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Test: Sofortbildkameras von Kodak, Polaroid und Leica 56 Kommentare

Christine Bruns
Test: Sofortbildkameras von Kodak, Polaroid und Leica im

Auferstanden von den Halbtoten feiern Sofortbildkameras in jüngster Zeit ein erfolgreiches Comeback, das außer Polaroid auch Kodak und Leica auf den Plan ruft.

Ein Lifestyle-Trend wird wiederbelebt: die Analog-Fotografie. Besonders beliebt sind dabei Sofortbildkameras, die Fotografiertes direkt auf Papier ausdrucken. Gerade junge Fotografen, die mit Digitaltechnik aufgewachsen sind, wollen die kleinen Fotos zum „sofort verschenken“ oder „sofort an die Wand pinnen“.

c't Fotografie 1/26

Als Polaroid 2007 die Produktion der Sofortbildprodukte einstellte, schienen die kleinen, meist eher kreativen als fotografisch perfekten Bildchen Geschichte zu sein. Doch die Firma Impossible kaufte die Produktionsanlagen in den Niederlanden auf und entwickelte neue Filme und Kameras. Sie brachten den alten Trend wieder auf den Markt. Und er wächst: Allein Fujifilm verkaufte 2016 um die 6,6 Millionen Instax-Sofortbildkameras.

Die neuen Sofortbildgeräte sind ein beliebtes Mitbringsel auf Partys oder Ausflügen. Und ja, es ist schön, die Kameras wieder in der Hand zu halten, den kleinen Moment der Spannung zu erleben, in dem sich das Bild entwickelt – auch wenn die Ergebnisse nur selten den Vorstellungen im Kopf entsprechen und man bei der Bildqualität Abstriche hinnehmen muss.

Kodak-Sofortbilder kennt eigentlich jeder vom Druckterminal aus dem Drogeriemarkt. So ein Terminal bringt der Hersteller jetzt als hosentaschentaugliches Gerät auf den Markt: Die Kodak Printomatic misst gerade mal 12,5 Zentimeter in der Breite, acht Zentimeter in der Höhe und ist 2,5 Zentimeter dünn. Vom Aussehen erinnert das Knipsmodell an die alte, analoge Kodak Instamatic 33 – sie heißt ja auch fast gleich. Und das Konzept ist genauso einfach: draufhalten und abdrücken. Die Kodak Printomatic gehört zu den Hybridkameras, denn sie bringt eine integrierte Digitalkamera mit zehn Megapixeln mit. Diese speichert jedes Bild parallel zum Druck auf einer optionalen Mini-SD-Karte. Falls also mal das Papier alle ist, kann der Fotograf immer noch weiter knipsen.

Die Bedienungsanleitung erklärt in drei Bildern wie der Fotograf die Kamera einschaltet, den Farbmodus wechselt, den Akku lädt und Druckpapier einlegt. Drei LEDs auf der Rückseite der Printomatic zeigen an, ob eine SD-Karte geladen ist, der Drucker über Papier verfügt und ob der Akku voll ist. Falls nicht, betankt man die Printomatic per Mini-USB-Kabel. Auf der Oberseite wählt der Nutzer zwischen Schwarz-Weiß- und Farbdruck.

Test: Sofortbildkameras von Kodak, Polaroid und Leica

Die Druckqualität der Kodak Printomatic ist zwar mager, dafür speichert sie Aufgenommenes parallel zum Druck auf einer optionalen Speicherkarte.

Die Kamera lässt sich einfach bedienen. Sie wirft, solange sich Papier im Fach befindet, mit jeder Auslösung ein thermobedrucktes Bildchen auf ZINK-Papier aus. Der Begriff steht für Zero-ink, also „frei von Tinte“. Das Papier stellt ZINK Imaging her, ein Tochterunternehmen von Polaroid. Die Prints sind zwar keine richtigen Fotos, dafür muss der Fotograf aber auch nicht darauf achten, versehentlich den Film zu belichten. Das Aussehen von Druck und Farben ist natürlich Geschmackssache und kein Fine-Art-Print. Als spontane Fotos unter Freunden werden sie trotzdem Freude machen.

Die 5,1 mal 7,6 Zentimeter großen Fotodrucke sind als 20-Blatt-Packung für 15 Euro, bei einer 50-Blatt-Packung für 30 Euro zu haben. Das reduziert den Einzelpreis auf bis zu 60 Cent pro Bild. Clever: Die Bilder sind selbstklebend. Das ermöglicht schnelle Collagen, beispielsweise mit Selfies von allen Gästen einer Hochzeit.

