MIT Technology Review 2/2023
S. 74
Report
Pharmakologie

Die stille Pandemie

Im globalen Kampf gegen resistente Bakterien versiegt der Antibiotika-Nachschub. Nötig sind alternative Wirkstoffe und neue Strategien gegen die Bildung von Resistenzen.

Veronika Szentpétery-Kessler

Mathias Pletz sieht viele der nach Deutschland eingeflogenen verwundeten Soldaten aus der Ukraine – und er ist besorgt. Der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena sorgt sich nicht nur um seine verletzten Patienten, sondern auch um das, was sie aus dem Krieg mitbringen: gegen nahezu alle Antibiotika resistente Bakterien. Die Behandlung seiner Patienten werde damit zur „therapeutischen Herausforderung“, sagt er.

Die Verletzten in Pletz’ Klinikum werfen allerdings nur ein besonders dramatisches Schlaglicht auf ein Problem, das die Medizin seit Jahren beschäftigt. „Antimikrobielle Resistenz mag nicht so dringend erscheinen wie eine Pandemie, aber sie ist genauso gefährlich“, mahnte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), zuletzt im November und nannte sie „eine der größten Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit.“ Das Perfide an dieser „stillen Pandemie“, wie die WHO Antibiotikaresistenzen seit 2021 nennt, ist, dass sie so schwer zu erfassen und zu quantifizieren ist. Denn auf den Totenscheinen der Menschen, die ihnen erliegen, steht nicht Antibiotikaresistenz als Todesursache. Sie gehen wegen diverser Erkrankungen ins Krankenhaus – für eine geplante Operation, nach einem Unfall oder wegen irgendeiner anderen Erkrankung. Im Krankenhaus erst kommen sie mit den resistenten Keimen in Kontakt. Besonders groß ist das Risiko für Ältere und Immungeschwächte wie Krebspatienten.

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