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Kurztest: Olympus M.Zuiko Digital 300 mm f/4.0 56 Kommentare

Sophia Zimmermann

Objektiv extrem: Das M.Zuiko Digital ED 300mm 1:4.0 IS PRO macht die spiegellosen Systemkameras der Micro-Four-Thirds-Familie zu echten Telemonstern. Wir haben ausprobiert, ob die lange Brennweite auch noch gute Bildergebnisse erlaubt.

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Ganz Entferntes, ganz nah heranholen – brillant, prĂ€zise, klar: Davon trĂ€umen viele Fotografen, die gerade auf Safari durch ferne LĂ€nder oder in heimischen Gefilden unterwegs sind. Die Telefestbrennweite M.Zuiko Digital ED 300mm 1:4.0 IS PRO verspricht genau das. DafĂŒr können Fotografen mit einem Bildwinkel von Ă€ußerst spitzen vier Grad arbeiten. Diesen Winkel bildet beispielsweise auch das Nikon-Vollformatobjektiv AF-S NIKKOR 600 mm 1:4E FL ED VR ab. Das wiegt dabei fast vier Kilogramm und kommt auf eine LĂ€nge von gut 40 Zentimetern.

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Das Olympus-Objektiv bleibt dagegen vergleichsweise kompakt. Es bringt “nur” etwa 1,5 Kilogramm auf die Waage und erreicht dabei eine LĂ€nge von etwa 30 Zentimetern. An einer spiegellosen Micro-Four-Thirds-Kamera wie der Olympus OM-D E-M5 II wirkt das dennoch mehr als wuchtig. Das Team ist gerade noch gut aus der Hand benutzbar, wenn man es direkt am Objektiv packt. Verschlusszeiten schneller als etwa 1/100 Sekunden hĂ€lt man dabei mehr als locker. LĂ€ngere Verschlusszeiten sind ebenso drin, hĂ€ngen aber vom Können des Fotografen ab.

Kurztest: Olympus M.Zuiko Digitale 300 mm f/4.0

Mit ausgezogener Gegenlichtblende wirkt das Zuiko noch einmal wuchtiger. Die OM-D E-M5 Mark II verschwindet hinter der Telefestbrennweite. Gut, dass die eine integrierte Stativschelle besitzt. Dem Bajonett möchte man die 1,5 Kilogramm ungern dauerhaft zumuten.

Olympus gibt selbstbewusst an, mit der Stabilisierung eine bis zu sechs Blendenstufen lĂ€ngere Belichtungszeit ermöglichen zu können. Geht man davon aus, dass man bei einem 1/600 s startet, mĂŒsste man noch etwa 1/10 s in der Hand halten können. Das hĂ€ngt in der Tat stark von den Fertigkeiten des Fotografen ab. Außerdem funktioniert das 6-EV-Stabilisierungs-System nicht mit jeder Kamera – bisher werden nur OM-D E-M1, OM-D E-M5 Mark II und Pen F unterstĂŒtzt. Nur bei diesen Modellen arbeitet der optische Stabilisator des Zuiko optimal mit dem 5-Achsen-Stabi in der Kamera zusammen.

Fest steht jedoch: Ein Stativ kann bei guten Lichtbedingungen getrost zuhause bleiben. Braucht man es doch, kann man das Zuiko dort direkt mithilfe der integrierten Stativschelle befestigen. Insgesamt wirkt die Verarbeitung des staub- und spritzwassergeschĂŒtzten Objektivs Ă€ußerst hochwertig, sodass der Tubus ein echter Handschmeichler ist.

Kurztest: Olympus M.Zuiko Digitale 300 mm f/4.0

Praktisch und flott: Über den Objektivtubus steuern Fotografen den Bildstabilisator, begrenzen den Fokusabstand oder wĂ€hlen zwischen Autofokus und manueller Scharfstellung.

