OneStep+, so heiĂt das jĂŒngste Mitglied der Sofortkamerafamilie von Polaroid. Optisch kann es seine Familienzugehörigkeit nicht verstecken und auch die Aufnahme funktioniert wie immer: Motiv im Sucher einstellen, Auslöser drĂŒcken. Vorn kommt dann ein Bildchen raus, das einige Minuten braucht, bis es fertig entwickelt und zu erkennen ist. Und wenn der Fotograf GlĂŒck hat, sieht es auch so Ă€hnlich aus, wie er sich das vorgestellt hat.
c't Fotografie 1/2019
Nikon Z6 vs. Sony A7 III * Fujifilm X-T3 vs. Sony A6500 * Teuer oder gĂŒnstig: Zoomobjektive im Laborcheck
Doch die OneStep+ besitzt einige Extras, schlieĂlich hĂ€ngt da ein Plus am Namen. Sie verbindet sich per Bluetooth mit einer Smartphone-App. DarĂŒber lĂ€sst sich die Kamera nicht nur steuern, es stehen auch erweiterte Fotomodi, wie Doppelbelichtung oder Light-Painting, zur VerfĂŒgung. AuĂerdem fotografiert die App Fotos ab, speichert sie, lĂ€dt sie in die Cloud und steht dem Fotografen mit vielen RatschlĂ€gen in Magazin- und Videoform zur Seite.
Die Kamera hat wie bereits ihre VorgĂ€ngerin, die OneStep2, einen integrierten Akku, der sich via Micro-USB-Kabel laden lĂ€sst. Beide benötigen im Gegensatz zu allen Ă€lteren Polaroid-Sofortbildkameras keine Filmkassetten mit integrierten Batterien. Das macht nicht nur die Filme etwas gĂŒnstiger, sondern schont auch die Umwelt, sofern man das bei den Chemiebildchen behaupten kann. Oben auf der Kamera ist eine LED-Anzeige mit acht Punkten, jeder Punkt steht fĂŒr ein Bild in der Kassette. Damit hat der Fotograf immer vor Augen, wie viele Bilder er noch aufnehmen kann.
Auch diese beiden Modi sind neu. Einige Fujifilm Instax-Kameras bieten sie schon lĂ€nger an, Polaroid zieht jetzt nach. NatĂŒrlich muss man zugutehalten, dass Fujifilm einige Jahre Vorsprung hat. Die zwei Polaroid-Insolvenzen, der Wiederaufbau der Firma und die Neuentwicklung der Filme haben Ressourcen gebunden, die Fujifilm fĂŒr Innovationen nutzen konnte.
Bei Double Exposure handelt es sich tatsÀchlich um zwei Belichtungen auf einem Bild. Wer mehr möchte, muss manuell fotografieren. In der App löst der Fotograf einmal aus, sucht dann das zweite Motiv und löst nochmal aus. Fertig.
Lightpainting arbeitet ĂŒber Bulb. Der Fotograf löst aus, die Kamera belichtet, der Fotograf drĂŒckt den Auslöser in der App erneut und die Aufnahme ist beendet. Das Foto wird ausgeworfen. Was zwischen den beiden Auslösungen geschieht, ist der KreativitĂ€t des Einzelnen ĂŒberlassen. Lightpainting-Equipment kann man kaufen oder auch selbst bauen. Auch hier sind Ideen gefragt. Alle, denen selbst nichts einfĂ€llt, können ĂŒber einen digitalen Button in der App die Taschenlampe des Smartphones aktivieren. Zumindest fĂŒr erste Versuche ist sie eine gute Variante.
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[10]Remote â die sechs Arten, eine Kamera auszulösen
Sechs Modi bietet die OneStep+ um auszulösen.
Die App zur OneStep+ bietet insgesamt sechs Möglichkeiten an, mit denen der Fotograf Bilder aufnehmen kann. Dazu gehört eine einfache Fernauslösung per Knopfdruck auf dem Touchscreen, genauso auch eine per Zeitverzögerung, die sogar zwischen null und zwölf Sekunden einstellbar ist. Ein Noise Trigger startet die Aufnahme durch ein lautes GerÀusch. Das funktioniert, kann aber verzögert geschehen. Beispielsweise bei Sprungfotos ist dann statt des Sprungs die Landung auf dem Bild zu sehen.
