Mercedes T-Klasse im Fahrbericht: Mehr als nur pragmatisch?
(Bild: Mercedes)
Eine LĂŒcke fĂŒr die T-Klasse zu finden, wird nicht einfach. Mercedes unternimmt den nĂ€chsten Anlauf, den Pragmatiker nobler zu verpacken. Eine erste Ausfahrt.
In einer Hinsicht braucht Mercedes keinerlei Bedenken haben: Konkurrenz hat die neue T-Klasse reichlich. VW Caddy, Renault Kangoo und intern der Citan sind nur einige etablierte Vertreter in diesem Segment. Die Strategen bei Mercedes sind sich dessen natĂŒrlich bewusst und versuchen es mit einer Flucht nach oben. Zielgruppe sind nun Interessenten, die dem Thema Auto pragmatisch gegenĂŒberstehen, gleichzeitig aber Wert darauf legen, einen Mercedes zu fahren. Wie groĂ diese KĂ€uferschaft tatsĂ€chlich ist, wird sich zeigen. Eine erste Ausfahrt mit der T-Klasse offenbart, so viel sei schon verraten, keine QualitĂ€ten, die es nicht auch andernorts zu kaufen gĂ€be.
Preissensible KĂ€uferschaft
WĂŒrden Auto-Kaufentscheidungen nach streng pragmatischen Gesichtspunkten fallen, Hochdachkombis wie die T-Klasse wĂ€ren vermutlich Bestseller. Die Wirklichkeit sieht grundlegend anders aus. In erster Linie greifen Handwerksbetriebe zu, als Familientransporter sind diese Autos kaum gefragt. In beiden FĂ€llen ist die KĂ€uferschaft preissensibel. Die vergleichsweise teure T-Klasse wird sich also nicht ganz leichttun, eine ausreichend groĂe Zahl an Kunden einzusammeln.
Reichlich Platz
Mercedes bietet zwei KarosserielĂ€ngen an, und schon die kurze Variante mit 4,5 m GesamtlĂ€nge bietet reichlich Raum. Im kommenden Jahr folgt die XL-Version, die nochmals 40 cm lĂ€nger ist. Mercedes nennt fĂŒr den Kofferraum der von uns gefahrenen, kurzen Variante 520 bis 2390 Liter. Die Ladekante ist nur 56 cm hoch. Auf der RĂŒckbank haben drei Kindersitze Platz, die Isofix-Haken sind vorbildlich einfach zu erreichen.
GewĂŒnscht hĂ€tten wir uns noch eine horizontale Verstellmöglichkeit, die sich Mercedes erstaunlicherweise gespart hat. Verwunderlich erscheint auch, dass es zwar einen stabilen Handy-Halter in der NĂ€he der A-SĂ€ule gibt und Mercedes auch eine induktive Lademöglichkeit anbietet, doch niemand daran gedacht hat, beides miteinander zu kombinieren. "Gedankenlos" wĂ€re dafĂŒr eine euphemistische Beschreibung.
Automatik nur im stÀrkeren Benziner
Keine groĂe Auswahl gibt es derzeit bei den Motoren. Mercedes bietet zum Start je zwei Benziner und Dieselmotoren an. Wir waren mit dem stĂ€rkeren Benziner unterwegs, der mit 96 kW und 240 Nm fĂŒr fast alle Belange des Alltags mehr als nur ausreichend gewappnet scheint. Da das Fahrzeugformat ohnehin nicht dazu einlĂ€dt, möglichst dynamisch sein Ziel zu erreichen, wĂŒrden wir die kleinere Maschine mit 75 kW empfehlen. Leider lĂ€sst sie sich nicht mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kombinieren, und das ist ausgesprochen schade, denn mit dem 96-kW-Benziner harmoniert es ganz ausgezeichnet.
Mercedes T-Klasse (0 Bilder) [1]
WĂŒnschen wĂŒrden wir uns eine noch etwas bessere DĂ€mmung, denn der 1,3-Liter-Vierzylinder wird gerade unter Last brummig. In den Modellen auf Plattform der A-Klasse, wo diese Motorenbasis seit Jahren verbaut wird, ist er hörbar wirkungsvoller gekapselt. Den Verbrauch gibt Mercedes fĂŒr den T 180 mit DKG im WLTP mit 6,6 Litern an.
Teuer, karg ausgestattet
Die eingangs beschriebene Flucht nach oben wird vor allem in der Preisliste deutlich. Schon das Basismodell kostet 29.314 Euro, inklusive Kunststoff-Lenkrad und Halogen-Scheinwerfern. Die Möglichkeiten, die T-Klasse aufzurĂŒsten, sind vielfĂ€ltig, aber teuer. Eine gute Idee ist die Dachreling mit integriertem GrundtrĂ€ger und die Chance, das Auto ab Werk auch mit Ganzjahresreifen ordern zu können. Empfehlen wĂŒrden wir die Einparkhilfe hinten, die RĂŒckfahrkamera erleichtert mit ihrem scharfen Bild das Rangieren ebenfalls erheblich.
Ăberlegenswert ist auch die Option, statt der riesigen Heckklappe zwei TĂŒren als Zugang zum Kofferraum zu nehmen â Mercedes verlangt dafĂŒr noch nicht einmal Aufpreis. Das gilt auch fĂŒr ein paar Assistenten. So sind unter anderem ein Seitenwind- und ein aktiver Spurhalte-Helfer ohne Aufpreis inklusive. Letzterer erledigt seinen Job ĂŒberzeugender als zuletzt in vielen Testwagen erlebt.
Mit ein paar Extras ĂŒberspringt die T-Klasse mit dem stĂ€rkeren Benziner und Doppelkupplungsgetriebe rasch die Marke von 35.000 Euro. Zum Start gibt es allerdings ein recht umfangreich ausgestattetes Sondermodell fĂŒr 32.487 Euro. Ein SchnĂ€ppchen ist das nur innerhalb der T-Klasse-Preisliste, dort allerdings ein herausragendes. Denn die "Editions"-Variante ist erstaunlich umfangreich ausgestattet.
(mfz [3])
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