Atlas sortiert Autoteile: Boston Dynamics testet Roboter in Hyundai-Fabrik

Boston Dynamics gewährt "60 Minutes" Einblicke in seine Arbeit: Der Roboter Atlas soll erstmals im realen Industrieumfeld lernen, Aufgaben autonom zu erledigen.

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Fließbandproduktion von Solarpanels mit Industrierobotern.

(Bild: IM Imagery/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Christian Weindl
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Robotik-Forscher von Boston Dynamics zeigen ihre neueste Errungenschaft: In den Hyundai-Produktionsstätten im US-Bundesstaat Georgia demonstriert der Roboter Atlas erstmals unter realen Arbeitsbedingungen, wie er Aufgaben autonom ausführt. Die Kameras des US-Fernsehmagazins 60 Minutes begleiteten die humanoide Maschine dabei – und zeigen beeindruckende Bilder.

Bei Boston Dynamics arbeitet man derzeit mit Hochdruck daran, das Wettrennen um die ersten vollautomatischen Industriearbeiter für sich zu entscheiden. Denn eines ist klar: Die Konkurrenz – vor allem aus China – schläft nicht.

Atlas ist rund 1,75 Meter groß und wiegt etwa 90 Kilogramm; seine Mechanik und Steuerung wurden so ausgelegt, dass er auf dem Fabrikboden funktionieren kann.

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Der humanoide Roboter ist seit Jahren Teil der Robotikforschung von Boston Dynamics, doch das aktuelle Modell unterscheidet sich grundlegend von früheren Versionen, die vor allem spektakuläre Bewegungen wie Sprünge demonstrierten.

Bei dem aktuellen Test absolvierte Atlas eine Aufgabe im Ersatzteillager der Hyundai-Fabrik weitgehend ohne menschliche Hilfe – indem er etwa Dachträger für die Montagelinie sortierte.

Boston-Dynamics-Ingenieur Zack Jackowski erläutert in dem Fernsehbeitrag, Atlas arbeite autonom und sei speziell darauf trainiert worden, in einer realen Produktionsumgebung Aufgaben auszuführen. Das Entscheidende dabei: Nicht jeder einzelne Schritt ist vorprogrammiert. Der Roboter findet eigene Lösungen und Strategien für verschiedene Aufgaben.

Hierfür kombinieren die Ingenieure intensive Trainingsphasen im Labor mit KI-gestütztem Lernen: Zunächst führen Menschen dem Roboter Bewegungen vor, die als Basis für maschinelles Lernen dienen. Daraus entstehen Modelle, die Atlas später nutzen kann, um ähnliche Aufgaben eigenständig auszuführen und individuelle Lösungswege zu entwickeln.

Im Inneren des Robotics-Labors werden Bewegungsdaten teilweise über Teleoperation aufgenommen, wobei Menschen den Roboter über Virtual-Reality-Systeme durch bestimmte Abläufe leiten. Diese Daten fließen in die KI-Modelle ein, damit Atlas später ohne direkte menschliche Steuerung handlungsfähig wird.

Zusätzlich zur Teleoperation nutzen die Entwickler moderne Methoden des maschinellen Lernens. Dabei üben Hunderte virtuelle Instanzen von Atlas gleichzeitig Bewegungen und lernen aus Fehlern, bevor sie im echten Umfeld zum Einsatz kommen.

Außerdem simuliert das Team Bewegungsdaten, sodass Atlas eine breite Basis an Handlungsperspektiven entwickelt, ehe er echte physische Aufgaben wahrnimmt.

Das Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit ist ein Roboter, der nicht nur körperliche Aufgaben wie Greifen und Hantieren beherrscht. Er lernt zudem durch Erfahrungen dazu, wie komplexe physische Abläufe in einem industriellen Umfeld gelingen können.

Boston Dynamics will sich mit Atlas die Rolle als Vorreiter in einem globalen Wettlauf sichern. In der Branche konkurrieren neben etablierten Akteuren auch Firmen wie Tesla oder verschiedene Startups aus den USA und China.

Noch bleibt Atlas ein Forschungsprojekt und ist bisher nicht reif für den Arbeitseinsatz. Laut Boston Dynamics könnte es noch mehrere Jahre dauern, bis der humanoide Roboter vollständig in der Industrie eingesetzt wird.

Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.

(jle)