Was macht eigentlich ein Containment Scout?
Er macht Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig, um weitere Infektionen zu verhindern.
Mit ruhiger, routinierter Stimme meldet sich der junge Mann: „Mein Name ist Yannic Berger vom Gesundheitsamt Berlin-Lichtenberg. Sie wissen wahrscheinlich, warum ich anrufe?“
Die Frau am Telefon ist nicht überrascht. Sie weiß, dass sie im Verdacht steht, sich mit Covid-19 angesteckt zu haben. Aber an wen hat sie das Virus vielleicht schon weitergegeben?
Das herauszufinden, ist der Job von Yannic Berger. Der 26-Jährige ist Containment Scout oder Contact Tracer, wie es im Fachjargon heißt. Er soll alle Menschen ausfindig machen, zu denen die Infizierte Kontakt hatte.
Berger studiert Medizin im siebten Semester. Vor Kurzem hat er sich auf eine Stellenausschreibung des Bundesverwaltungsamts (BVA) beworben. Die Ausschreibung richtete sich vor allem an „Studierende, die bereit sind, ein Urlaubssemester einzulegen. Der Arbeitseinsatz erfolgt in einer Landesstelle Ihrer Wahl sowie in den zugehörigen lokalen Gesundheitsämtern“, hieß es darin. Erwartet werden Flexibilität, Belastbarkeit und Stresstoleranz sowie PC-Kenntnisse.
„Ich wollte während der Pandemie etwas Sinnvolles tun“, so Berger. Nach einem Bewerbungsgespräch konnte er eine der 525 Vollzeitstellen antreten, die mit monatlich 2325 Euro brutto vergütet werden und auf sechs Monate befristet sind. Für die neu geschaffenen Contact-Tracing-Teams (CTT) hat die Akademie für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (AGL) eine eintägige Online-Schulung konzipiert. Darin wird vor allem Wissen über Covid-19 und Gesprächsführung vermittelt.
In der Corona-Taskforce Berlin-Lichtenberg stellt Berger eine Frage nach der anderen: „Haben Sie Beschwerden?“ „Leben Sie allein?“ Er erkundigt sich auch nach möglichen Risikofaktoren und fragt nach den Namen, Adressen und Telefonnummern von Menschen, die mit der Frau seit der vermuteten Infektion noch engen Kontakt hatten. Anhand des Gesprächsprotokolls entscheidet ein Amtsarzt, ob die Frau in Quarantäne muss und von ihr ein Abstrich genommen wird. Auch während der Quarantäne ruft Berger immer wieder an: Haben Sie Husten? Fieber? Kam jemand zu Besuch? Schwierig sei die Suche nach Kontaktpersonen, wenn den Leuten in der Erinnerung allerhand durcheinandergerate. „Das ist oft echte Detektivarbeit“, so Berger. Joseph Scheppach