Was macht ein Data Artist?
Data Artists visualisieren Datenströme und gelten als die Künstler unter den Big-Data-Experten.
An welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit gibt es in Konstanz Staus – und wie lässt sich der Verkehr entzerren? Zu welcher Zeit kaufen die meisten Kunden in welchen Geschäften ein – und wie lässt sich die Logistik der Lieferfahrzeuge optimal darauf einstellen?
Millionen Datensätze von Echtzeiterhebungen liefern zwar theoretisch Antworten. Doch diese im Datenwust zu finden, ist nicht einfach.
Erst mit der Hilfe eines Data Artist wie Ralf Walther lassen sich die Erhebungsergebnisse so präsentieren, dass sie jedermann leicht versteht.
Walther ist Geschäftsführer und Gründer der Konstanzer mindUp Web + Intelligence und übt den noch jungen Beruf des Data Artist aus. Seine Aufgabe ist es, aus Big Data gewonnenes Wissen zu visualisieren. Data Artists – auch Data Visualizer genannt – sind IT-Profis mit Künstlerseele. Sie sind grundsätzlich in jedem Bereich einsetzbar, der mit Big Data arbeitet.
Die Spezialisten begnügen sich nicht mit Balkendiagrammen oder Torten. Walthers Arbeit beginnt dort, wo die klassische Infografik aufhört. Im ersten Schritt versucht er, sich in die komplexen Datensätze hineinzudenken, bereinigt sie von statistischen Ausreißern und kombiniert sie miteinander; verknüpft zum Beispiel die Verkehrsdaten eines Wochentags mit Werten, die zu bestimmten Stunden erfasst wurden.
Aus 800 Millionen Verkehrsmessungen entstehen zweidimensionale Histogramme oder Heatmaps, in denen eine Straße stark glüht, wenn sie stark befahren ist. Die Königsdisziplin ist das Storytelling, bei dem die aus den Daten entstandenen Grafiken eine Geschichte erzählen.
Walther hat Neuro-Informatik, KI und Daten-Management an der Uni Bonn studiert und anschließend Lehrgänge in Computervisualistik, Grafikdesign und Präsentationstechniken absolviert. Andere haben in der Regel Data Science, Business Analytics, Big Data oder Statistik studiert, denn eigene Hochschulstudiengänge gibt es noch keine. Auch wenn ein akademischer Abschluss kein Muss für diesen Beruf ist, so erachten viele Arbeitgeber einen Abschluss in einem möglichst IT-nahen Fach für wünschenswert.
Da sich mit Visualisierungen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte richten und so indirekt Entscheidungen beeinflussen lassen, ist Verantwortungsbewusstsein nötig. Joseph Scheppach