Der Zwilling meines Herzens
Digitale Zwillinge menschlicher Organe werden die medizinische Behandlung verändern. Die Modelle können zur Planung von Operationen und in Zukunft auch zur Erprobung neuer Medikamente eingesetzt werden.
Ein gesundes Herz schlägt gleichmäßig etwa 60 bis 100 Mal pro Minute. Das ist nicht bei jedem von uns der Fall, wird mir bewusst, als ich in einen Karton mit etwa 20 Plastikherzen schaue – jedes davon das Abbild eines echten menschlichen Herzens. Diese Herzen standen zuvor in einem Labor in West-London auf einem Regal und sind aus MRT- und CT-Scans von Menschen entstanden, die das benachbarte Hammersmith Hospital wegen Herzerkrankungen behandelt hat. Steven Niederer, Biomedizintechniker am Alan Turing Institute und am Imperial College London, hat sie in seinem Büro auf einem 3D-Drucker erstellt.
Eines aus rotem recyceltem Kunststoff sieht so aus, wie ich mir ein Herz vorstelle. Es passt geradeso in meine Hand und die Kammern haben die gleichen Abmessungen wie die in einem Lehrbuch. Vielleicht hilft es, dass es rot ist. Die anderen wirken riesig. Eines aus schwarzem Kunststoff scheint mehr als doppelt so groß zu sein wie das rote. Wie ich später erfahre, litt die Person, nach deren Herz es modelliert wurde, an Herzinsuffizienz.