Univention Corporate Server 1.3.2
Beim Release 1.3.2 steht die Groupware Scalix als Alternative zum Kolab-Server zur Auswahl. AuĂerdem stellt Univention alle Eigenentwicklungen unter die GNU General Public License (GPL).
Die Bremer Univention GmbH [1] hat Version 1.3.2 ihres Univention Corporate Server (UCS [2]) veröffentlicht. Der Small Business Server auf der Grundlage von Debian 3.1 (Sarge) ist als Komplettlösung fĂŒr kleinere bis mittelstĂ€ndische Unternehmen gedacht. Durch die integrierte Groupware-Komponente in der Version Univention Groupware Server (UGS [3]) soll er nicht nur Windows als DomĂ€nencontroller und File- und Druckserver ersetzen, sondern auch Exchange als Mail-Server ablösen.
Im einfachsten Fall agiert der UCS als Server im Linux-Netz und steht den angeschlossenen Linux-ArbeitsplĂ€tzen als Anmelde-, File-, Fax- und Printserver zur VerfĂŒgung. DafĂŒr greift er auf bewĂ€hrte Dienste wie LDAP, NFS, CUPS und Hylafax zurĂŒck. Anwendungen auf diesen sogenannten Managed Clients sind lokal installiert. Die Benutzerverzeichnisse liegen jedoch auf dem Server, sodass sie sich leicht in eine Datensicherung aufnehmen lassen. Updates lassen sich ĂŒber den Server automatisch auf die Clients verteilen. Mit dem Univention Corporate Desktop (UCD) hat Univention einen eigenen Linux-Desktop auf Basis von Debian und der KDE-OberflĂ€che im Programm.
HĂ€ufiger wird der Unternehmensserver jedoch in gemischten Umgebungen zum Einsatz kommen. Hier kann er im Zusammenspiel mit Windows-Servern fĂŒr Windows- und Linux-Clients als Authentifizierungs-, File- und Groupware-Server agieren. Denkbar sind aber auch Szenarien, wo der UCS mithilfe eines Windows-Terminalservers eine Reihe von Thin Clients auf Linux-Basis bedient. File-, Print- und Anmeldedienste fĂŒr Windows-Clientd stellt Samba bereit. Ein Connector erlaubt die Anbindung an ein Microsoft Active Directory.
UnabhÀbgig vom Einsatzszenario gilt: Nach erfolgreicher Anmeldung erhÀlt ein Anwender ein Kerberos-Ticket, das ihn nach dem Single-Sign-on-Prinzip im gesamten Firmennetzwerk authentifiziert.
Zu Diensten
Der zentrale Dreh- und Angelpunkt des UCS ist ein LDAP-Verzeichnisdienst auf der Basis des freien OpenLDAP-Servers. Neben Konfigurationsdaten fĂŒr die diversen Serverdienste des UCS speichert die LDAP-Datenbank die DomĂ€nen-Einstellungen sowie die Informationen zu den Benutzerkonten im Netzwerk. Ein System aus sogenannten Notifier- und Listener-Diensten sorgt dafĂŒr, dass Ănderungen im LDAP-Verzeichnis definierte Aktionen auslösen und zugehörige Konfigurationsdateien entsprechend anpasst werden.
Eine mit Samba realisierte Windows-DomĂ€ne auf dem UCS erlaubt Windows-Clients den Zugriff auf Netzwerk-Ressourcen. Dabei greift der Anmeldeserver auf die zentral gespeicherten Benutzer- und Rechnerdaten im LDAP-Verzeichnis zurĂŒck.
Zumindest auf Linux-Systemen (UCS-Server und Clients) lĂ€sst sich die Verteilung und Installation von Software und Patches vollstĂ€ndig automatisieren. Eine Postgres-Datenbank speichert dabei den aktuellen Paketstatus der einzelnen Systeme. FĂŒr Windows-Clients ist noch keine automatische Softwareverteilung vorgesehen.
FĂŒr die Groupware-Funktionen zeichnet der freie â nahtlos im UCS integrierte â Kolab [4]-Server verantwortlich. Neben E-Mail mit den Standard-Mailprotokollen POP/IMAP (Cyrus) und SMTP (Postfix) bietet er einen Kalender, eine Adress- und Aufgabenverwaltung und gemeinsame Ordner. Optional sind ein zwischengeschalteter Spamfilter auf Basis von spamassassin und der Virenscanner ClamAV, der ĂŒber amavisd-new eingebunden werden kann.
