Wissenschaftliche Publikationen
Mehr Transparenz für den Forschungs-TÜV
Forschende und auch Journalistinnen und Journalisten durchforsten bei Recherchen oft Studien, die von unabhängigen Fachleuten im sogenannten Peer-Review-Prozess begutachtet worden sind. Der Prozess gilt als Qualitätsbeweis, als eine Art TÜV-Siegel für wissenschaftliche Publikationen. Doch wie unabhängig sind die Gutachtenden wirklich? Das ist für Außenstehende kaum nachzuvollziehen. Während die Autorinnen und Autoren eines Artikels mögliche Interessenkonflikte in vielen Fachblättern transparent machen müssen, gilt dies nicht für jene Menschen, die sie prüfen.
Viele Gutachtende bleiben zudem anonym, was die Basis des üblichen Single-Blind-Peer-Review ist. Die Anonymität ist einerseits sinnvoll, da Kritik dann leichter fällt. Der Transparenz dient sie natürlich nicht. Dabei ist laut Studien nicht auszuschließen, dass etwa die persönliche Haltung von Gutachtenden zum Thema einen Einfluss hat, deren Nationalität, Geschlecht oder persönliche Verbindungen zu den Forschenden oder Verlagen. Auch finanzielle Verschlingungen sind möglich, wie kürzlich in einer Studie zu führenden medizinischen Journalen zu lesen war (go.t3n.de/nxy). Danach erhielten in den USA fast 60 Prozent von 1962 untersuchten Gutachtenden innerhalb von drei Jahren mindestens einmal eine Zahlung aus der Pharma- und Medizintechnikindustrie – insgesamt gut eine Milliarde US-Dollar. Das ist beachtlich – wenn auch kein Beweis, dass die Gelder den Peer-Review-Prozess tatsächlich beeinflusst haben. Dafür seien weitere Untersuchungen nötig, heißt es.