CES

Qualcomm präsentiert erstes Auto mit Dual-Chip und skalierbaren ADAS-Rechner

Qualcomm hat einen ersten Abnehmer fĂĽr die Dual-Variante seiner Auto-Prozessoren und mit ZF einen neuen Partner fĂĽr Hochleistungsrechner gefunden.

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Arbeitsweise eine Prozessores im Auto

(Bild: Qualcomm)

Lesezeit: 4 Min.

Mit der Snapdragon-Elite-Automotive-Plattform präsentierte Qualcomm im Oktober 2024 seine bis dahin schnellsten Prozessoren für den Einsatz in Autos. Rund ein Jahr später hat das Unternehmen auf der CES 2026 nun das erste Serienfahrzeug angekündigt, in dem die Dual-Version der Plattform zum Einsatz kommen wird. Zudem sprach Qualcomm von einer neuen Kooperation mit dem Zulieferer ZF, der unter der Bezeichnung ProAI einen skalierbaren Fahrzeugrechner für Assistenzsysteme entwickelt hat.

Im Leapmotor D19 kommt dieser neue Rechner noch nicht zum Einsatz. Das Stand Januar 2026 nur für den chinesischen Markt angekündigte Elektro-SUV verwendet die Snapdragon-Elite-Automotive-Plattform (SA8797P) in der Dual-Ausführung. Deren Leistung wird auf 640 TOPS (Trillion Operations Per Second) geschätzt, womit das System leistungsfähiger als beispielsweise das auf zwei Nvidia-Drive-AGX-Orin-Prozessoren basierende Pendant im überarbeiteten Volvo EX90 mit seinen 500 TOPS wäre.

Im Leapmotor D19 soll die Snapdragon-Elite-Plattform zunächst nur assistiertes Fahren gemäß Level 2 ermöglichen – die Verantwortung liegt somit immer beim Fahrer.

(Bild: Leapmotor)

Diese Leistung soll genügend Reserven für die verschiedensten Aufgaben bieten. Dazu gehört die Anbindung von bis zu acht Displays mit maximal 4K-Auflösung, 13 Kameras sowie zahlreichen weiteren Sensoren wie Radar und Lidar. Assistiertes Fahren ist zunächst gemäß SEA-Level 2 möglich, von höheren Automatisierungsgraden ist hingegen keine Rede. Diese sollen gemäß früherer Aussagen von Qualcomm aber möglich sein. Denn im Oktober 2024 sprach das Unternehmen von genügend Leistung für Level 3. Entsprechend dürfte Leapmotors Software den Flaschenhals darstellen. Für derartige Fälle sieht die Prozessor-Plattform aber umfangreiche Möglichkeiten für Software-Updates Over-the-Air vor – also ohne Werkstattaufenthalt.

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Die Plattform, die im D19 als Zentralrechner innerhalb der Domänenarchitektur fungiert, selbst besteht aus zwei Prozessoren: dem Snapdragon Elite Ride und Snapdragon Elite Cockpit. Beide basieren auf Qualcomms Oryon-Kernen, die in ähnlicher Form auch in den Smartphone-Chips des Unternehmens stecken. Der Snapdragon Elite Ride ist für alle ADAS-Funktionen (Advanced Driver Assistance Systems, Fahrassistenzsysteme) zuständig und kann prinzipiell auch das Infotainmentsystem antreiben. Im Leapmotor D19 übernimmt letztere Rolle jedoch der Snapdragon Elite Cockpit, was höhere Leistungsreserven bieten dürfte und zum Titel des ersten Serienfahrzeugs mit Dual-Version führt. Denn die Elite-Plattform kommt zwar bereits in anderen Fahrzeugen zum Einsatz, allerdings nur in einer Version mit einem der beiden Prozessoren. Ein Beispiel dafür ist der BMW iX3 auf Basis der Neue-Klasse-Architektur. Hier übernimmt ein Snapdragon Elite Ride die ADAS-Aufgaben, für das Infotainmentsystem ist hingegen ein anderer Chip zuständig.

Welche Prozessorgeneration im künftigen ADAS-Rechner ProAI von ZF zum Einsatz kommen wird, verrieten der Zulieferer und Qualcomm auf der CES 2026 zunächst nicht. Fest steht hingegen, dass ausschließlich Snapdragon-Ride-Prozessoren zum Einsatz kommen werden – je nach Anforderung des Fahrzeugherstellers in unterschiedlichen Ausführungen. Deshalb spricht ZF beim ProAI von einem skalierbaren System, das in der höchsten Ausbaustufe eine Leistung von mehr als 1500 TOPS erreichen soll. Ob hierfür zusätzliche KI-Beschleuniger nötig sind, ist unklar. Solche Zusatzchips bezeichnete Qualcomm 2023 im Zusammenhang mit den seinerzeit vorgestellten Snapdragon-Ride-Flex-Chips als Voraussetzung für derartige Werte.

ZF will seinen ProAI in verschiedenen AusfĂĽhrungen mit bis 1500 TOPS anbieten und die verschiedensten Fahrzeugarchitekturen unterstĂĽtzen.

(Bild: Qualcomm)

Der ADAS-Rechner soll zahlreiche Assistenzfunktionen ermöglichen, darunter automatische Spurwechsel, automatisiertes Fahren auf Autobahnen und ähnlichen Strecken, Fahrunterstützung im innerstädtischen Verkehr sowie Parkhelfer. Weitere Funktionen lassen sich per Over-the-Air-Update nachreichen, ebenso sind auf diesem Wege Fehlerkorrekturen möglich. Welche Funktionen in einem konkreten Fahrzeugmodell tatsächlich verfügbar sind, obliegt der Entscheidung des Herstellers.

Laut ZF lässt sich der ProAI in die verschiedensten Fahrzeugarchitekturen integrieren. So lässt sich der Rechner wahlweise als Domänen- oder Zonen-Controller sowie als Zentralrechner einsetzen. Zudem verweist das Unternehmen auf eine offene Architektur, die sich auch mit Software anderer Hersteller nutzen lässt.

Heise Medien ist offizieller Medienpartner der CES 2026.

Hinweis: Qualcomm hat die Kosten fĂĽr Reise und Unterbringung des Autors zur CES 2026 ĂĽbernommen. (pbe)