Zahlen, bitte! Mit 162 Flugzeugen zu neuen Zielen: Die Gründung der Lufthansa
Am 6. Januar 1926 wurde die Lufthansa gegründet. Die Fluggesellschaft mit dem markanten Kranich erlebte in den 100 Jahren eine wechselhafte Geschichte.
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Am 6. Januar 1926 wurde im Berliner Hotel Königshof die "Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft" gegründet. Die neue Fluggesellschaft entstand als Fusion mehrerer Fluglinien. So besaß man zum Start nicht weniger als 162 Flugzeuge und mit 19 verschiedenen Flugzeugtypen. Sie flog unter dem vom Grafiker Otto Firle für die Deutsche Luft Reederei entworfenen Kranich-Logo durch die Lüfte. Der Erstflug erfolgte am 6. April 1926 mit einer Fokker Grulich F.II von Berlin nach Zürich, mit Stationen in Halle, Erfurt und Stuttgart. Beide Daten nimmt die heutige Lufthansa, die am 6. Januar 1953 als "Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf" gegründet wurde, zum Anlass, ihren 100. Geburtstag zu feiern. Er wird unter dem Motto "We are the journey" begangen.
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Zahlen, bitte!
In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.
Mit der Gründung der Luft Hansa wurden die Aero Union, die Deutsche Luft Reederei, der Lloyd Luftdienst und Junkers Luftverkehr auf Druck der Reichsregierung bzw. des Reichsverkehrsministeriums zu einer nationalen Fluggesellschaft nach dem Vorbild der niederländischen KLM (1920 gegründet) zusammengeschlossen. Da all diese Gesellschaften defizitär und auf staatliche Unterstützung angewiesen waren, war die Bildung einer staatlichen Airline ein erster Akt der Konsolidierung.
Der zweite Akt bestand in der Vereinheitlichung der Flotte; hier spielte die Junkers F13 eine wichtige Rolle. Den dritten Akt lieferte die Technik. Man begann bereits 1926, die Flugzeuge mit Funkgeräten auszustatten, gefolgt von der Blindflugausbildung der Piloten und der Einrichtung von Nachtflugstrecken. Die wichtigste Flugstrecke war die vom Stammflughafen Berlin Tempelhof nach Königsberg (Kaliningrad), von der es im Anschlussflug nach Moskau weiterging. Bereits im Sommer 1926 bediente die Luft Hansa 64 Fluglinien, darunter eine Luftpost-Südamerika-Verbindung die mit dem Flugboot Dornier Wal realisiert wurde.
Das Logo des namensprägende Lufthansa-Kranich, der Fluglinie auch zur „Kranich-Fluggesellschaft“ werden ließ, entwarf der deutschen Architekt und Designer Otto Firle. Das Logo, was eigentlich eher wenig an einen Kranich erinnert, wurde mit den Jahrzehnten immer mal behutsam geändert, aber blieb unverwechselbar.
(Bild: Otto Firle)
Zu ihrem 100. Geburtstag pinselt die Lufthansa nicht nur einige Flugzeuge mit einem "XXL-Kranich" an, sondern eröffnet auch einen neuen Ausstellungsraum auf dem Lufthansa-Gelände des Flughafens Frankfurt/Main, in dem zwei Flugzeuge stehen, die für die gedoppelte Geschichte des Konzerns stehen. Die Geschichte der "ersten Lufthansa" wird von der Junkers Ju 52 symbolisiert, die ab 1932 zum Einsatz kam und zeitweilig die Hälfte der Fliegerflotte stellte.
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Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die "Tante Ju" zu einem wichtigen Mosaikstein der deutschen Expansionspläne, wie überhaupt die Lufthansa unter Hermann Göring fest an das faschistische Regime gekettet wurde. Das Hakenkreuz wanderte auf das Seitenleitwerk, die Tante JU wurde Truppentransporter und Hilfsbomber. In der Pressemeldung zum 100. Geburtstag heißt es: "Lufthansa nimmt das 100-jährige Gründungsjubiläum auch zum Anlass, ihre Verantwortung im Nationalsozialismus kritisch zu beleuchten und auf Basis historischer Forschung weiter aufzuarbeiten." Bereits zum 75. Geburtstag im Jahre 2001 hatte man den Historiker Lutz Budrass beauftragt, die "dunkle Geschichte" aufzuarbeiten, doch wurde die Veröffentlichung seiner Forschungen abgeblasen.
Das Lufthansa-Flugzeug wirft einen Schatten über ganz Europa: Lufthansa-Werbung aus dem Jahr 1932. Zu sehen ist eine Junkers G 38, eins der größten Flugzeuge seiner Zeit, was sogar teilweise bis in die Tragflächen Passagierkabinen bot.
