Technology Review Special 2020
S. 92
Was hätte passieren sollen

Einsicht und Exzess

Science-Fiction, heißt es oft, verrate mehr über die Gegenwart als über die Zukunft. Wie wahr und wie schmerzhaft das sein kann, zeigen zwei Beispiele: die Zeichentrickserie „Sealab 2020“ von 1972 und die Graphic Novel „2020 Visions“ von 1997/98. Abgesehen davon, dass beide gezeichnet und im Jahr 2020 angesiedelt sind, könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Von Gregor Honsel

Sealab 2020“ ist eine 13-teilige Fernsehserie von William Hanna und Joseph Barbera, bekannt als die Erfinder von „Tom und Jerry“. Die Serie richtet sich mit deutlichem pädagogischen Anspruch an Kinder und Jugendliche. Schon im Trailer schlägt sie einen wuchtigen Ton an: „Dies ist das Jahr Zweitausendundzwanzig. Der Ort ist der Challenger Sea Mount, der Gipfel eines Unterwasservulkans, ein Komplex unter dem Meer. 215 Männer, Frauen und Kinder leben hier – jeder von ihnen ein wissenschaftlicher ­Pionier. Dies ist unsere letzte Grenze, eine feindliche Umgebung, die der Schlüssel für die Zukunft sein kann.“

Na ja, die technikbegeisterten Siebziger eben. Dabei war die Utopie einer Unterwasserstadt damals bereits leckgeschlagen. Die namensgebenden realen „Sealabs“ waren enge Stahl­röhren, mit denen die US Navy untersuchen wollte, ob und wie Menschen dauerhaft am Meeresgrund leben können. Sealab I und II gingen 1964 und 1965 auf eine Tiefe von rund 60 Metern. Die vierköpfige Besatzung lebte in einer Atmosphäre aus Helium, Stickstoff und Sauerstoff unter hohem Druck, sodass sie ohne langwierige Dekompression jederzeit die Röhre verlassen und unter Wasser arbeiten konnte.

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