ZusĂ€tzlich bietet die Kamera neue Funktionen, die bisher nicht oder nur mit kleinen Tricks möglich waren. Dazu zĂ€hlt der manuelle Modus, bei dem Fotografen ihre Kamera innerhalb der möglichen Parameter selbst einstellen. Belichtungszeiten von 30 Sekunden bis 1/125 Sekunde stehen zur Wahl, dazu Bulb. Die OneStep+ erlaubt sechs Blendenabstufungen zwischen f/12 und f/64. Der Blitz kann hier sogar deaktiviert werden und der Fotograf legt fest, ob das Bild nach der Aufnahme ausgeworfen wird oder ob er beliebig oft mehrfach belichten will. Eine Anzeige am oberen Rand des Einstellfeldes in der App zeigt, ob nach Belichtungsmessung der Kamera die Aufnahme richtig, ĂŒber- oder unterbelichtet ist.
[11]Bilder digitalisieren, Galerie und Inspiration
In der App will Polaroid die Fotografen auch inspirieren - mit Beitragen, Videos und Beispielbildern.
Nein, die OneStep+ ist keine Hybridkamera â die Fotos kommen trotzdem per "Scanner"-Funktion digital aufs Smartphone. Die App nutzt die Kamera des Phones, was Ă€hnlich funktioniert wie ein QR-Code-Reader. Die Software erkennt den Rahmen des Polaroids, entzerrt das Bild und schneidet die Aufnahme zurecht. Probleme gibt es vor allem durch die Rundungen des physischen Bildes, wenn es nicht plan aufliegt. Etwas nachbessern kann der Nutzer durch ein Zuschneidetool und eines um Verzerrungen horizontal und vertikal zu korrigieren. Werden die digitalisierten Fotos in der App abgespeichert, landen sie unter My Photos. Wer will, legt sie an anderen Speicherorten oder in der Cloud ab.
Eine nette Idee von Polaroid ist der Reiter Inspiration. Dort zeigen KĂŒnstler, Musiker und Fotografen, was sie mit Polaroids so aufnehmen und wie sie sie nutzen. Es sind Videos, MagazinbeitrĂ€ge, Beispielbilder zu finden â auch zu den einzelnen Fotomodi. Dazu gibt es Tipps zur Nutzung und Pflege der Kameras.
Die OneStep+ setzt auf grundsĂ€tzlich BewĂ€hrtes und erfindet die Sofortbildfotografie nicht neu. FĂŒr Polaroid Originals ist die App-Steuerung revolutionĂ€r, sonst aber schon gĂ€ngige Praxis. Die App wird wie ĂŒblich ĂŒber den App- oder Play-Store installiert, ist gut zu bedienen, selbsterklĂ€rend und nett anzuschauen. Knallige Farben, flippige Bilder und ein stylisches Layout sprechen eindeutig eine jugendliche Zielgruppe an. Mit einem Preis von 160 Euro ist die Kamera ein gutes Geschenk oder auch mal vom Taschengeld finanzierbar. Was ins Geld geht, sind die Filme fĂŒr 16 Euro pro Packung Ă acht Aufnahmen, also zwei Euro pro Bild. Da ĂŒberlegt man sich schon, ob man abdrĂŒckt.
Die OneStep+ erweitert das Repertoire der Polaroidkameras um Lightpainting (1), Doppelbelichtung (2 u. 4) und eine PortrÀteinstellung (3).
Was bleibt, ist der SpaĂ, den es macht, die Bildchen aufzunehmen und dabei zuzusehen, wie sie sich entwickeln. Es ist immer wieder eine kleine Ăberraschung, denn keine Aufnahme ist wie die andere. Nie ist ein Foto so, wie man es sich vorstellt. Das macht eben der Reiz von Sofortbildern aus, der den Hype am Laufen hĂ€lt und Bildern wieder Bedeutung beimisst. Sie sind nicht als Massenware digital ohne nachzudenken aufgenommen, sondern man investiert etwas, so begrĂŒndet Polaroid-CEO Oskar Smolokowski die Faszination der kleinen Bildchen im weiĂen Rahmen. Und wirklich: Wir hatten viel SpaĂ bei unserem kleinen Fotoshooting fĂŒr diesen Test. Die OneStep+ gibt dazu mehr Raum und ist ein gutes Werkzeug fĂŒr Enthusiasten, Experimentierfreudige und Kreative.