Etwas irritieren könnte der seitlich liegende Sucher. Mit seiner Mattscheibe versucht er zwar einen Bildausschnitt vorzugeben, aber ganz passt er nicht. Das Bild ist leicht nach rechts verschoben. Da der integrierte Blitz sehr schwach ist, sollte auf gute Lichtverhältnisse geachtet werden. Selfies gelingen über die schwarze spiegelnde Scheibe um die Linse ganz gut. Die Printomatic besteht zwar vollständig aus Kunststoff, trotzdem wirkt sie stabil. Nur die Klappe fürs Druckerpapier sollte nicht gequetscht werden – darunter verbirgt sich ein Hohlraum.

Sofortbild boomt, da springt plötzlich ein Kamerahersteller auf den Zug auf, den kaum ein Fotograf dort erwartet hat – nämlich Leica. Eine Leica Sofort ist in einfacher Ausführung für weniger als 300 Euro zu haben. Die hier im Artikel gezeigte Sonderedition „LimoLand by Jean Pigozzi“ kostet allerdings rund 90 Euro mehr. Dafür gibt es einen tollen, roten Kameragurt dazu, mit Mr. Limo-Anhänger dran.

Die Leica Sofort arbeitet rein analog. Bestückt wird sie mit Instax-Mini-Filmen. Natürlich gibt Leica sie in eigener Verpackung und unter eigenem Namen heraus, aber auf der Filmkassette steht eindeutig Fujifilm. Die Filme sind übrigens in Farbe und Schwarz-Weiß erhältlich. Die Bunten kosten pro Bild einen Euro, die monochromen sind etwas teurer. Die Kamera besitzt einen Sucher, einen Blitz, einen Selfie-Spiegel und ein 60-Millimeter-Objektiv (35-Millimeter bezogen aufs Kleinbild) mit fester Blendenöffnung von f/12,7. Auf der Rückseite befindet sich ein schwarzer Kasten, der den Akku beherbergt und eine Digitalanzeige mit Tasten zur Veränderung der Kameraeinstellungen. Angezeigt werden hier Ladestand von Batterie und Filmkassette.

Der Fotograf wählt per Knopfdruck zwischen fünf Szenemodi: Selfie, Party, Sport, Makro und Doppelbelichtung. Dazu gibt es noch einen Bulb-Modus. Beim Blitz kann immerhin zwischen „Automatik“, „On“ und „Off“ umgestellt werden, es gibt einen Zeitauslöser mit zehn oder zwei Sekunden Vorlaufzeit und einen Einstellknopf für die Bildhelligkeit, wahlweise heller oder dunkler. Am Objektiv befindet sich die Schärfeeinstellung, sie bietet zwei Stufen an: 0,6 Meter bis einen Meter und ein Meter bis unendlich. Stellt der Fotograf den Szenemodus Makro ein, kommt er noch ein bisschen näher ans Objekt. Nach einigen Minuten schaltet sich die Leica ab, wenn der Fotograf sie nicht benutzt.

Test: Sofortbildkameras von Kodak, Polaroid und Leica

Die Leica spuckt – für Sofortbildkameraverhältnisse – ordentliche Bilder aus.

Für Fans von Selbstporträts ist der Selfie-Modus zu empfehlen. Die Linse wird in einen Nahbereich fokussiert, wodurch die Bilder immerhin etwas besser gelingen als ohne den Modus. Es gibt nur wenige Dinge vorzubereiten, bevor der Nutzer loslegen kann: Akku laden, Film einlegen und anschalten. Die Knöpfe lassen ein schnelles Wählen der Einstellungen zu und sind mit eindeutigen Piktogrammen versehen. Auch in hektischem Trubel stellt der Fotograf sicher die gewünschte Belichtung ein.

Polaroid-Kameras waren die ersten Sofortbildkameras der Welt. Das Patent wurde 1933 von Edwin Herbert Land eingereicht, der die Firma ursprünglich gegründet hat. Er entwickelte verschiedene Kameras und Filme, doch mit der aufkommenden Digitalfotografie starb das Sofortbild einen langsamen Tod.

