Mobilfunk und Internet: Netzbetreiber nach Stromausfall im Alarm-Modus
Nach dem Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin sind auch Mobilfunkstationen und andere Netzinfrastruktur ohne Strom. Was die Anbieter jetzt unternehmen.
Mobilfunk-Antennen auf einem Wohnblock (nicht in Berlin).
(Bild: Timofeev Vladimir/Shutterstock.com)
Nach dem Brandanschlag auf eine Stromtrasse sind im Südwesten von Berlin neben zehntausenden Haushalten und Gewerbebetrieben auch zahlreiche Mobilfunkstandorte und die Festnetzinfrastruktur ohne Strom. Die Netzbetreiber arbeiten mit Hochdruck daran, zunächst die Mobilfunkversorgung wieder sicherzustellen, und haben bereits am Montag deutliche Fortschritte erzielt.
Die Netzbetreiber sind rechtlich verpflichtet, ihre Telekommunikationsdienste auch und gerade in Notlagen aufrechtzuerhalten. Das gilt in erster Linie für Anrufe und SMS. Deshalb können sie nicht einfach warten, bis der Strom wieder da ist.
Notfallprotokolle laufen an
Um auch in Notfällen wie einem Stromausfall die Gesprächsvermittlung sicherstellen zu können, haben einige der Antennenstandorte eine eigene Notstromversorgung mit einem Batteriepuffer. Doch sind auch diese Anlagen nicht dafür ausgestattet, lange Stromausfälle wie diesen zu überbrücken.
Die Netzbetreiber haben für solche Fälle eigene Notfallprotokolle, die nun angelaufen sind. Eine Maßnahme ist, Antennen in angrenzenden Gebieten, die noch mit Strom versorgt sind, in das Ausfallgebiet auszurichten. Parallel bringen sie die für die Grundversorgung wichtigen Antennen mit mobilen Generatoren wieder ans Netz.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
„Für solche Lagen hat o2 Telefónica ein umfassendes Sicherheits- und Vorsorgekonzept etabliert und hält im Rahmen dessen unter anderem Notstromaggregate vor, um Standorte bei Bedarf kurzfristig wieder mit Energie versorgen zu können“, erklärt ein Telefónica-Sprecher. Im O2-Netz sind 18 Antennenstandorte von dem Stromausfall betroffen.
Vodafone hat die Arbeiten zur vollständigen Wiederherstellung des Mobilfunknetzes im Berliner Südwesten am Dienstagabend abgeschlossen und ist wieder im Normalbetrieb. „Trotz des sehr langen Stromausfalls und widriger Wetterverhältnisse wurde die Mobilfunk-Grundversorgung jederzeit aufrechterhalten”, erklärte der Sprecher. „Die Stationen, die der Grundversorgung dienten, waren ununterbrochen in Betrieb.”
„Durch Inbetriebnahme von Strom-Generatoren und Neuausrichtung der angrenzenden Mobilfunkstationen bereits am Samstagmorgen konnte die Mobilfunk-Grundversorgung sichergestellt werden“, sagte ein Vodafone-Sprecher. Bei Vodafone sind 39 Standorte von dem Ausfall betroffen, von denen am Montag 29 wieder am Netz waren. „Nur drei Standorte können aus technischen Gründen nicht mit Notstrom versorgt werden.“
Vodafone hat die Arbeiten zur vollständigen Wiederherstellung des Mobilfunknetzes im Berliner Südwesten am Dienstagabend abgeschlossen und ist wieder im Normalbetrieb. „Trotz des sehr langen Stromausfalls und widriger Wetterverhältnisse wurde die Mobilfunk-Grundversorgung jederzeit aufrechterhalten”, erklärte der Sprecher. „Die Stationen, die der Grundversorgung dienten, waren ununterbrochen in Betrieb.”
Auch bei der Telekom lag die Priorität darauf, die Mobilfunkversorgung wiederherzustellen. Stand Montag sind 19 von 29 betroffenen Mobilfunkstationen wieder im Einsatz. „Alle im betroffenen Gebiet verfügbaren Stationen haben unsere Teams optimiert und kalibriert, um die größtmögliche Reichweite für eine Notversorgung sicherzustellen“, so ein Telekom-Sprecher. „Telefonie und SMS sowie Notrufe sind im gesamten Gebiet des Stromausfalls grundsätzlich möglich.“
Die Telekom stellt ihren rund 25.000 vom Stromausfall betroffenen Kundinnen und Kunden unlimitiertes Datenvolumen für 30 Tage zur Verfügung. „Viele dieser Menschen werden dieses Datenvolumen in Notunterkünften und anderen Orten außerhalb des Stromausfall-Gebietes nutzen können“, sagt der Sprecher.
