3I/ATLAS: Interstellarer Komet vor größter Annäherung an die Erde
Am Freitag ist der 3I/ATLAS der Erde näher als je zuvor und danach – die Distanz beträgt aber dennoch 270 Millionen Kilometer. Trotzdem ist die Spannung groß.
Hubble-Aufnahme von 3I/ATLAS
(Bild: NASA, ESA, STScI, D. Jewitt (UCLA), M.-T. Hui (Shanghai Astronomical Observatory). Image Processing: J. DePasquale (STScI))
(Bild: International Gemini Observatory/NOIRLab/NSF/AURA/B. Bolin)
Der interstellare Komet 3I/ATLAS wird auf seinem Flug durchs Sonnensystem in dieser Woche seinen erdnächsten Punkt durchlaufen, am Freitag ist er dann aber noch immer 270 Millionen Kilometer entfernt. Damit bieten sich Instrumenten auf der Erde jetzt die besten Bedingungen für die Beobachtung des Besuchers von außerhalb, das unterstreichen etwa zwei Aufnahmen von Ende November. Wer die Annäherung live beobachten möchte, kann das etwa über das Virtual Telescope Project des Italieners Gianluca Masi tun. Der will astronomische Aufnahmen des Kometen ins Internet streamen. Mit leistungsfähigeren Instrumenten wie dem Hubble-Weltraumteleskop soll der Himmelskörper dagegen noch für Monate beobachtet werden.
Wieder mehr Aufnahmen
(Bild: International Gemini Observatory/NOIRLab/NSF/AURA/B. Bolin)
3I/ATLAS wurde Anfang Juli mit dem Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) in Chile entdeckt, daher sein Name. Der interstellare Komet ist überhaupt nur der dritte Besucher in unserem Sonnensystem, der während des Durchflugs entdeckt wurde. Auf seiner Bahn durchs Sonnensystem befand er sich im Herbst aus der Perspektive der Erde hinter der Sonne. Deshalb mussten Sonden aus verschiedenen Ecken des Sonnensystems einspringen und die Beobachtung übernehmen. Seit Anfang November ist er auch wieder von der Erde aus zu sehen. Ende November haben das etwa die Verantwortlichen am Gemini-Observatorium genutzt und neue Aufnahmen des Objekts gemacht.
(Bild: ESA/XMM-Newton/C. Lisse, S. Cabot & the XMM ISO Team)
Am 30. November hat ihn dann auch Hubble abgelichtet, die Aufnahme ist aus 286 Millionen Kilometern Entfernung gelungen. Vor dem Wochenende hat die Europäische Weltraumagentur ESA dann eine Aufnahme von 3I/ATLAS im Röntgenspektrum veröffentlicht, gemacht wurde die vom Weltraumteleskop XMM-Newton. Die darauf auszumachenden Röntgenstrahlen stammen demnach von der Interaktion des Sonnenwinds mit verschiedenen Gasen, die aus dem Himmelskörper gelöst werden. Laut der ESA ist die augenscheinlich verrauschte Aufnahme für die Forschung deshalb von großem Wert, weil das Instrument Gase finden und untersuchen kann, die für andere Geräte nur schwer auszumachen sind.
Videos by heise
Während sich 3I/ATLAS damit jetzt auf dem Weg aus dem Sonnensystem befindet, läuft bei dem Internationalen Asteroidenwarnnetzwerk (IAWN) noch eine andere Beobachtungskampagne. Die Organisation widmet sich eigentlich der internationalen Koordinierung von Abwehrmaßnahmen gegen Asteroiden, die eine potenzielle Gefahr für die Erde darstellen. Seit Ende November verantwortet sie aber die Astrometrie-Kampagne. Dabei geht es um die genaue Bestimmung der Bahndaten, denn das ist bei Kometen besonders schwierig. Noch bis Ende Januar sollen die Teilnehmenden versuchen, die Bahndaten trotz des Schweifs möglichst präzise zu bestimmen, danach sollen die erfolgreichsten Methoden besprochen werden. Das soll künftig die planetare Verteidigung stärken.
(mho)