Was macht ein Brandermittler?
Ist ein Brand gelöscht, wollen alle Beteiligten schnell die Ursache wissen. Ausgebildete Brandermittler nehmen die Fahndung in Schutt und Asche auf.
Hans-Hermann Drews schlüpft in blütenweiße Schutzkleidung, setzt sich einen Schutzhelm auf, stülpt sich eine Staubschutzmaske über – und wühlt sich durch eine Trümmerwüste, die einst ein Restaurant war.
Der 54-Jährige ist Brandursachenermittler und Geschäftsführer des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer e.V. (IFS) in Kiel. Das IFS arbeitet im Auftrag von Polizei, Staatsanwaltschaft und Versicherungen. „Dort, wo der größte Brandschaden entstanden ist und es wohl am längsten gebrannt hat, ist der Brand vermutlich entstanden“, sagt Drews und bückt sich nach einem Klumpen geschmolzenen Kunststoffs, der einmal eine Zeitschaltuhr war. Die Röntgenuntersuchung im Labor wird sogenannte Schmelzperlen an einer Leitung im Inneren zeigen und so verraten, dass ein Kurzschluss in der Zeitschaltuhr den Restaurant-Brand ausgelöst hat.
„Der Nachweis, ob ein Brand vorsätzlich gelegt wurde, ist für die Aufklärung von großer Bedeutung“, erklärt Drews. Doch Brandbeschleuniger bestehen meist aus leicht flüchtigen Substanzen wie etwa Spiritus, die durch die hohen Temperaturen verdampfen. Oft führt jedoch die sorgfältige Spurensuche mit dem Photoionisationsdetektor, einem Gerät zur Erkennung und der Analyse von chemischen Verbindungen in der Umgebungsluft, zu den richtigen Stellen für eine Probennahme. Später wird die Laboruntersuchung des entnommenen Materials mit dem Gaschromatografen flüchtige Brandbeschleuniger-Komponenten nachweisen.
„Man wird ständig neu herausgefordert und mit neuen naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen konfrontiert“, sagt Drews. „Das macht die Brandermittlungen so spannend und interessant.“
Seine Experten bereitet das IFS in einer einjährigen Ausbildung auf ihren Beruf vor, da es in Deutschland keine reguläre Ausbildung gibt. Den Berufsanwärtern wird, neben theoretischen Kenntnissen über Untersuchungsmethoden, auch Praxiserfahrung vermittelt. Monatelang schauen die Neulinge einem erfahrenen Kollegen über die Schulter und übernehmen dabei zusehends mehr Aufgaben. „Ziel ist es“, so Drews, „den Verlauf des Feuers nachvollziehen zu können und sicher den Brandausbruchsbereich zu ermitteln, also Spuren lesen zu lernen. Auch das Schreiben von Gutachten ist ein wichtiger Ausbildungsinhalt.“ JOSEPH SCHEPPACH