Projektmanagement: Demontage oder wie groß ist dein Silo?
Silos sollten verschwinden, aber ist das nur eine Phrase oder können wir tatsächlich etwas unternehmen? Wie wäre es mit Demontage oder einem Schneidbrenner?
(Bild: MikeDotta / Shutterstock.com)
- Stefan Mintert
Wenn die Rede davon ist, dass Unternehmen Silos abbauen müssen, sind meist Barrieren zwischen Abteilungen gemeint, die Kommunikations- und Kollaborationshürden darstellen. Dahinter steht das vage Ziel einer einfachen, schnellen, hochwertigen Zusammenarbeit wie in einem Bienenstock oder Ameisenhaufen. Tolle Idee, klappt nur nicht ohne Weiteres.
Wenn man im Netz nach „Silos abbauen“ sucht, findet man Blogartikel in Hülle und Fülle. Ich habe das probehalber gemacht, als ich anfing, diesen Beitrag zu schreiben. Da ist die Rede von den „x best practices, um Silos abzubauen“ oder „Silodenken auflösen und Zusammenarbeit verbessern“ oder „x strategic ways to avoid silos“ und so weiter.
Ein Suchtreffer hat meine Aufmerksamkeit gecatcht. Das stand nur ein Wort: Demontage. Und ich dachte: Wow. Das bringt es auf den Punkt. Kein Gequatsche von Best Practices, sondern ein ganz einfacher Ansatz: Demontage. Alles wegreißen und ordentlich neu bauen. Radikaler Approach mit sofortiger Wirkung.
Erst auf den zweiten Blick habe ich gesehen, worum es da geht. Nämlich um den „Abriss von industriellen Anlagen, Kränen, Hallen, Silos, Maschinen und vielem mehr“. Die Rede ist also von echten Silos. Schade, oder? Trotzdem habe ich geklickt und gleich die nächste Aussage gefunden, die mir gefällt: „Mit dem Schneidbrenner unter dem Kopfkissen“.
Kompromisslose Formulierungen
Ich mag die Kompromisslosigkeit, die in den gewählten Formulierungen enthalten ist. Das brauchen viele Unternehmen. Keine Samthandschuhe, sondern handwerkliche Umsetzung von Veränderungen. Leider sehe ich die nur, wenn es darum geht, Mitarbeiter zu feuern, die für eine Krise nicht maßgeblich verantwortlich sind.
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Und wenn es um die metaphorischen Silos geht, begegnen mir zuletzt immer mehr Firmen, in denen die Silo-Größe gerade in eine erstaunliche Richtung geht, nämlich gegen Eins (in Zahlen: 1). Ich spreche von sogenannten Teams, in denen jeder und jede allein für etwas zuständig ist. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich, dass man für alle anderen Themen des „Teams“ nicht zuständig ist. Wenn es dann ums Verteilen von (neuen) Aufgaben geht, ducken sich alle weg, weil sie schon „voll“ sind. Der Ansatz ist ein gutes Rezept für Misstrauen („ich arbeite mehr als die anderen“), Missgunst („wieso darf die/der X machen, aber ich muss Y machen“), Verantwortungsvermeidung („nicht mein Thema“) und andere Phänomene, die wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht brauchen können; in anderen Zeiten übrigens auch nicht, nur dass es dann weniger auffällt.
Um solch ein Vorgehen zu vermeiden, braucht es mutige Führung von irgendeinem Beteiligten, der es schafft, das Team zusammenzuschweißen, um gemeinsame Verantwortung zu übernehmen. Keine einfache Aufgabe, aber machbar. Das Motto könnte hier lauten: mit dem Schweißbrenner unter dem Kopfkissen. Sozusagen radikal konstruktiv, statt radikal destruktiv.
Erst Lesen, dann Handeln
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(rme)