FĂŒr den Zugriff auf die Groupware-Funktionen können Windows-Anwender als Client Outlook benutzen. Voraussetzung ist allerdings ein proprietĂ€rer Connector, der die Verbindung zum UGS herstellt. Linux-Nutzer sind auf eine angepasste Version des KDE-Clients Kontact angewiesen. Der Artikel Neues Gemisch - UGS: LDAP-verwaltetes Debian mit Kolab [5] auf heise open [6] beschreibt die Einrichtung des Univention Groupware Server.
FĂŒr die Verwaltung des UCS stehen die Tools Univention Admin und Univention Console zur VerfĂŒgung. Ersteres gibt es sowohl fĂŒr die Kommandozeile als auch als Web-Anwendung. Es fungiert als die Schnittstelle zur LDAP-Datenbank und ermöglicht die Steuerung von DomĂ€neneinstellungen, Richtlinien, Netzwerkdiensten und der Softwareverteilung. Die webbasierte Univention Console ist eine ErgĂ€nzung, mit der sich UCS-Server und Managed Clients einzeln administrieren lassen.
Neuerungen in UCS 1.3.2
Univention bezeichnet UCS 1.3.2 als Maintenance-Release. TatsĂ€chlich gibt es gegenĂŒber der Vorversion wenig augenfĂ€llige Neuerungen. Unter der Haube hat sich jedoch vor allem in Form von Systemaktualisierungen einiges getan. So steht der Kernel jetzt auch in Version 2.6.18 zur Auswahl und das Samba-Paket liegt in der aktuellen Version 3.0.23d bei. Hiermit soll sich der UCS-Server als Backup Domain Controller (BDC) zu einem Primary Domain Controller (PDC) auf Windows-NT-Basis gesellen können.
Der Linux-Client Kontact wurde einer Ăberarbeitung unterzogen. Das Tool beherrscht jetzt Online-IMAP fĂŒr die Mail-Ordner und soll deutlich stabiler arbeiten. Neu ist zudem der Groupware-Webclient. War das auf Horde [7] basierende Werkzeug bislang nur als Mail-Client einsetzbar, kann man damit jetzt auch Aufgaben, Adressbuch- und KalendereintrĂ€ge und Notizen verwalten.
Mit UCS 1.3.2 lĂ€sst sich nun eine DomĂ€nen-Gruppe in einer weiteren DomĂ€nen-Gruppe unterbringen. Unterschiedliche UCS-Systeme mĂŒssen auĂerdem nicht mehr zwangslĂ€ufig zur gleichen DNS-DomĂ€ne gehören. Das Bremer Unternehmen erweiterte das Administrationswerkzeug Univention Admin um diverse Detail-Funktionen. So können Rechner-Objekte im LDAP-Verzeichnis jetzt mehrere IP- und MAC-Adressen zugewiesen bekommen und es ist möglich, fĂŒr Benutzer-Objekte x509-Zertifikate zu laden und anzuzeigen.
Neu ist auch Scalix, das nun in der Community Edition [8] als Alternative zu Kolab als Groupware-Komponente zur Auswahl steht. Univention integriert die Software ebenso wie Kolab komplett in das Verwaltungsprogramm Univention Admin, sodass die Kombination wie aus einem Guss wirkt.Die v om Ursprung her proprietÀre Groupware (eine Weiterentwicklung von OpenMail von HP) gibt Scalix nach und nach unter einer Open-Source-Lizenz frei. Bislang war die Community Edition zwar kostenlos, aber nicht quelloffen.
Erstmals mit diesem Release gibt Univention auch den Quellcode fĂŒr alle Anwendungen des Managementsystems unter der GPL frei. Dazu gehören nicht nur die Tools Univention Admin und Univention Console, sondern auch die Frameworks fĂŒr die LDAP- und Web-Administration und die LDAP-Replikations- und Pluginarchitektur (Notifier/Listener). Die Quellen liefert Univention auf den zugehörigen Source-CDs aus.
Der Artikel Friesland goes Open Source [9] beschreibt den Einsatz von UCS und UGS im Landkreis Friesland, wo die Server von Univention Bestandteil der Migrationsstrategie von Windows zu quelloffener Software sind. (akl [10])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-222025
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.univention.de/
[2] http://www.univention.de/ucs.html
[3] http://www.univention.de/ugs.html
[4] http://www.kolab.org/
[5] https://www.heise.de/tests/Univention-Groupware-Server-221985.html
[6] https://www.heise.de/tests/Univention-Groupware-Server-221985.html
[7] http://www.horde.org/
[8] http://www.scalix.org/
[9] https://www.heise.de/hintergrund/Friesland-goes-Open-Source-222017.html
[10] mailto:akl@ix.de
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