Der Anwalt, mit dem alles begann
Der US-Anwalt Robert Bilott lüftete den weltweit ersten Umweltskandal durch die Fluorchemikalien PFAS. Er initiierte eine Gesundheitsstudie, brachte die Umweltbehörden auf Trab und rang der Industrie Milliardenzahlungen ab. 2017 erhielt er den Alternativen Nobelpreis.
Dunkler Blazer, weißes Hemd, Kurzhaarschnitt: Rein optisch kommt „der schlimmste Albtraum von DuPont“ – Zitat der New York Times – eher brav daher. Im Videotelefonat wirkt Robert Bilott zudem ausgesprochen freundlich. Und tatsächlich war der Anwalt der Kanzlei Taft in Cincinnati einst auch der Chemieindustrie wohlgesonnen, denn er beriet sie viele Jahre lang zu Chemikalienvorschriften und zum Umweltrecht. Bis er im Oktober 1998 einen wütenden Rinderzüchter am Apparat hatte.
Der Anrufer war Wilbur Tennant, ein Bekannter von Bilotts Großmutter. Er lebte bei Parkersburg, West Virginia, wo DuPont eine Teflon-Fabrik betrieb. Sein Bruder hatte dem Chemiekonzern ein Stück Weideland verkauft, auf dem angeblich harmloser Müll deponiert werden sollte. Doch im Bach, der beide Grundstücke durchzog, entdeckte Tennant weißen Schaum. Einige Jahre später verhielten sich seine Kühe, die aus dem Gewässer tranken, ungewöhnlich aggressiv. Sie wurden immer dünner, ihre Augen färbten sich bläulich, die Zähne wurden schwarz. Blut tropfte aus ihren Nasen und aus den Mäulern schäumte es. Als Bilott das Elend auf Videos und Fotos sah, waren schon mehr als 150 Kühe verendet. Weder DuPont noch die Tierärztinnen und Tierärzte hatten auf die beunruhigenden Berichte reagiert. Nach einem Besuch auf der Farm entschied der Anwalt, den Fall zu übernehmen. „Es fühlte sich einfach richtig an, ich fühlte mich mit den Menschen dort verbunden“, sagt er.