt dafür, dass die Beinprothese sicher mit dem Stumpf verbunden ist. Bei Belastung der Prothese pumpt es einen Unterdruck in eine Kammer, mit dem sich der Schaft bei Entlastung am Stumpf festsaugt.

Das eigentliche technische Wunderwerk aber sind die Füße. Moderne Modelle verfügen über eine Vielzahl von Sensoren und eine hydraulische Echtzeitsteuerung. So kann sich die Prothese an Ganggeschwindigkeit und Bodenbeschaffenheit anpassen. Der Fuß des Libyers ist aus Carbon, das macht ihn dynamisch. „Carbon kann Kräfte aufnehmen und abgeben, das Material funktioniert ähnlich der Muskulatur“, sagt Menzel.

Zwei bis maximal fünf Jahre wird eine Prothese getragen, dann erneuert, weil sich der Körperbau verändert. Menschen legen an Gewicht zu, oder der Durchmesser des Stumpfes steigt. „Prothetik ist der Beginn eines lebenslangen Prozesses“, sagt Menzel. Seine Arbeit setzt daher Geduld und Empathie voraus. Peter Ilg

ARBEITSMARKT

Sport hilft auch im Job

Wer körperlich fit ist, ist im Job effektiver. Das haben Untersuchungen des Leibniz-Institut für Arbeitsforschung (IfADo) an der TU Dortmund ergeben. Besonders in Dienstleistungsberufen wie Verkäufer, Ärzte, Rechtsanwälte oder Bankangestellte werden hohe Anforderungen an die Selbstkontrolle gestellt, die mit der Zeit die Psyche belasten und bis zum Burnout führen können.

Psychologen des IfADo konnten jetzt zeigen, dass körperliche Fitness wie eine Art Puffer zwischen Selbstkontrolle und psychischer Belastung wirkt. Dafür untersuchten und befragten die Forscher mehr als 800 Probanden aus dem Finanzsektor. Es zeigte sich, dass körperlich fitte Menschen weniger Probleme haben, ihre Emotionen entsprechend den Berufsanforderungen zu regulieren, als Menschen, die selten Sport treiben. Der Grund: Um konzentriert arbeiten zu können, braucht der Körper Glukose, die bei körperlicher Fitness effizienter in die Zellen transportiert wird. Karsten Schäfer

Umfrage

Elektromobilität als Branchenmotor

Quelle: VDE Tec Report 2017

Die Elektrotechnikbranche sieht die Elektromobilität als den Innovationstreiber und Wachstumsmotor des Jahres 2017. Zu diesem Ergebnis kommt der VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.) in seinem „Tec Report 2017“, für den rund 1300 Mitgliedsunternehmen befragt wurden. Entsprechend rosig sieht die Zukunft für angehende Elektroingenieure aus. Überschattet werden die Aussichten allerdings durch den befürchteten Mangel beziehungsweise den Wettbewerb um Fachkräfte. Karsten Schäfer

Neue Studiengänge

Die Hochschule Offenburg führt zum Wintersemester den neuen Masterstudiengang Enterprise and IT-Security ein, der auf den Bachelor-Studiengang Unternehmens- und IT-Sicherheit aufsetzt. Neben den rein technischen Aspekten zur Sicherung von IT-Systemen sollen auch organisatorische und juristische Sichtweisen bei der Absicherung von Unternehmensabläufen und deren IT-Infrastruktur gelehrt werden. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli.

Passend dazu bietet die Universität Göttingen den neuen Masterstudiengang European and Transnational Intellectual Property and Information Technology Law (LIPIT). Der englischsprachige Studiengang spezialisiert Studierende in rechtlichen Fragen rund um geistiges Eigentum, Patente und Marken sowie um Software, Datenschutz und Online-Handel. Das Studium dauert nur zwei Semester und kostet 7800 Euro. Bewerbungsschluss ist der 30. Juni.

Bei dem neuen Bachelor-Studiengang Ingenieurpsychologie des Hochschulcampus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen geht es nicht etwa um die Psyche der Ingenieure. Vielmehr sollen die Studenten lernen, wie sie Anwendern von technischen Produkten Freude bereiten und die Interaktion mit komplexen Geräten einfach gestalten können. Schwerpunkte sind unter anderem allgemeine und kognitive Psychologie, Usability und Mensch-Maschine-Systeme. Bewerbungsschluss ist der 15. Juli. Karsten Schäfer