UMWELT
Larven fressen Plastik
Larven der Großen Wachsmotte („Honigmaden“) bauen den langlebigen Kunststoff Polyethylen effektiver ab als alle bisher untersuchten Bakterien (DOI: 10.1016/j.cub.2017.02.060). Federica Bertocchini von der University of Cantabria und ihre Kollegen entdeckten dies zufällig, als sie ein paar Larven aus einem befallenen Bienenstock entnahmen und in eine Plastiktüte steckten. Nach kurzer Zeit hatten sich die Tiere durch die Tüte gefressen.
Danach setzten sie die Raupen kontrolliert auf eine Polyethylenfolie. Schon nach 40 Minuten entstanden die ersten Löcher. Hundert Larven vertilgten in zwölf Stunden insgesamt 92 Milligramm. Nach 14 Stunden waren 13 Prozent des Kunststoff verschwunden. Die Analyse ergab: Ein Sekret der Raupe hatte das Polyethylen chemisch gespalten und als Abbauprodukt Ethylenglykol freigesetzt.
Die Forscher vermuten, dass dieses Enzym normalerweise dazu dient, Wachs in einem befallenen Bienenstock aufzulösen. Aber noch wissen sie nicht, ob das Enzym von der Raupe selbst oder ihren Darmbakterien produziert wird. Ließe sich daraus ein biotechnisches Verfahren entwickeln, wäre der Nutzen gewaltig: 40 Prozent aller Plastikprodukte bestehen aus Polyethylen. JAN OLIVER LÖFKEN