Blockchain statt Konflikt: Brics smarte Antwort auf Trump und den US-Dollar

Grafik: Montri Nipitvittaya, shutterstock
Die Brics-Staaten werden sich auch ohne eigene Währung zunehmend vom Dollar und dessen Wechselkurs lösen. Doch entscheidend ist nicht allein der Warenaustausch.
Brasilien hat derzeit den Vorsitz der Brics inne und seinen Mitgliedsländern nun einen Plan vorgelegt, der darauf abzielt, Handelstransaktionen innerhalb des Blocks zu erleichtern, ohne eine neue Währung zu schaffen. Mehr noch: Verweise auf eine mögliche De-Dollarisierung des Welthandels und der Weltwirtschaft werden sorgfältig vermieden.
Das kann nicht verwundern, denn erstens ist eine gemeinsame Währung ohne Harmonisierung der Märkte der teilnehmenden Länder nicht machbar. Dazu gehören unter anderem:
- vergleichbare Inflationsraten in den teilnehmenden Ländern,
- stabile Wechselkurse zwischen den Ländern vor dem Zusammenschluss,
- die Angleichung der langfristigen Zinssätze,
- eine einheitliche Geldpolitik,
- Mobilität von Arbeitskräften und Kapital innerhalb der Währungsunion
- eine gemeinsame Zentralbank zur Steuerung der Geldpolitik.
Und zweitens hatte Donald Trump bereits vor seiner Rückkehr ins Weiße Haus unverhohlen und scharf damit gedroht, Zölle in Höhe von 100 Prozent gegen die Brics-Länder zu verhängen, falls sie es wagen sollten, eine gemeinsame Währung als Alternative zum Dollar zu schaffen.
Keine Brics-Währung
Andererseits hat der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva seinem Wunsch nach einer gemeinsamen Währung für die Brics wiederholt Ausdruck verliehen. Brasilien bezieht mittlerweile etwa ein Drittel seiner Importe von seinen Brics-Partnern. Und angesichts der Schocks, die Trump mit seiner erratischen Zollpolitik immer wieder auslöst, dürfte dieser Anteil weiter rasch wachsen.
Brasilien drängt auf Finanzsystem
Lula besteht jedoch weiterhin darauf, dass die Brics eine finanzielle Infrastruktur benötigen, die ihre Souveränität erhöht und die Abhängigkeit von westlich dominierten Netzwerken wie dem Swift-Zahlungssystem minimiert. Dies steht im Einklang mit der breiteren Brics-Strategie, ein autonomeres Finanzsystem aufzubauen.
Lange Debatte um Brics-Währung
Um das leidige Thema einer gemeinsamen BRICS-Währung zu vermeiden, in der Sache aber weiter fortschreiten zu können, hat Brasilia nun ein auf Blockchain basierendes Zahlungssystem für die Brics vorgeschlagen. Das vorgeschlagene System zielt darauf ab
- den Import-Export-Vertragsprozess zu vereinfachen und grenzüberschreitende Transaktionen zu optimieren
- Transaktionskosten zu senken und die finanzielle Effizienz innerhalb der Brics zu erhöhen und so
- den Handel und auch die Investitionen zwischen den BRICS-Mitgliedsländern zu fördern.
Ein Blockchain-gestütztes Zahlungssystem
Es wird erwartet, dass Lula die Details seines Vorschlags auf dem kommenden Brics-Gipfel im Juli 2025 in Rio de Janeiro vorstellen wird. Während Einzelheiten zur Blockchain-Implementierung noch geklärt werden müssen, wird die Initiative innerhalb der Brics+ jetzt schon als bedeutender Schritt zur Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Dollar bewertet.
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Was der Brics-Gipfel in Kazan für die Weltordnung bedeutet
Ein Blockchain-gestütztes System würde direkte Transaktionen untereinander in lokalen Währungen ermöglichen. Brasiliens Außenminister Mauro Vieira hob in diesem Zusammenhang noch einmal hervor, dass die Brics zugunsten der Zusammenarbeit und Entwicklung ihrer Mitglieder wirken und sich nicht gegen jemanden richten.
Chinesischer Realismus
Auch in China ist man sich natürlich bewusst, dass eine Änderung der globalen Währungsordnung absehbar nicht bevorsteht. Das Schwergewicht unter den Brics konzentriert sich derzeit darauf, den Yuan gegebenenfalls abzuwerten, um wettbewerbsfähig zu bleiben und nicht viel bei den Verhandlungen zu verlieren, die Peking mit Washington führen muss.
De-Dollarisierung als natürlicher Prozess
Die chinesischen Behörden würden es ohnehin bevorzugen, wenn die De-Dollarisierung als natürlicher Prozess abläuft und nicht konfrontativ. Chinas Währungsreserven belaufen sich umgerechnet auf rund vier Billionen Dollar – allerdings ist deren genaue Zusammensetzung unbekannt. Doch weiß man, dass China allein US-Schuldtitel in Höhe von 860 Mrd. US-Dollar hält; das meiste davon sind Staatsanleihen.
Obwohl dieser Betrag seit 2013 kontinuierlich sinkt, sind derartige Summen allein ihrer Größe wegen kaum woanders als in Washington zu beschaffen, weil es anderen Ländern derzeit schlichtweg an hinreichender Liquidität und Kapitalbedarf fehlt.
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Ein weiteres Argument gegen eine übereilte De-Dollarisierung durch China ist der nach wie vor hohe Anteil der USA am Außenhandel der Volksrepublik. 2023 machten die Exporte in die USA immer noch fast 15 Prozent aller chinesischen Ausfuhren aus und knapp drei Prozent des Bruttonationaleinkommens Chinas.
Bedeutung der Brics-Devisenreserven unterschätzt
Andere Brics+-Mitglieder könnten diesbezüglich in einer besseren Position sein, da ihre Währungsreserven kleiner sind und sie die Möglichkeit haben, mehr Renminbi-Anteile in ihre Reserve-Währungskörbe aufzunehmen, wie es etwa Russland tut.
Am drängendsten stellt sich die Frage nach Alternativen zum US-Dollar aufgrund der von Washington verhängten Sanktionen für Russland und den Iran.
Generell ist sind Umfang und Zusammensetzung von Devisenreserven der Brics-Länder ein oft unterschätzter Faktor der De-Dollarisierungsagenda. Denn die Gruppe ist nicht nur für etwa die Hälfte der weltweiten Energieproduktion verantwortlich, sondern die Brics+ halten seit fast 20 Jahren auch über 40 Prozent der weltweiten Währungsreserven.