Auch, wenn sich das Objektiv sehr flott anfĂŒhlt, beim Verfolgen sich bewegender Objekte kam der Autofokus im Zusammenspiel mit unserer Testkamera OM-D E-M5 Mark II schnell an seine Grenzen und zeigte das typische Hin-und-Her-Wandern des Kontrastautofokus'. Gut, dass Olympus einen Fokusbegrenzer integriert hat, der dem Autofokus die Arbeit zumindest etwas erleichtert. So können Fotografen zwischen 1,4 bis 4 Meter, 1,4 Meter bis unendlich und vier Meter bis unendlich wĂ€hlen. Auch der Bildstabilisator bekommt auf dem Tubus einen eigenen On-/Off-Schalter.

Wieder integriert Olympus außerdem eine L-Fn-Taste. Diese lĂ€sst sich mit mehr als 20 Funktionen programmieren – abhĂ€ngig von der Kamera. Besonders schnell können Fotografen außerdem zwischen Autofokus und manueller Scharfstellung wechseln. Dazu mĂŒssen sie nur den Fokusring des Objektivs zurĂŒckziehen, der dann eine Entfernungsskala freigibt. Und noch mit einer weiteren praktischen Eigenheit wartet das Objektiv auf: die Gegenlichtblende ist integriert. Sie kann also nicht verloren gehen.

Seine beste Leistung zeigte das 300er in unserem Test bei f/5.6, dann reizte es zentral die Sensorauflösung unserer Testkamera OM-D E-M5 Mark II [6] fast vollstĂ€ndig aus. Ab f/8.0 nimmt die Leistung wieder ganz leicht ab. Wie unsere Messergebnisse zeigen mĂŒssen Fotografen dabei nicht mit einem Auflösungsabfall zu den RĂ€ndern hin leben. Das Zuiko arbeitet gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber den gesamten Bildbereich.

Olympus M.Zuiko Digital 300 mm f/4.0: Beispielbilder (0 Bilder) [7]

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Auch bei den verschiedenen Fokusbereichen zeigt es sich sehr konstant – mit leichtem Abfall in Richtung unendlich. GrundsĂ€tzlich wirkten unsere Testaufnahmen sehr plastisch, was dem hohen Mikro-Kontrast zu verdanken ist, der schon bei Offenblende sitzt. Das harmonische Bokeh mit herrlich runden UnschĂ€rfekreisen tut sein ĂŒbriges dazu. Mit Bildfehlern wie FarbsĂ€umen oder Randabschattung kĂ€mpfte unser Testobjektiv ebenfalls bei keiner Blendenstufe.

Das 300er Zuiko hinterlĂ€sst einen tadellosen ersten Eindruck. Die BildqualitĂ€t weiß zu beeindrucken, die Verarbeitung stimmt. Da man diese irrsinnige Brennweite locker in der Hand hĂ€lt, macht sie in der Praxis richtig Spaß. Ein Wermutstropfen allerdings bleibt: Mit 2600 Euro gehört es zu den teuersten Objektiven im Micro-Four-Thirds-System. In seiner Klasse der Tele-Festbrennweiten gehört es allerdings nicht zu den Preis-Spitzenreitern. Das Nikon-Vollformatobjektiv AF-S NIKKOR 600 mm 1:4E FL ED VR kostet aktuell etwa 13.000 Euro und auch Canons 600er mit Anfangsblende f/4.0 liegt derzeit bei deutlich ĂŒber 8000 Euro. Hingegen ein von der Konstruktion her vergleichbares Nikon AF-S Nikkor 300 mm 1:4E PF ED VR ist schon fĂŒr knapp unter 2000 Euro zu haben. [9]

Olympus M.Zuiko 300 mm f/4.0 Pro Nikon AF-S NIKKOR 600 mm 1:4E FL ED VR
Bajonett Micro-Four-Thirds (Four-Thirds) Nikon-F (Vollformat)
Brennweite (KB) 300 mm (600 mm KB-Ă€quiv.) 600 mm
Blendenbereich/ Blendenlamellen f/4.0 bis f/22/ 9 f/4.0 bis f/22/ 9
Naheinstellgrenze 1,4 Meter 4,4 Meter
LĂ€nge/ Gewicht 280 mm Gegenlichtblende ausgezogen/ 1475 g mit Stativadapter 432 mm (ohne Gegenlichtblende)/ 3810 g
Preis (Straße) 2600 Euro 13.000 Euro

(ssi [10])


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