Auch bei 1&1 ist es aufgrund des großflächigen Stromausfalls in Teilen Berlins zu Einschränkungen gekommen. „1&1 kommt der Telekommunikationssicherstellungspflicht gemäß §185 TKG selbstverständlich nach“, sagt eine Sprecherin. „Dazu setzen wir auf ein umfassendes Maßnahmenpaket, das unter anderem Geo-Redundanz, Backups und Wiederanlaufpläne umfasst. Durch unseren National Roaming-Vertrag mit Vodafone ergibt sich für Kunden im 1&1 O-RAN im Bereich des Funkzugangsnetzes sogar eine erhöhte Ausfallsicherheit.“
„Vermittlungsstellen jederzeit arbeitsfähig“
Acht Vermittlungsstellen der Telekom befinden sich in dem Gebiet, das vom Stromausfall betroffen ist. „Diese Vermittlungsstellen waren jederzeit arbeitsfähig, da die Stromversorgung über Batterie- und Netzersatzanlagen erfolgreich abgesichert werden konnte“, sagt der Telekom-Sprecher. „Leitstellen waren zu keinem Zeitpunkt betroffen.“
(Bild:Â TelefĂłnica Deutschland)
Etwas länger dauert es, Festnetz-Internetanschlüsse wieder online zu bringen. „Festnetz-Telefonie, Internet und MagentaTV stehen erst wieder vollständig zur Verfügung, wenn die Energieversorgung wiederhergestellt ist“, erklärt der Telekom-Sprecher. „Sobald der Strom bei den Menschen wieder funktioniert, können sie die Festnetzdienste wieder nutzen.“
Bei Vodafone wurde eine Betriebsstelle komplett vom Stromnetz abgeschnitten. „Nach Verbrauch des Strom-Kapazitätspuffers konnten wir die angeschlossenen 47.000 Haushalte vorübergehend nicht mit Kabel-TV, Breitband-Internet und Festnetz-Telefonie beliefern“, erklärt der Sprecher. Bereits am Samstagnachmittag sei „mit einem großen Kraftakt und unter Einsatz von Schneeräumfahrzeugen“ die Betriebsstelle mit einem Großgenerator wieder mit Strom versorgt worden.
Am Dienstagabend waren immer noch über 20.000 Haushalte in Berlin ohne Strom. Zu dem Anschlag auf die Trasse hat sich eine „Vulkangruppe“ bekannt, die schon als Urheber für den Strom- und Internetausfall im Berliner Westen 2018 sowie den Anschlag auf das Tesla-Werk in Brandenburg gelten.
Die Behörden halten das Bekennerschreiben für authentisch und widersprechen Spekulationen über eine „False Flag“-Operation mit russischer Beteiligung. Die Bundesanwaltschaft hat – wie bei Terroranschlägen üblich – die Ermittlungen übernommen.
Massive Kritik am Krisenmanagement
Unterdessen muss sich die Berliner Verwaltung massiver Kritik an ihrem Krisenmanagement stellen. Zu langsam und zaghaft seien die HilfsmaĂźnahmen angelaufen, hieĂź es. Zudem sind die Schwachstellen im Berliner Stromnetz, das bis 1994 eine Strominsel bildete, lange bekannt.
1997 wurde die landeseigene Bewag privatisiert, drei Jahre später übernahm der Vattenfall-Konzern den Berliner Versorger und das Stromnetz. 2021 hat das Land das Stromnetz für über 2 Milliarden Euro wieder zurückgekauft. Keiner der bisherigen Eigentümer hat offenbar dringenden Anlass gesehen, die historisch bedingten Schwachstellen des Netzes zu stärken.
Das soll sich nun offenbar ändern. „Im vorliegenden Fall wurden mehrere Systeme gleichzeitig durch den Anschlag beschädigt“, erklärt eine Sprecherin des Berliner Senats. „Die Stromnetz Berlin GmbH arbeitet kontinuierlich daran, das System redundant zu gestalten. Für das betroffene Versorgungsgebiet gibt es konkrete Projekte für sicherheitserhöhende Maßnahmen durch alternative Kabelverbindungen. Diese befinden sich derzeit in praktischer Umsetzung.“ Das kann allerdings dauern – der Senat spricht bei solchen Projekten von Monaten bis Jahren.
Birgt das Berliner Stromnetz, einst eine Strominsel umgeben von der DDR, noch weitere solcher anfälligen „Single Points of Failure“? Der Senat will das nicht klar beantworten – auch aus Sicherheitsgründen. „Stromnetz Berlin führt regelmäßige und systematische Schwachstellenuntersuchungen durch, wie sie für Betreiber kritischer Infrastrukturen üblich sind. Diese fließen in kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen ein“, erklärt die Sprecherin. Im Klartext heißt das: Ja.
(vbr)