Budrass veröffentlichte seine Untersuchung auf eigenes Risiko unter dem Titel "Adler und Kranich". Besonders die Kapitel zur Zwangsarbeit bei der Lufthansa sorgten noch 2001 als für Aufsehen, obwohl die Lufthansa 1999 dem Zwangsarbeiterfonds beigetreten war.
Mit dem Untergang des NS-Staats verschwand auch die erste Lufthansa. Die Siegermächte verboten die Herstellung, den Besitz und den Betrieb von militärischen und zivilen Flugzeugen, das Kontrollratsgesetz 52 beschlagnahmte das Vermögen der Lufthansa. Es dauerte bis 1953, ehe die rechtliche Basis für eine Fluggesellschaft unter Zustimmung der Alliierten geschaffen wurde.
Am 6. Januar 1953 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die "Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf" (LUFTAG) gegründet, die von der "Lufthansa in Liquidation" für 30.000 D-Mark das Kranich-Logo kaufte. Bald nannte sich die LUFTAG in Lufthansa um, betonte aber, eine völlig neue Gesellschaft zu sein. Doch die personellen Kontinuitäten waren unübersehbar. Kurt Knipfer, Görings Luftschutzbeauftragter, saß im Verwaltungsrat der alten wie der neuen Lufthansa. Kurt Weigelt, der Aufsichtsratsvorsitzende der alten Lufthansa, war verurteilter NS-Kriegsverbrecher und wurde dennoch erster Chef der LUFTAG. Gerhard Höltje, der Leiter der technischen Versuchsabteilung der alten Lufthansa, wurde technischer Leiter der neuen Lufthansa.
Künstlerische Darstellung der Lockheed Super Constellation L-1049G in Lufthansa-Lackierung. Die Motoren waren, genau wie beim auch von der Lufthansa genutzten Nachfolgemodell Starliner, sehr wartungsintensiv.
Höltje war es, der sich für die Lockheed L-1049 "Super Constellation" für den Langstreckenverkehr entschied, der zweiten Maschine in der Frankfurter Jubiläums-Ausstellung, von der zunächst vier Exemplare geordert wurden. Dazu bestellte man vier Convair CV 340 für die Kurzstrecke sowie zwei Trainingsflugzeuge von Saab. Die Piloten kamen von der amerikanischen Fluggesellschaft TWA. Im März 1955 gaben die Alliierten ihr Ok zum Betrieb der acht Flugzeuge. Im April 1955 bekam auch die DDR von den sowjetischen Behörden die Erlaubnis, womit am 1. Juli auch die Lufthansa der DDR starten konnte. (Sie flog bis 1963 und wurde nach einem verlorenen Markenrechtsstreit in Belgrad um das Kranich-Logo in Interflug umbenannt).
Mit der Super Constellation wurde die Linie Hamburg - New York ab dem 9. Juni 1955 bedient, 1956 kam eine Verbindung von Hamburg nach Rio de Janeiro hinzu, ebenso der "Orient-Dienst" mit einem Flug nach Istanbul, Bagdad und Teheran. Mit den Lockheed-Maschinen manövrierte sich die Lufthansa in eine schwierige Position und flog defizitär. Über den Atlantik nach New York brauchte es 17 Stunden, weit länger als die Düsenjets der Konkurrenz. Eine Luxusstrategie mit Senator Class-Flügen rein mit der ersten Klasse und nur 30 Plätzen sollte das kompensieren, doch frühzeitig war klar, dass man so nicht konkurrieren konnte.
Boeing 737-100 im klassischen Lufthansa-Lackierung, aufgenommen im April 1980. Die Lufthansa Regensburg der damaligen “Cityjet“-Reihe.
Am 5. November 1956 startete die Lufthansa die Paper Jet Operation: Auf dem Papier simulierte man die Flüge der Düsenjets, bei denen die Leistungsdaten der bestellten Boeing-Flieger mit den aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes und den Flugbewegungsdaten der Bundesanstalt für Flugsicherung. Sogenannte Flugdienstberater berechneten den jeweils besten Kurs für die Strecke Frankfurt-New York. Was heute von Computersystemen berechnet wird, wurde damals von menschlichen Computern durchexerziert. Als 1960 für die Lufthansa der Betrieb von Düsenjets begann, hatte man bereits Tausende von Flügen mit dem "Papierflieger" hinter sich.
War die Lufthansa zunächst im Hintertreffen im Hinblick auf Düsenflugzeuge, entwickelte sie sich schnell zum Vorreiter: Die Boeing 737, das meistgebaute Boeing-Zivilflugzeug, entstand unter intensiver Mitwirkung von Lufthansa. Die Fluggesellschaft war auch erster Kunde des Flugzeugs, welches am 9. April 1967 seinen Erstflug hatte.
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