MIT Technology Review 4/2020
S. 28
Horizonte
Psychologie
Illustrationen: Leandro Alzate

Die Vermessung des Glücks

Ob mit Stimmungs-Trackern, über die Erfassung von Hirnwellen oder mithilfe von Big-Data-Psychologie: Privatleute, Unternehmen und Wissenschaftler versuchen das Glück zu messen und zu optimieren. Wie verändert das unser Leben?

Von Christian Wolf

Glück ist für den US-Amerikaner Hugo Huyer ein Datensatz. Der Coach für psychische Gesundheit erfasst seit sechs Jahren ­jeden Tag sein Wohlbefinden. Am Ende eines Tages zieht er Bilanz und gibt auf einer Skala von 1 bis 10 an, wie glücklich er war. Mithilfe eines Templates berechnet er Trends und Statistiken seiner Stimmung. Huyers Credo: „Was sich messen lässt, kann man auch managen“. Auf seiner Homepage trackinghappiness.com berichtet er von seinen Erfahrungen und ermutigt an­dere, es ihm gleichzutun.

Haben wir zunächst unsere Schritte mit Fitnessarmbändern vermessen und per App jede Kalorie gezählt, erreicht der Trend zur Optimierung nun unsere ­Innenwelt. Glück, eigentlich ein subjektives Gefühl, entwickelt sich zur objek­tiven Zahl, die es zu steigern gilt. Damit einher geht ein Trend in der Wissenschaft: Forscher durchforsten große Datenberge auf der Suche nach Markern von Glück – oder besser gesagt: von subjektivem Wohlbefinden. Denn für Forscher ist das große Gefühl Glück ein allzu schillerndes Konzept. „Subjektives Wohlbefin­den“ ist da leichter greifbar und umfasst einerseits eine emotionale Komponente, die positiven und negativen Gefühle und Stimmungen. Andererseits die kognitive Bewertung des eigenen Lebens, die Lebenszufriedenheit.

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