Die Polaroid Pop ist am nächsten am klassischen Sofortbildformat dran. Sie druckt quadratische Bilder und kann per App mit dem Smartphone kommunizieren. Das Gehäuse der Pop wirkt glatt und futuristisch. Die Kamera ist Hybrid in doppelter Hinsicht: Sie kann sowohl Bilder vom Smartphone ausdrucken, als auch selbst als Kamera dienen. Immerhin 20-Megapixel stehen zur Verfügung. Sie druckt, sie speichert auf Micro-SD-Karten (HC, XC, bis 128GB) und sie sendet ihre eigenen Bilder auf Wunsch auch ans Smartphone zurück. Dazu besitzt sie ein Touchdisplay, auf dem der Fotograf nicht nur sein Bild im Live-View ansehen, sondern auch fertige Aufnahmen bearbeiten, rahmen und mit Stickern versehen kann. Es können Videos in Full HD aufgenommen und 15-Sekunden-Gif-Animationen erstellt werden.

Den Charme echter Polaroids besitzen die Thermodrucke jedoch nicht, die Haptik der mehrlagigen Papierfilme macht diese auch irgendwie besonders.

Die Bilder aus der Polaroid Pop besitzen einen weißen Rand.

Eigentlich ein All-Inklusive-Rundum-Zufrieden-Paket. Für 200 Euro ist sie zu haben. Ihre Hochglanz-Oberfläche ist nett anzuschauen, allerdings sehr empfindlich. Wer sie mitnimmt, sollte auch ein weiches Mikrofasertuch zum Polieren dabeihaben. Die Pop ist außerdem kein Leichtgewicht. Über 400 Gramm bringt sie auf die Waage und hat dabei auch eine beachtliche Größe von zwölf Zentimetern Breite, fünfzehn Zentimetern Höhe und drei Zentimetern Tiefe. Eben mal in die Jackentasche stecken – Fehlanzeige. Dafür sind die Bilder auch knapp acht mal acht Zentimeter groß. Und es ist noch ein weißer Rand drumherum, sodass die Gesamtgröße bei circa neun mal elf Zentimetern liegt. Den Charme echter Polaroids besitzen die Thermodrucke jedoch nicht, die Haptik der mehrlagigen Papierfilme macht diese auch irgendwie besonders. Aber die Sofortbildfilme kosten pro Bild in gleicher Größe mehr als zwei Euro. Der Thermodruck reduziert den Preis immerhin auf einen Euro.

Mit der App können Bilder von der Pop aufs Smartphone gesendet werden. Angeschlossen wird per WLAN und Bluetooth. Vom User per Smartphone erstellte Aufnahmen können umfangreicher bearbeitet werden als auf der Pop selbst. Die App gibt außerdem die Möglichkeit, sie anschließend in sozialen Netzwerken zu teilen.

Die Bildergebnisse hängen stark vom Druckverfahren ab: Während die Kodak Printomatic und die Polaroid Pop Thermodrucke ausspucken, setzt die Leica Sofort auf chemische Bildentwicklung mit Instax-Filmen und produziert damit echte Fotoabzüge. Das Thermodruckverfahren bringt schärfere Bilder hervor und stellt auch mehr Details dar – die Ergebnisse mit Instax-Film wirken aber oft gefälliger. Zusätzlich erscheinen die Farben im echten Foto natürlicher.

Abhängig von der Kamera und ihren internen Belichtungseinstellungen können auch bei hellem Umfeld gerade in Innenräumen tiefschwarze Hintergründe auf den Instax-Filmen entstehen. Schwarz-Weiß-Aufnahmen, einfach zu realisieren mit Thermodruckverfahren durch die dahinter liegende Digitaltechnik, werden bei Instax durch den Monochrom-Film machbar. Das Bildergebnis ist eher flau und zeichnet sich durch sanfte Übergänge und wenige Kontraste aus.

Begeistert haben uns die kleinen Schnappschüsse dennoch: Vor allem Fans von Bildercollagen finden mit einer Sofortbildkamera das passende Gadget. Nicht nur in Teenager-Schlafzimmern finden Unmengen von Collagen Platz, auch in Dekokatalogen erscheinen diverse Fotoarrangements, mit und ohne Menschen, farbig oder in Schwarz-Weiß, gerahmt oder nicht, an Pinnwänden, Magnettafeln, auf Wäscheleinen oder Fotohaltern. So bleiben die kleinen Erinnerungsstücke erhalten und tragen überdies noch zur Wohnlichkeit bei.

(mre [11])


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