Was macht ein Kanalarbeiter?
Die Bezeichnung weckt andere Assoziationen, aber Kanalarbeiter steuern teure Hightech-Geräte, um etwa Rohre von innen zu reparieren.
Eine stinkende Brühe quillt aus dem Küchenabfluss. Das Rohr zum Abwasserkanal ist komplett verstopft. Eine klassische Aufgabe für einen Kanalarbeiter. „Viele rümpfen die Nase, wenn sie hören, welchem Beruf ich nachgehe“, sagt Diplom-Ökonom Hermann Spitzenberg, Geschäftsführer der tkm-Service GmbH in Fuldatal. Doch Kanalarbeiter ist ein sehr technischer Beruf, bei dem teure Hightech-Geräte und komplexe Maschinen eingesetzt werden.
Das zeigt sich auch bei dem Küchenabfluss, als sich Experten an die Rohrreinigung machen, deren Beruf formal „Fachkraft für Rohr, Kanal- und Industrieservice“ heißt, kurz RKI-Fachkraft.
Denn mit herkömmlichen Geräten wie der sogenannten Kettenschleuder – eine Fahrradkette an einer Rotationsdüse – kommt Spitzenberg nicht weiter. Die Kettenschleuder sollte die Rohrwandung entlangschleifen und alles Vorstehende abschlagen, doch das Werkzeug bleibt stecken. Das Rohr ist durchgebrochen und marode.
Doch anstatt alte Rohre komplett zu erneuern, werden sie heute von innen repariert.
„Das machen wir von Schächten oder Revisionsöffnungen aus – ohne selbst in den Kanal zu steigen“, erklärt Spitzenberg.
Mit einem Joystick steuert er den beweglichen Fräskopf des Roboters über eine integrierte Kamera. Wie eine Tunnelbohrmaschine dreht sich der Kopf mit bis zu 3000 Umdrehungen pro Minute. Die diamantbesetzten Zähne glätten die Rohrinnenwand für die anschließende Kanalsanierung. Dabei wird ein Textilschlauch in das Rohr eingefädelt und mit Luftdruck an die Kanalwand gepresst. Das Glasfasergewebe des Schlauchs ist mit Kunstharz getränkt, der unter UV-Licht schnell aushärtet und so Löcher und Risse des alten Rohrs verschließt.
Ob selbstfahrende Inspektionskameras, die ein ganzes Entwässerungsnetz in 3D abbilden können, oder Hochdruck-Spül- und Saugfahrzeuge mit Wasserrückgewinnung – das Equipment ist teuer: Ein Roboterfahrzeug kann bis zu einer halben Million Euro kosten.
Bevor Spitzenberg solche Hightech-Geräte bedienen durfte, musste er eine dreijährige duale Ausbildung absolvieren. Danach können RKI-Experten unter vielen offenen Stellen wählen.
Die Azubis lernen die technischen Abläufe von Rohr- und Kanalreinigung, Kanalinspektion und Sanierung kennen, das Equipment zu warten und Rohrsysteme instand zu setzen. Auch Umweltschutz steht auf dem Lehrplan. Abwässer und Rückstände sollen umweltschonend entsorgt werden, und dafür muss man über wichtige Euro- und DIN-Normen Bescheid wissen. Joseph Scheppach