Was macht eigentlich ein Orthopädietechnik-Mechaniker?
Ein Orthopädietechnik-Mechaniker passt Prothesen und Orthesen individuell für Patienten an.
Matthias Menzel behandelt gerade einen 24-jährigen Libyer, dem nach einer Bombenexplosion der rechte Unterschenkel amputiert wurde. Der 26-Jährige hat 2013 bei Otto Bock eine Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechaniker begonnen. Die Duderstädter Firma stellt Orthesen und Prothesen her und ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer.
Menzels Arbeit beginnt mit der Anamnese. „Im Gespräch versuche ich herauszufinden, welche Art von Prothese der Patient braucht.“ Der Mann aus Libyen hat vorher Fußball gespielt. Das möchte er mit seiner Prothese wieder tun. „Mein Ziel ist es, den Patienten die gleiche Lebensqualität zu geben wie vor der Amputation.“ Dafür muss die Prothese einiges leisten.
Der Schaft beispielsweise bildet die Verbindung von Beinstumpf und künstlichem Gliedmaß. Menzel modelliert ihn so, dass der Stumpf unterhalb des Knies nur an bestimmten Stellen belastet wird. Jeder Patient ist anders gebaut, deshalb wird der Schaft individuell hergestellt und angepasst. „Das Wadenbeinköpfchen schmerzt bei Belastung sehr, deshalb spare ich das zum Beispiel aus.“ Ein Unterdrucksystem sorgt dafür, dass die Beinprothese sicher mit dem Stumpf verbunden ist. Bei Belastung der Prothese pumpt es einen Unterdruck in eine Kammer, mit dem sich der Schaft bei Entlastung am Stumpf festsaugt.
Das eigentliche technische Wunderwerk aber sind die Füße. Moderne Modelle verfügen über eine Vielzahl von Sensoren und eine hydraulische Echtzeitsteuerung. So kann sich die Prothese an Ganggeschwindigkeit und Bodenbeschaffenheit anpassen. Der Fuß des Libyers ist aus Carbon, das macht ihn dynamisch. „Carbon kann Kräfte aufnehmen und abgeben, das Material funktioniert ähnlich der Muskulatur“, sagt Menzel.
Zwei bis maximal fünf Jahre wird eine Prothese getragen, dann erneuert, weil sich der Körperbau verändert. Menschen legen an Gewicht zu, oder der Durchmesser des Stumpfes steigt. „Prothetik ist der Beginn eines lebenslangen Prozesses“, sagt Menzel. Seine Arbeit setzt daher Geduld und Empathie voraus. Peter Ilg